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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
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Geschichte der Baumwolle im Überblick. 15

sein; es beschäftigte sich früher mit diesem Stoffe als die alten Kultur­länder Ostasiens, ganz zu schweigen von Afrika oder Amerika, von denen das letztere erst um anderthalbtausend Jahre später in den Bereich der Baumwollgeschichte tritt, das erstere aber noch später. Allerdings blieb der Baumwollbau in Elis um die Wende der christlichen Ära eine Oase, ohne Einfluss auf das übrige Griechenland und seine Nachbarländer, und in der Folge der Zeiten verschwand er aus dem Peloponnes bis auf wenige dürftige Reste. Andern Völkern aber sollte es beschieden sein, zur weiteren Verbreitung der Baumwolle beizutragen.

Die alten Römer wurden wahrscheinlich durch die Eroberung der Küstenländer des östlichen Mittelmeerbeckens, die sich in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten vollzog, mit der Baumwolle bekannt, und in der That werden unter den aus diesen Gebieten nach Rom eingeführten zollpflichtigen Gegenständen auch Baumwollstoffe erwähnt. Die Digesten des Justinian z. B. sprechen vonopus byssinum,carbasum undcar- basea, und nach Brandes bedeutetcarbasum Baumwollstoff,carbasea Baumwollgarn undopus byssinum andere Erzeugnisse aus Baum­wolle, wie z. B. die schon erwähnten Haarnetze aus Patrae. Der orien­talische Brauch, Baumwolle als Schutz gegen die Sonne zu benutzen, wurde auch von den Römern angenommen; so gebrauchte z. B. der Prätor Verres in Sicilien im Jahre 70 vor Christo Zelte mit Decken aus Baumwolle und P. Lentulus Spinther Hess, nach Plinius, bei den Spielen des Apollofestes das Theater mit Baumwolldecken gegen die Sonnenstrahlen schützen. Darauf spielt der Dichter Lucretius an, wenn er die weissen Wolken am Himmel mit Carbasusdecken vergleicht.

Von dem Anbau und der Verarbeitung der Baumwolle bei den alten Römern ist nichts bekannt; Baumwollfabrikate wurden gelegentlich aus dem Osten eingeführt, haben aber keine grosse Verbreitung ge­funden und blieben stets eine Rarität.

3. Ausbreitung im Mittelalter.

Das Verdienst, die Baumwolle weiter verbreitet zu haben, gebührt unstreitig den Arabern, die ja überhaupt die Kulturträger des Mittel­alters waren und zugleich die Handelsverbindungen zwischen dem Orient und dem Occident in der Hand hatten. Aus mehreren Nachrichten lässt sich schliessen, dass in Arabien bereits zu Mohammeds Zeiten baum­wollene Kleider üblich waren. Der fanatische Kalif Omar soll, wie