Die Baumwolle als Pflanze. 43
Fast gleichzeitig mit Rohrs gründlicher Arbeit erschien das Werk des Franzosen Ch. Ph. de Lasteyrie über die Baumwolle und ihren Anbau, wonach 17 Arten allein auf der französischen Insel Guadeloupe angebaut worden sein sollen. Der französische Naturforscher de Candolle unterschied im Jahre 1824 13 Arten. Diese Zahl verminderte der hervorragende englische Botaniker Royle auf nur vier, nämlich: G. herbaceuin, G. arboreum, G. barbadense und G. hirsutum. Der Italiener Pariatore erweiterte diese auf sieben, indem er zu den vorbenannten, die bereits von Linne aufgestellte Art G. religiosum wieder einführte und zwei neue: G. sandvicense und G. taitense hinzufügte. Sein Landsmann Todaro erhob 54 Formen zu selbständigen Arten, vgl. das Verzeichnis unter Nr. 3 dieses Kapitels. Von Todaro ausgehend, ergänzte der Franzose Jardin dessen Liste aus andern Quellen und kam füglich zur Aufstellung von zwei Haupttypen, deren erster nur durch G. Australiense Todaro vertreten wird, während die zweite die eigentlichen Gossypia umfasst; seine Liste enthält füglich 58 Formen, von denen allerdings, wie er selbst sagt, viele unzweifelhaft mit einander identisch sind. Der sog. Index Kewensis endlich, das Verzeichnis derjenigen Pflanzen, die in dem Herbarium des berühmten botanischen Gartens in Kew bei London enthalten sind, giebt 42 Arten und 88 Synonyme an.
Ebensowenig wie es bisher gelungen ist, für die zahlreichen Gossy- piumarten eine einheitliche und allgemein anerkannte botanische Gruppierung zu erzielen, hat man bisher mit Sicherheit festzustellen vermocht, welche jener Arten nun eigentlich angebaut werden. Nach den englischen Botanikern Bentham und Hooker können nur zwei als nutzbar bezeichnet werden; Masters, der Landsmann der eben genannten Gelehrten, stellt deren vier auf; Todaro dagegen spricht von 34 angebauten Formen, von denen er aber neun als ungewiss bezeichnet.
2. Einteilungsprinzip und Hauptarten.
Kehren wir zur Erörterung der Einteilungsfrage zurück, so muss bemerkt werden, dass man neuerdings wieder dazu neigt, eine geringe Zahl von Grundformen aufzustellen, deren unterscheidende Merkmale sich mit einiger Sicherheit zum Ausdruck bringen lassen. Von grosser Wichtigkeit ist dabei der Punkt, auf welchen Teil der Pflanze man die Unterscheidung zu begründen habe. Nach dem deutschen Botaniker M. Gürke ist dabei, wie es schon Rohr that, in erster Linie der Samen (Fig. 7)