Print 
Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
Place and Date of Creation
Page
139
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Die Nebenprodukte der Baumwollpflanze. 139

Sommersprossen zu reinigen. Ein aus den Blättern der jungen Pflanze hergestellter Thee ist gut bei Durchfall, ein aus den Blüten gewonnener Saft wird im Orient bei Hypochondrie verwendet. Überhaupt spielen die aus der Baumwollstaude abgeleiteten Heilmittel in der östlichen Welt eine viel wichtigere Rolle wie in der modernen Medizin. Man braucht sie bei den verschiedensten Krankheitsfällen, u. a. auch bei Kopfschmerz, bei Gehirnaffektion, bei Rheumatismus, bei Verbrennungen und An­schwellungen. Bei Burton (pilgrimage to el Medinah and el Meccah I S. 371) findet sich folgende Stelle, die wörtlich lautet:Dysenterien kommen in der Fruchtzeit häufig vor, wenn die gefrässigen Araber alle Arten unreifer Pfirsiche, Weintrauben und Granatäpfel verschlingen. Die Volksbehandlung besteht in Brennen mit glühendem Eisen; die Vertreter der Heilkunde dagegen wenden zusammenziehende Mittel und das Bizr el Kutn (Baumwollsamen) geröstet, gestossen und in Wasser ge­trunken an.

2. Die Stengel.

Nach Einerntung der Saatbaumwolle stehen auf den Feldern die Stauden in herbstlichem Gewände. Tritt der erste starke Frost ein, so fallen die Blätter ab, und es bleibt bloss noch das Gerippe der Pflanze übrig. Man rechnet, dass das Gewicht dieser Gerippe auf einem Stücke Land, das einen Ballen gereinigter Baumwolle liefert, etwa 1800 Pfund ausmacht. Die gewöhnliche Nutzung dieser Reste besteht in den Ver­einigten Staaten darin, dass man auf solche Felder, die eingefriedigt sind, die Zuchttiere treibt. Diese fressen die Äste und leeren Kapseln ab und lassen nur die Stengel übrig, die dann durch fortgesetzte Fröste eine harte und brüchige Beschaffenheit annehmen. Die chemische Zu­sammensetzung der Stengel zeigt 10 % Wasser, 5,23 % Asche, 9,54 % Protein, 40,77 % Cellulose, 32,63% extraktfreien Stickstoff und 1,83% Fett; sie haben demnach etwa denselben Futterwert wie Roggen-, Hafer- oder Weizenstroh.

In holzarmen Ländern wie in Ägypten, China und Turkestan werden die Stengel im Herbste eingesammelt und während des Winters ver­feuert. In Ägypten berechnet man den Wert der Stengel von einer Hektar­pflanzung zu rund 10 Mark.

Neuerdings hat man in der Union auch noch andere Verwertungen der Stoppeln in Vorschlag gebracht. Wenn man nämlich die Stengel und Wurzeln abschabt, so erhält man einen groben Faserstoff, der sich