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Drittes Kapitel.
1. Der Anbau.
Die Art des Anbaues gestaltet sich je nach den Ländern, besonders aber nach dem Bildungsgrade und dem Fleisse der Einwohner in ganz verschiedener Weise. Die indischen Landleute säen vielfach den Samen breitwürfig, häufig im Gemisch mit Koriander, Hirse u. a. und entfernen nach einiger Zeit die aus letzteren entstandenen Pflanzen, so dass dann die Baumwollstauden in gemessenen Abständen von einander dastehen. In Südeuropa und Vorderasien werden in sorgfältig zubereiteten
Beeten, wie bei Reis oder Tabak, Stecklinge gezogen und diese nach
gewisser Zeit in bestimmten Abständen auf die eigentlichen Felder verpflanzt; die weitere Pflege derselben hat Ähnlichkeit mit der unserer Kartoffel. In Mexiko und Südamerika, namentlich in Brasilien, wo die Staude mehrere Jahre ausdauert, werden in Abständen von beinahe
2 m mit dem Spaten Löcher von etwa 30 cm Tiefe gegraben, diese mit 6 bis 8 Samenkörnern versehen und dann mit Erde wieder teilweise zugefüllt. Später zieht man die gesprossten Pflänzchen bis auf das
kräftigste aus und füllt nach und nach bei dem fortschreitenden Wachstum desselben die Grube vollständig zu. Nach jeder Ernte werden die Pflanzen zurückgeschnitten.
Wo ein sorgfältigerer Anbau stattfindet, wie in Japan, Ägypten, vornehmlich in den Vereinigten Staaten, teilweise auch in Turkestan und in anderen Gebieten, wendet man die sogenannte Hügelpflanzung an. Dabei zieht man nach gehöriger Vorbereitung des Bodens durch Reinigen, Ackern und Düngen in Abständen von 45 bis 100 cm Längs- und Querlinien, auf jeden Schnittpunkt aber legt man 6 bis 8 Samenkörner und deckt diese etwa 2 cm mit Erde zu, so dass winzige Hügel entstehen. Sind die Pflänzchen aufgegangen, so werden die schwächeren Exemplare abgestochen und nur das stärkste bleibt zu weiterer Kultur stehen. Die in den Vereinigten Staaten am meisten angewandte und zweifellos auch beste Bestellung ist jedoch die Reihenpflanzung. Zu diesem Zwecke werden, ähnlich wie bei der Bestellung unserer Kartoffeln, in einem Abstande von etwa 135 cm parallele Kämme mit dem Pfluge gezogen und in diesen flache Furchen hergestellt, in die dann mit der Hand oder häufiger mit Hilfe einer besonderen Maschine etwa alle 10 cm die Samenkörner gelegt und etwa 2 cm tief mit Erde zugedeckt werden.
Die Zeit der Aussaat ist nach den klimatischen Verhältnissen und der geographischen Lage der beteiligten Länder verschieden und richtet