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b. Sachen-Index.
Aufzählung «lei* wichtigsten Bezeichnungen im socialen uml politischen Lehen und deren Erklärung.
(Alle Namen sielie im Index c. — Buchstabenfolge
A.
'a'ai „Dorfschaft“ als ganzes, während die einzelnen „Dorfteile“ fuaiala oder ala heissen (siehe dort). Ein grosses Dorf heisst auch salafa. Eine „Dorfschaft“ bildet immer eine eigene Gemeinde und hat als solche ihre fa'alupega (siehe dort). „Dorf“ schlichthin kann alles sein, und von solch einem „Ort“ sagt man nu‘u. äiga 1 „die Familie“, die Verwandtschaft. 1 bis ä lang im Gegensatz zu 'aiga, 'aina Essen. Die äiga ist ein grosser Machtfaktor im samoanisclien Staat, da von Grösse und Ansehen der Familie alles abhängt. Jeder Familie steht ein matai vor, der den Namen der Familie trägt, während die übrigen Mitglieder nur sozusagen Vornamen behalten, resp. andere Namen wie beim englischen Adel. Ist eine Familie sehr gross, so zerfällt sie in Unterfamilien, die ituäiga oder puiäiga heissen und auch ihre eigenen matai haben, die dann aber alle unter einem matai sili stehen. Äiga nennen sich auch gewisse Dörfer, die durch Verwandtschaft verbunden zu einem Grosshäuptling ganz oder geteilt zu stehen pflegen. So spricht man von den äiga des Malietoa (Stuebel p. 98), des Tuiaana p. 149 u. s. w.; äiga wird speciell auch Manono genannt (äiga o le tai p. 160).
aitu der Dämon, Geist, aituvao der Waldschrat, als sauali'i mit menschenfressenden Eigenschaften (siehe II. b. 1); anidj Marshall, anitu Mentawei. aitutagata 2 ein Mensch mit einer menschlichen und einer dämonischen Seite; Halbgötter, Heroen antiker Bedeutung, au (p. 12) die „Ehre“, der „Titel“, namentlich als kleiner Titel (ao fa'asasavea) im Gegensatz zu den Königstiteln, die papä heissen. Sonst auch „der Tag“ im Gegensatz zur Nacht (pö), und das „Häuptlingshaupt“, auf dem der Titel (ao) lastete und mit einem Stück siapo (siehe dort) bedeckt wurde (siehe Manu'a-Geschichten VI. b. A. Anh. 3 p. 382; über die kleinen Titel p. 12. aolia die Häuptlingsversammlung, ähnlich saofa'iga, alofi. aualuma wird die ledige Mädchenschar eines Ortes genannt, wobei auch Witwen oder wieder geschiedene Frauen, was sehr häufig ist, einbegriffen sind. Die Häuptlingstochter, welche taupou ist und den taupou-Titel führt, heisst sa'o- aualuma, Führerin der aualuma. Jede aualuma hat einen Scherznamen, wie z. B. Laga'ali in Falealili, Tugaula in Siumu (siehe II. d. 1. p. 33). anfaoa ähnlich soafafine in Manu'a „Gefolge“ der taupou. 'aufono gebraucht man wohl auch für fuaiala (siehe dort), hauptsächlich wohl aber für die fono der Dorfschaften oder Dorfteile (Gemeinderäte).
'auinaga im Gegensatz zu aualuma gewöhnlich die jungen unverheirateten Männer zusammenfassend genannt. Wie die taupou der aualuma, so steht der 'aumaga der manaia, ein Häuptlingssohn, vor; aber beide stehen gegen taupou und aualuma vollständig zurück, haben auch keine Titel
1 Auch in der Schreibweise des g, das ng gesprochen wird und auch so geschrieben werden müsste (gleich dem linguistischen h), folge ich Pratt, der Gleichförmigkeit halber.
