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c. Ueberlieferungen und Geschichten von Manu'a.
Um das Lesen der in diesem Abschnitte vorhandenen Überlieferungen zu erleichtern, schicke ich hier einen ganz kurzen Abriss des Inhalts voraus, wie er sich aus meinen eigenen unabhängig gewonnenen Arbeiten und Ansichten darstellt, Über die Art, wie ich das Material bekam, habe ich schon in der Einleitung berichtet. Demnach stellt sich die samoanisclie Mythologie von Manu'a folgendermassen dar:
Die Schöpfung der Samoa- und der umliegenden 100 Inseln (faleselau) geschah durch den grossen Himmelsgott, den Tagaloälagi, der zuerst Manu'a, dann Savai'i schuf, wo in Samata im malae Alamisi der westliche Rastplatz des Tagaloa war. Dann wurden Upolu und Tutuila „herausgehoben“ (siehe die Fischhaken-Sagen 1. Vers 33), aber nur als Rastplätze für die Häuptlinge, die von Manu'a nach Savai'i reisten. Später wurden dann diese beiden Inseln bevölkert, indem der Regenpfeifer, der Tüll a Tagaloa, als Botschafter diente. Aus dem verrotteten Schlingkraut waren Maden entstanden, die sich seelenlos, zwecklos (fua) in der Sonne bewegten. Tagaloa kam nun herab (nach
den andern Sagen sandte er zwei Dämonen oder Nebengötter mit Namen Gai'o herab), um ihnen Glieder zu geben (auszu- zielien tosi), und brachte ihnen das Herz (loto), die Seele’. Dann schuf er die übrigen Inseln Fidji, Tonga, und alle die Inseln im Meere Atafu, Futuna, Niuea, Lepu'a, Tanga, Niualauvai, Fitipe'a, Fitiulua, Lulutu (Ru- rutu), Autä, Yelotä etc., Plätze, die sich heute zumeist nicht mehr identifizieren lassen, aus denen aber zur Genüge erhellt, wie wohlbekannt die alten Samo- aner mit den umliegenden Inseln waren, über deren Schiffahrt mittels der Sternbilder ich im zweiten Bande noch zu sprechen haben werde. Es beginnt dann der Verkehr der Götter mit der Erde, und zwar war Fitiuta
auf Taü, ehemals in Aga'euta und Aga'etai geteilt, der erste Siedelungsplatz neben Samata auf Savai'i. In die Nähe von Fitiuta, nach einem heute nicht mehr bewohnten Platz mit Namen Lefagä, wurde in der Folge das erste schöne Samoa-Haus gebracht, das später das Fale'ula der Tuimanu'a wurde, wo aber zuerst die Götter auf Erden lebten. Der erste Zimmermann wurde geschaffen, der den ersten Titel mit auf die Erde nahm (Folasa) und in Fitiuta lebte, Losi, der für die Götter fischte, fuhr auf dem ersten Schiffe zum Fischen aus (und brachte als Dank oder durch Krieg den Taro auf die Erde). Der vielfältige Himmel (tuavalu, tuasefulu) hatte viele malae, die von den einzelnen Teilen der Tagaloa-Familie bewohnt wurden, den mächtigsten malae o toto'a „des Friedens“, den malae o vevesi „des Krieges“, den tafuna'i, auasia, papa u. s. w. Der Sonnengott, der Lä, der Tagaloa, ging nun mehrere Verbindungen mit menschlichen oder dämonenhaften Wesen ein, so mit den beiden Luaui und Luama'a, und mit Ui (siehe 4.), die wohl identisch ist mit Luaui (5.), die sich mit offenen Beinen an die Sonne setzte, schwanger wurde und den Tagaloäui gebar, der mit dem dämonischen Wesen Sinasa'umani, der Schwester der Sasa'umani (siehe Pulele'i'ite p. 108, Savai'i), die vier Söhne Taeotagaloa, Lefanoga, Leie und Leasiasiolagi und 2 Mädchen, Muiu'uleapai und Moatafao
No. 42. Das Nordkap Lefagä auf Taü, der Wohnsitz der Götter auf Erden. Rechts in der Ferne das Nordwestkap Matatafa.
1 Diese Sage wird im Westen ersetzt durch Abstammungen von Himmel, Felsen, Wasser u. s. w., wie aus den Stammbäumen des Tuiaana, Tuiatua und Malietoa zu ersehen. Turner hat solche erwähnt, dann S tue bei, und in neuerer Zeit besonders v. Biilow in No. 8: „Die samoanisclie Schöpfungssage.“