Die Baumwollfaser, ihre Entwickelung und Beschaffenheit.
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8. Die Mercerisation.
Von grosser Bedeutung für die Baumwollindustrie wurde eine neuere chemische Behandlung, die „Mercerisation“, die den Baumwoll- geweben einen seidenartigen Glanz zu verleihen vermag. Der Vorgang, über den wir hier etwas ausführlicher sprechen wollen, ist nach seinem Erfinder John Mercer benannt.
Im Jahre 1844 untersuchte John Mercer den Einfluss der Ätzkalien auf die Baumwollfaser. Er beobachtete gelegentlich eines wissenschaftlichen Versuches beim Filtern starker Natronlauge durch Baumwollzeug eine Veränderung der Faser; die Lösung lief nämlich sehr langsam durch, und das Filtrat zeigte eine Dichte von nur 1,265, während die ursprüngliche Lauge 1,300 gewesen war; das Zeug war etwas durchsichtig, aber dicker geworden und in der Länge und Breite zusammengeschrumpft. Mercer untersuchte nun die Einwirkung von starkem Alkali auf Baumwolle genauer und stellte u. a. auch fest, dass Schwefelsäure und Chlorzink unter gewissen Bedingungen ähnlich wirken. Im Jahre 1850 wurde ihm ein englisches Patent „für Verbesserungen in der Baumwolle und andern Faserstoffen und Geweben“ erteilt. Mercer erhielt die besten Ergebnisse mit Baumwollzeug, welches einfach, ohne Kochen, mit schwacher Lauge gereinigt war, indem er dieses in Natronlauge von 26 1 ./ 2 —29° Be. bei Luftwärme (15°) eintauchte; auf gewöhnliche Weise gebleichtes Zeug liess die Einwirkung auch hinreichend erkennen; dabei zeigte sich aber der merkwürdige Umstand, dass Erwärmen die Umwandlung verlangsamte, hingegen Abkühlen der Lauge sie beschleunigte. Nach Entfernung des Alkalis durch Spülen in Wasser erwies sich die mercerisierte Baumwolle als schwerer und dichter und zeigte grössere Anziehungskraft für Farbstoffe als gewöhnliche. Die Zusammenziehung betrug ’/* bis Vs der ursprünglichen Länge. Zerreissversuche zeigten, dass ein Streifen, der vorher nur 13 Pfund trug, nach der Mercerisation erst durch 22 Pfund zerrissen wurde. Die Gewichtszunahme der mercerisierten Baumwolle betrug 4,5 bis 5,5 % des ursprünglichen Gewebes, verursacht durch vermehrte, angezogene Feuchtigkeit, die bei Erhöhung der Temperatur auf 100° zwar verschwindet, aber bei Rückkehr in gewöhnliche Luft wieder erscheint.
Die Bedeutung des Mercerisierens wurde frühzeitig erkannt, wie teils aus dem Umstande hervorgeht, dass eine französische Gesellschaft dem
Erfinder für Überlassung seiner Patentrechte eine Summe von 1 Mill. Fr.
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