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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
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12 Erstes Kapitel.

der Anbau und die Verarbeitung in die Zeit vor Manu zurückreichen, darüber lässt sich nichts sagen.

Von der ersten Erwähnung bei Manu vergehen fast fünf Jahrhunderte, bis wir wieder etwas Zuverlässiges und Genaues von der Baumwolle hören. Es sind die Geschichtsschreiber des berühmten Zuges Alexanders des Grossen durch Vorderasien nach Centralasien und Indien, die bei verschiedenen Gelegenheiten von der Baumwolle sprechen. Zwar hatte schon Herodot bei seinem Berichte über Indien erzählt, dass dort die wilden Bäume als Frucht Vliesse tragen, die die Wollpelze der Schafe an Schönheit und Güte übertreffen und dass die Kleider der Inder aus diesem Stoffe gemacht seien; er teilt ferner mit, dass ein Kürass, den der ägyp­tische König Amasis einst nach Sparta schickte, mit Gold und Vliessen von Bäumen geschmückt war. Aber Herodots Mitteilungen beruhen doch nicht auf eigener Anschauung, abgesehen davon, dass sie auch eine aridere Deutung nicht völlig ausschliessen. Dagegen sind die Berichte der griechischen Schriftsteller aus und nach der Zeit Alexanders so deutlich, dass sie eine andere Auslegung als die auf die Baumwolle bezügliche durchaus nicht zulassen. Theophrastus z. B. in seiner Geschichte der Pflanzen spricht von Bäumen, die Blätter haben wie die schwarzen Maul­beerbäume; die ganze Pflanze ähnelt nach diesem Gewährsmanne der Hundsrose; der Anbau aber erfolgt in Reihen wie bei den Weinstöcken. Aus andern Stellen der damaligen griechischen Literatur geht hervor, dass indische Baumwollzeuge in die benachbarten Länder ausgeführt wurden und sich dort grosser Beliebtheit erfreuten. Nach den Angaben des Periplus maris Erythraei verschifften die Araber indische Baumwolle nach Aduli, einem Hafen am Roten Meere; auch fanden Handelsbeziehungen statt mit Patiala, Ariake und Barygraza, dem heutigen Broach. . Masulia aber, das gegenwärtige Masulipatam, war wegen seiner ausgezeichneten Baumwollstoffe berühmt.

2. Ausbreitung der Kenntnis der Baumwolle im Altertum.

Die griechischen Schriftsteller des vierten und dritten Jahrhunderts vor Christo sprechen aber nicht nur von dem Anbau, der Verarbeitung und dem Handel mit Baumwolle in Indien, sondern sie berichten auch, dass sie in manchen Teilen Vorderasiens zu ihrer Zeit angebaut wurde. Der bereits erwähnte Theophrastus erzählt, dass auf der Insel Tylos, die mit der heutigen Bahreingruppe im persischen Golfe identisch ist, woll- tragende Bäume in reichem Masse wüchsen, deren Blätter denen des