30 Erstes Kapitel.
Auch später hat es nicht an Bemühungen gefehlt, eine bessere Faser zu erzielen, namentlich durch Einführung amerikanischer Sorten, aber die Erfolge waren nicht immer befriedigend.
6. Verarbeitung in der Neuzeit.
Dass bei Beginn der Neuzeit Baumwolle in Europa verarbeitet wurde, ist aus den früheren Ausführungen bekannt, ebenso dass Deutschland damals das Hauptgebiet für diese Thätigkeit war. In England gab es in den ersten Jahren der Regierung Elisabeths noch keine Baumwoll- manufakturen. Erst der Religions- und Bürgerkrieg in den Niederlanden und seine Unterdrückung durch die spanische Übermacht unter Philipp II., namentlich nach der Belagerung und Eroberung Antwerpens im Jahre 1585, führte eine Anzahl niederländischer Baumwollweber auf britischen Boden, wo sie die ersten gewerblichen Anlagen zur Herstellung baumwollener Stoffe errichteten, und dies geschah in der Grafschaft Lancashire, die später der Hauptsitz derBaumwollverarbeitung wurde und ihre dominierende Stellung in diesem Wirtschaftszweige bis auf den heutigen Tag behauptet hat. Infolge der Einwanderung von Webern aus den Niederlanden war Manchester bereits im siebzehnten Jahrhundert der bedeutendste Ort in der Fabrikation von Baumwollwaren. Man kaufte den Rohstoff in Cypern und Smyrna. Indes hatte dieses Gewerbe in England damals mit Schwierigkeiten verschiedener Art zu kämpfen, die später näher beleuchtet werden sollen; es hatte infolge dessen so massige Fortschritte gemacht, dass vor der Thronbesteigung des Königs Georg III. (1760) der Gesamtwert der in ganz Grossbritannien verfertigten Baumwollwaren nicht über 2 Mill. Thaler, die jährliche Einfuhr roher Baumwolle aber nicht über 2 Mill. Pfund betrug.
Bedeutender als in England war damals das Baumwollgeschäft in Holland. Nachdem sich nämlich die Holländer der meisten einst portugiesischen Besitzungen in Ostindien bemächtigt hatten, fingen sie an, Kattundruckereien anzulegen und trieben, nach J. Chr. Schedel, dies Gewerbe mit ansehnlichem Vorteil so lange, bis man auch an andern Orten, wie zu Augsburg, Hamburg, in den österreichischen Niederlanden, in England, in der Schweiz, in Frankreich u. s. w. Druckereien und Webereien errichtete. „Der grösste Teil dieser Anlagen“, sagt Schedel, „bestand freilich nur in Druckereien; man liess die rohen oder gebleichten Kattune, wie noch jetzt die Hamburger, Bremer und Kopenhagener thun, bei den