2 Als Illustration möge hierzu dienen, dass es jüngst im Wiener Fremdenblatt von Sophie Menter hiess, als sie das Es dur-Konzert von Beethoven spielte: „Sie ist eine dämonische Natur.“
nach Pratt: aeioufglmnpst v).
und Scherznamen. Die 'aumaga hat hauptsächlich den Sinn der „Kawakauerschar“, indem die jungen Leute eines Dorfes den hohen Häuptlingen die Kawa kauen müssen. Namentlich bei den Festen der Titelhäuptlinge spielt die ‘aumaga als solche eine besondere Bolle und steht dann unter besonderen, durch tofiga dazu ausersehenen Häuptlingen, wie z. B. Seiuli Sa'o'aumaga in Vaiusu der 'aumaga des Malietoa vorsteht; diese Häuptlinge leiten die Jugend an (siehe flp.i. v. Biilow giebt an, dass alte Leute mit schlechten Zähnen die Kawa kauen, was eine Täuschung ist (I. A. E. 1898. p. 9). Uber Eintritt in die 'aumaga siehe usufono.
aumoega oder auch faletautü nennt man die Freiwerber, die von einem Häuptlinge oder manaia zu einer Dame (taupou) geschickt werden, um die Heirat zu vermitteln (siehe II. d. 2); syn. fuafuataga.
'ausaga die Schwimmfahrt, die Keise „schwimmend“ (a'au) im Gegensatz zum Lande oder im Boot, die malaga genannt wird.
af. abgekürzt für afafine in den Genealogien, afafine die Tochter vom Vater aus, tamateine von der Mutter aus.
afioga „Hoheit“ oder gar „Majestät“, letzteres aber nur in Manu'a mit Berechtigung so übersetzt, weil dort nur dem Tuimanu'a zukommend. In Westsamoa gebraucht man es auch für Häuptlinge königlichen Geblütes. Bei der Be- grüssung sagt man meist: aiio mai lau afioga „in Ehrfurcht willkommen deine Hoheit“, agaga die Seele.
ala der Dorfteil, siehe fuaiala. ala heisst eigentlich die Dorfstrasse, inlands von ihr heisst man gautaala, seewärts (meist sehr nahe dem Strand) gataiala. alala von alaala stammend, heisst eigentlich „bei Nacht auf- sitzen“, vom Häuptlingskreis (alofi). Gewöhnlich gebraucht man es aber als Anrede ähnlich lau afioga, aber nur für Sprecher auf Upolu und für Häuptlinge auf Manu'a (siehe susuga und tofä).
alala mai mögen sie weise im Kate sitzen in der fa'alupega. alataua ist ein Amt bestimmter Bezirke auf den einzelnen Inseln. In alter Zeit waren dieselben Bewahrer der Traditionen und Stammbäume und mussten bei folgenschweren Entschlüssen und Versammlungen von den Vororten stets gefragt werden. Auch haben sie das Kecht, einen fono, ohne ein Wort gesprochen zu haben, zu verlassen und hernach den Beschluss zu kritisieren und zur neuen Erwägung zu bringen. Es ist sicher, dass die alataua früher viel mächtiger waren und jetzt an Ansehen und Macht sehr verloren haben (ob durch die Missionare?). Sogar der Begriff der alataua ist heute ziemlich unsicher; so konnten die Häuptlinge bei der Königsverhandlung (Dezember 1898) zu Apia keinen genügenden Aufschluss geben, und auch dem seit langem in der alataua Satupai- tea auf Savai'i ansässigen Missionar war die Sache gleichfalls nicht klar. Bei Pratt heisst fa'aalataua „den Göttern Kriegsneuigkeiten bringen“, und in diesem Konnex der alataua mit den Göttern dürfte die Hauptmacht derselben bestanden haben, indem sie sich bei diesen Kats erholten (vergl. das Verfahren beim fono in Aana, p. 151). Jedenfalls dürfte aber das Obengesagte ungefähr das Eichtige treffen. Eigentliche alataua - Plätze sind nun *