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Erstes Kapitel.
Mit Genugthuung dürfen wir also hervorheben, dass Ausgangs des Mittelalters und bei Beginn der Neuzeit Deutschland das wichtigste Land Europas für die Verarbeitung der Baumwolle und den Handel mit Baumwollstoffen war, und es ist ewig schade, dass auf dieser vorzüglichen Grundlage nicht weiter gebaut werden konnte. Welche Perspektive eröffnet sich, wenn man denkt, dass der Vorrang dieses so wichtigen Wirtschaftszweiges in deutschen Händen geblieben wäre! Diese blühende und erfolgreiche Thätigkeit wie vieles andere vernichtete der religiöse Hader und sein schreckliches Kind: der dreissigjährige Krieg. Späteren Zeiten blieb es Vorbehalten, eine neue Grundlage zu schaffen und darauf ein immer ausgedehnteres, achtunggebietendes Gebäude zu errichten: den heutigen Baumwollhandel und die heutige Baumwollindustrie. Aber es ist immerhin bemerkenswert, dass die letztere dieselben Stätten wieder aufgesucht hat, wo die frühere Baumwollindustrie blühte, während der Handel die mittelalterlichen Bahnen endgültig verlassen und sich an der Nordseeküste, vor allem in Bremen, niedergelassen hat.
Was England anbetrifft, so war dies im späteren Mittelalter Einfuhrland für Baumwollfabrikate. Grobe Tücher und Barchente („Fustians“) kamen im Handel schon während des vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts vor. Der englische Dichter Chaucer, um 1375, erwähnt Kleidungen aus Barchent, die nicht in England gemacht waren. Ein anderes Gedicht, betitelt „the process of the libel of. english policie“ vom Jahre 1430, spricht von den aus Preussen und dem Morgenland kommenden Barchenten. Nach Guicciardini’s Beschreibung der Niederlande vom Jahre 1560 bezog Antwerpen von Venedig u. a. auch Kattune und von Mailand allerlei Barchente und Dimities. Die Einfuhr von Barchenten aus Deutschland nach England betrug damals jährlich an 600000 Kronen, aber auch in Gent und Brügge wurden Kattune fabriziert.
An das Ende der mittelalterlichen Geschichte der Baumwolle gelangt, haben wir noch zu sagen, dass sie in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts durch die Einwanderung der osmanischen Türken auch auf die Balkanhalbinsel gelangte, wo sie noch heutigen Tages an einigen Örtlichkeiten gebaut wird.
4. Altamerika.
Das folgenreichste Ereignis, womit die neue Zeit anhebt: die Entdeckung Amerikas, sollte auch für die Baumwolle von höchster Bedeutung werden, nicht sowohl dadurch, dass die Entdecker an vielen