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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
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Viertes Kapitel.

5. Baumwollwachs.

Die Baumwollfasern enthalten, wie bereits angedeutet, einen kleinen Betrag fettiger oder öliger Masse, der sich ihnen mitteilt, wenn bei der Ernte die flüchtigeren Teile des in den Samen befindlichen Öles ver­dunsten. * Dieses wachsartige Öl, das von Dr. Eduard Schunk zuerst genauer untersucht und in seine Bestandteile zerlegt worden ist, bildet gleichsam einen schützenden Überzug der Faser und verhindert das Ein­dringen aller gegen dieses Wachs neutralen Flüssigkeiten durch das Membran. Von der Anwesenheit dieses öligen Wachses kann man sich durch folgenden einfachen Versuch überzeugen. Schüttet man etwas Wasser auf einige Baumwollflocken, so nehmen sie es nicht sogleich an, sondern lassen es anfänglich abtropfen. Die Menge des den Fasern an­haftenden Baumwollwachses ist je nach den Witterungsverhältnissen, dem Reifegrade der Kapseln und dem Herkunftsgebiete verschieden. Das Wachs macht die Faser elastisch und widerstandsfähig; verschwinden aber infolge starker Hitze oder längeren Liegens die flüchtigen Bestandteile des Öles, so trocknen die Rückstände desselben ein und machen die Faser steifer und härter. Nach Schunk enthält die amerikanische Baumwolle 0,48 °/ 0 Baumwollwachs, die ostindische Dhollerah aber nur 0,337°/ 0 .

Die allgemeinen Eigenschaften des Baumwollwachses weichen nicht wesentlich von denen anderer pflanzlicher Wachsarten ab. Im Wasser ist es unlöslich, dagegen löst es sich in Äther und Alkohol; erhitzt schmilzt es bei 86 0 C. in eine durchsichtige Flüssigkeit, während es bei 8281 0 C. wieder fest wird; es verbrennt mit kleiner Flamme, wobei es wie ver­branntes Fett riecht, und hinterlässt keinerlei Asche.

Ausser Wachs enthält die Baumwollfaser einen ganz ausserordentlich geringen Betrag Fettsäure von weisser, fester Beschaffenheit, die sich als ein Gemisch von Stearin- und Palmitinsäure kundgiebt. Sie schmilzt bei 56° C., wird fest bei 51° C., ist in Äther und Alkohol rasch löslich. Sie ist aber in so geringer Menge vorhanden, dass die weitere chemische Zerlegung grossen Schwierigkeiten begegnet; nur so viel lässt sich sagen, dass der grösste, in heissem Wasser lösliche Bestandteil die Pektinsäure ist. Ihr Vorhandensein in der Faser erklärt sich daher, dass mit der Cellulose und dem Wasser die Derivate der Pektinsäure zu den be­deutendsten Bestandteilen der Baumwollfaser gehören.