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Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
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Abschnitt V.

Betrieb und Verkehr.

Betrieb.

Die in dem Abschnitt über den Bau der Kolonialbahnen angeführten Unterschiede von den heimatlichen Bahnen machen sich auch für den Be­trieb geltend: entsprechend dem schwächeren Verkehr sind die Leistungen des Betriebes zusammengedrängt auf wenige Züge, die aber auf einzelnen Bahnen sehr weite Strecken durchlaufen. Die Zugeinheiten sind kleiner als in der Heimat, schon wegen der schmaleren Spurweite, ihre Aus­lastung und Fahrgeschwindigkeit ist geringer und entspricht etwa der bei den heimatlichen Neben- und Kleinbahnen. Viele kleine Stationen sind nicht mit Beamten besetzt und der Fahrkartenverkauf findet vielfach in den Zügen statt. Es werden im wesentlichen nur gemischte Züge ge­fahren und der Dienst ist meist auf die Tageszeiten beschränkt. Der in durchgehender Fahrt zwischen Daressalam und Kigoma Tag und Nacht durchgeführte Personenzug der Tanganjikabahn bildet wie der sog. Bootszug der nigerischen Bahn zwischen Lagos und Saria (Kano) und der zwischen Mombassa und Port Florence durchgehende Zug der Ugandabahn in dieser Hinsicht eine Ausnahme.

So wenig die Kolonialbahnen im ganzen, besonders die großen Überlandbahnen, als Neben- oder Kleinbahnen gelten können, so sehr ähnelt ihr Betrieb, besonders imAnfang, dem derNeben- und Kleinbahnen. Indes steht in dieser Beziehung die Entwicklung noch weniger still als bei den heimischen Bahnen; es gibt Betriebe fortgeschrittener älterer Kolonialbahnen, z. B. in der Kapkolonie und Transvaal, die sich heute oder in 10 Jahren nur noch wenig von heimischen Hauptbahnen unterschei­den. Da der anfangs schwache Verkehr meist geringe Anforderungen an den Betrieb stellt und die Rücksichten der Wirtschaftlichkeit tunlichste Einschränkung des Betriebsaufwandes im Anfänge der Entwicklung fordern, so ergibt sich, daß bei Kolonialbahnen nach Beendigung des Baues, besonders wenn dieser beschleunigt werden mußte, zunächst ein starker Rückgang im Betriebe eintritt, da der Bauzugbetrieb viel umfangreicher war, als der nun eröffnete regelmäßige Betrieb für den öffentlichen Verkehr. Es ist richtiger, im Anfänge sich mit wenig Zügen zu begnügen und diese nach Maßgabe der Verkehrssteigerung allmäh­lich zu vermehren, als von vornherein zu viele und folglich ungenügend ausgelastete Züge zu fahren, von denen nach kurzer Zeit einige wieder zurückgezogen werden müssen. Dieser Fehler ist bei Kolonialbahnen gelegentlich gemacht worden.

Gegenüber den heimischen Verhältnissen kommt den Kolonial­bahnen im Betriebe zugute: der niedrige Lohn der farbigen Arbeiter, dem freilich auch ihre geringeren Leistungen gegenüberstehen; die