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verliehen werden, und zwar sind es dort gewisse Familien von Sprecherliäuptlingen, denen das Recht zusteht, diese Titel zu vergeben. Der jeweilige König bestimmt seinen Nachfolger (zumeist einen seiner Söhne), indem er nicht allein die persönlichen Eigenschaften, sondern besonders auch die hohe Abkunft dessen Mutter in Betracht zieht, weil er weiss, dass die Tumua (Leulumoega und Lufilufi) wegen des Reichtums der Familie der Mutter eine solche Bestimmung besonders gerne sehen. Hat der Nachfolger ausgedehnte Familienbeziehungen, so ist er als tamaaaiga, „Sohn von Familien“, der Wahl sicher. Besitzt ein Grosshäuptling die vier Titel Tuiaana, Tuiatua, Gatoaitele und Tama- soali'i, so nennt man ihn tafa'ifä und König von Samoa (tupu o Samoa). Der Titel Malietoa hat mit der Königschaft nichts zu tliun, ebensowenig wie z. B. der Titel Mata'afa. Die Angaben hierüber bei Stuebel p. 104 sind nicht richtig. Unter Samoa versteht man in diesem Sinne Upolu einschliesslich Manono und Apolima, Savai'i und Tntuila einschliesslich Aunu'u, während Manu'a an der westlichen Königsfrage keinen Anteil nimmt. Da aber auch die Herrschaft von Atua über Tntuila nur eine ziemlich lose und geteilte ist, so wird durch die Neuregelung der politischen Verhältnisse (Übernahme der Schutzherrschaft über Tntuila und Manu'a seitens der Vereinigten Staaten) nichts Wesentliches an der allgemeinen Königsfrage geändert. Mit der Regierung der inneren Angelegenheiten des Königreiches hatte der König nichts zu tlmn. Jeder Distrikt regiert sicli selbst, indem die dazu berufenen Sprecherhäuptlinge eine Versammlung des ganzen Distriktes nach dem Regierungsorte einberufen, worüber die fa'alupega der Hauptorte von Upolu einzusehen ist. Jeder Distrikt zerfällt in eine gewisse Zahl von Gemeinden (Dorfschaften), welche in selber Weise sich selbst regieren. Selbst wenn das gesamte Königreich einen Beschluss zu fassen hat, so wird ein allgemeiner fono von den Tumua zusammenberufen, welcher meist in Leulumoega stattfindet. Da schon ehedem nur Upolu und Savai'i hiebei in Betracht kamen, so ist und bleibt die Zusammensetzung dieses fono dieselbe, wie aus der folgenden fa'alupega zu ersehen, der Begrüssung, mit der der erste Sprecherhäuptling von Leulumoega mit Namen Alipia den grossen fono an seinem Regierungsorte Leulumoega eröffnet:
'O le ao tetele Die grossen Ehren o Samoa 'uma. von ganz Samoa.
Tulouga 'oe Pule.
Tulouga a Tumua,
Tulouga äigaatai.
Tulouga a 1 a t a u a ma itu'au. Tulouga va'a o Fonotl.
Gegriisst du Pule.
Gegriisst die Tumua.
Gegriisst Familie des Meeres.
Gegriisst alataua und itu'au.
Gegriisst Schiff des Fonotl.
Diese Bezeichnung bezieht sich auf Safotulafai. den mächtigsten der sechs Regierungsorte von Savai'i, und somit auch auf ganz Savai'i.
Leulumoega und Lufilufi, und als Ehrung hier auch für Afega, den Regierungsort des Tuamasaga-Distriktes, sonst gewöhnlich als Lauinua von den Tumua unterschieden (siehe VIII. b).
Ehrende Bezeichnung für die kleine Insel Manono. Ueher ihre Beziehungen als äiga zu Malietoa siehe oben p. 12; auch aiga i le tai.
Bezieht sich auf Safata und Faleata in Tuamasaga. Erklärung siehe VIII. b.
Bezieht sich auf Faleapuna und Fagaloa in Atua. Siehe oben p. 12.
Wenn es vorkommt, dass Tutuila oder Manu'a zu einem solchen fono kommt, so werden die Ehren gebraucht werden, welche als ao tetele bei der fa'alupega dieser Inseln angegeben sind. Eine solche Begrüssung kann übrigens auch stattfinden, wenn eine grössere Reisegesellschaft derselben bei irgend einer andern Gelegenheit (Besuch, Hochzeit u. s. w.) nach dem Westen kommt. Sie bleibt also stets wissenswert. Um in dieser Beziehung den Wert der fa'alupega auch ausserhalb der grossen fono zu illustrieren, will ich aus meiner Erfahrung anschliessen, dass mich auf meiner Rundtour um Savai'i ein Sprecher von Gaga'emalae während einiger Tage begleitete. Überall hörte icli bei der Begrüssung die Worte: tulouga Tamatasi. So nämlich heisst das faleupolu von Gaga'emalae, dem er angehörte.
3. Die Kawa ('o le 'ava).
Obwohl die Kawa als Getränke im folgenden Bande abzuhandeln wäre, nimmt sie doch als solches bei ihrer Bereitung und Austeilung eine solch wichtige Stellung im samoanischen Leben ein, dass sie liier nicht übergangen werden kann. Wie längst bekannt, wird das Getränk aus der Wurzel der Kawapflanze des Piper methysticum Forst, bereitet und ist die Wirkung des Pfeffers, welche häufig durch Hinzufügung der roten, auf Samoa allenthalben wild wachsenden Capsicum -Bohnen (polo) noch