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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
Entstehung
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2^0 Viertes Kapitel.

und Haltbarkeit der Gespinnste. Die tote Baumwolle findet sich nicht nur in den ungenügend ausgereiften Kapseln, sondern auch an gewissen Stellen der reifen und zwar in der Regel am Grunde derselben, wo sie entweder nicht die nötige Nahrung hatten oder dem Einflüsse von Licht und Luft in nicht ausreichendem Masse ausgesetzt waren. Das Verhält­nis, in dem die tote Baumwolle auftritt, wechselt von Jahr zu Jahr und hängt von verschiedenen Umständen wie Witterung, geographische Lage, Gesundheit der Pflanzen und Sorte ab. Je gröber diese, desto mehr unreife Fasern kommen vor, wie sich das namentlich in Ostindien und Kleinasien zeigt. Langstapelige Arten weisen weniger tote Baumwolle auf als kurzstapelige, am wenigsten Sea Island.

Halbreife Fasern, in ihren Eigenschaften zwischen den unreifen und reifen stehend, zeigen bei der Verarbeitung die Mängel der toten Baumwolle in beschränkterem Masse, beeinträchtigen aber immerhin die Güte der Fabrikate.

3. Mikroskopische Betrachtung der Faser.

Übrigens sind auch die reifen Fasern derselben Sorte, ja derselben Kapsel, keineswegs einander völlig gleich, sondern jede einzelne hat ihre Besonderheiten und weicht in dem oder jenem Stückchen von ihren Colleginnen ab. Fernere Unterschiede ergeben sich nach den Sorten. Unter dem Miskroskop betrachtet, erscheint die Faser manchmal als ein breites, feingekörntes Band, das häufig um seine Achse gedreht ist. In diesem Falle ist die Wandung verhältnismässig dünn, die Faser drei bis viermal breiter als dick und der innere Hohlraum (das Lumen) drei bis viermal breiter als die Wandung. Solche Eigenschaften findet man namentlich bei den gröberen Sorten. Bei den feineren, dünneren Sorten, besonders bei G. barbadense, zeigt sich die Faser nur ganz wenig zu­sammengedrückt, schwach seilförmig gedreht und ist mit verhältnis­mässig dicker Wandung versehen, sodass das Lumen nur ganz schmal aussieht; auch treten dann glänzende wulstige Ränder hervor. Mitunter sind die Fasern solcher Sorten auf längere Strecken hin fast zylindrisch und somit der Leinenfaser einigermassen ähnlich.

Der innere Hohlraum (das Lumen) der Baumwollfaser (Fig. 48) ist bedeutend breiter als hoch, weil ihre Vorder- und Hinterseite ziemlich fest aufeinander liegen. Er ist teils mit Luft, teils mit einem äusserst dünnen Häutchen von eingetrocknetem Protoplasma, dem Inhalte der