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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
Entstehung
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Die Baumwollfaser, ihre Entwickelung und Beschaffenheit. 123

Das Vorhandensein von Wachs und Pektinsäure ist von Wichtigkeit für die technische Verarbeitung und äussert sich bei den einzelnen Vor­gängen derselben in verschiedener Weise. Das Wachs macht, wie oben bemerkt wurde, die Faser elastisch und widerstandsfähig; sie lässt sich daher leichter spinnen und giebt weniger Abfall, als wenn die öligen Be­standteile des Wachses sich ganz oder teilweise verflüchtigt haben. Ist aber dann die Baumwolle zu Garn versponnen, so nimmt das Wachs dem Garn die Neigung zum Kräuseln, die sich gern infolge der starken Drehung einstellt. Bei einfachem Garn wird der Vorgang des Sichsetzens oder Ablagerns dadurch befördert, dass man es eine Zeitlang an einem feuchten, kühlen Orte unterbringt; dann erstarrt das Wachs, trocknet ein und be­wirkt, dass die Fasern die Lage behalten, die sie durch das Drehen erhalten haben.

Dem Färbeprozess aber setzt das Wachs einen gewissen Widerstand entgegen; daher erklärt es sich auch, dass ungebleichte Gewebe nicht in so vollständiger Weise gefärbt werden können wie gebleichte. Durch das Bleichen wird nämlich das Wachs entfernt, während bei ungebleichten Garnen das Wachs verhärtet und erstarrt und dadurch das Färben er­schwert.

Was das Verhalten des Pektins bei der technischen Verarbeitung anbelangt, so äussert es bei dem Bleichen eine ungünstige Eigenschaft; bei diesem Vorgänge verwandelt es sich nämlich in Para- und Metaplektin- körper, die bis zu einem gewissen Grade in Wasser löslich sind. Durch diese Lösung aber erleiden die gebleichten Garne einen Gewichtsverlust, der bis zu 5 % steigen kann.

6. Chemische Zusammensetzung der Faser.

In manchen Werken liest man die Angabe, dass die Baumwollfaser in völlig ausgereiftem Zustande beinahe gänzlich aus reiner Cellulose bestehe, einer schneeweissen, nicht kristallisierbaren Masse, die sich fast gegen alle Reagentien, stärkere Säuren oder Alkalien ausgenommen, in­different verhält. Aber nach der zuverlässigsten Analyse amerikanischer Baumwolle, die auf der landwirtschaftlichen Versuchsstation des Staates Tennessee angestellt wurde, lässt sich obige Angabe nicht aufrecht erhalten; vielmehr muss man sagen, dass etwa ein Sechstel bis ein Siebentel andere Stoffe als Cellulose vorhanden sind.

Die Analyse der Tennessee-Station hatte das folgende Ergebnis: