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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
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126 Viertes Kapitel.

Während aber Schunck die Färbung ausschliesslich auf das Vorhanden­sein von Endochrom zurückführt, will Bowman in einigen besonders dunkel gefärbten Proben ägyptischer Baumwolle deutlich vermehrte Spuren von Eisen wahrgenommen haben; er meint daher, dass die besonders dunkle Färbung durch irgend eine Eisenverbindung verursacht werde. Daraus geht hervor, dass die Endochromfrage weiterer Untersuchungen bedarf.

7. Chemisches Verhalten der Faser.

Wenn man Baumwollfasern in irgend eine chemische Lösung ein­taucht, so erleiden sie einerseits fast stets, namentlich bei erhöhter Wärme, Veränderungen, die auf keinem Wege ganz wieder beseitigt werden können, anderseits beeinflussen sie die Substanz, mit der sie befeuchtet wurden, auf irgend eine Weise. Dagegen erweist sich die Baumwolle in fast allen üblichen chemischen Lösungsmitteln als unlöslich; eine Ausnahme bilden nur die Schwefelsäure und das Kupferoxydammoniak. Mischt man Baum­wolle mit Kupferoxydammoniak und fügt eine Säure hinzu, so entsteht reine Cellulose in Form einer gallertartigen Masse. Mengt man aber Baumwolle mit starker Salpeter- und Schwefelsäure, so entsteht Schiess­baumwolle oder Pyroxylin, französ. Coton poudre, pyroxyle; engl, gun cotton.

Die Gewinnung von Schiessbaumwolle wurde gleichzeitig von Schön­bein in Basel und Böttger in Frankfurt a. M. im Jahre 1846 gefunden, nachdem bereits im Jahre 1836 der Franzose Pelouze die Beobachtung gemacht hatte, dass bei Einwirkung konzentrierter Salpetersäure auf Papier, Leinen oder Baumwolle die Cellulose in eine explosive Substanz verwandelt wird.

Diejenige Art von Schiessbaumwolle, in der ein Molecul salpeter­saures Peroxyd weniger ist als im Pyroxylin, ist die in Ätheralkohol lösliche Collodiumwolle, die in der Chirurgie zum Verschliessen von Wunden, ganz besonders aber in der Photographie zur Herstellung der Negativbilder gebraucht wird.

Löst man Baumwolle in konzentrierter Schwefelsäure vollständig auf, so bildet sich beim Verdünnen Dextrin, das die Eigenschaft besitzt, die Ebene des polarisierten Lichtes nach rechts abzuleiten. Eine Zwischen­stufe dieses Vorganges ist das Amyloid, ein Stoff, der in seinem Ver­halten dem Stärkekleister sehr ähnlich ist.

Was die Veränderungen anbelangt, welche die Baumwolle unter Behandlung mit Kupferoxydammoniak oder konzentrierter Schwefelsäure