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Die deutschen Kolonialbahnen in Afrika.
B. Kleinbahnen in den deutschen Schutzgebieten.
Wegen ihres räumlich beschränkten Verkehrsgebicts und ihrer geringen Leistungsfähigkeit sind als solche anzusehen:
in Ostafrika die S i g i b a h n und die Lukoleditalbahn; in Kamerun die V i k t o r i a - P f 1 a n z u n g s b a h n; in Deutsch-Südwest die Privatanschlußbalm der K h a n g r u b e nach A r a n d i s an die Otavibahn.
1. Die Sigibahn. Die Sigibahn ist eine mit Dampflokomotiven betriebene, in 75 cm Spurweite hergestellte Zweigbahn der Usambarabahn, gehörte früher der Sigi-Exportgesellschaft, und ist jetzt Eigentum der deutschen Holzgesellschaft für Ostafrika in Eerlin. Sie zweigt bei der Station Tengcni auf 185,9 m Seehöhe von der Usambarabahn ab und führt mit 23,7 km Gesamtlänge in starken Steigungen (1 : 25) und scharfen Krümmungen (40 m Halbmesser) durch die Waldbezirke von Usambara zum Endbalmhof Sigi (438 m Meereshöhe). Sie ersteigt also auf 23 km eine Höhe von 252 m. Sie hat mehrere Spitzkehren und zahlreiche verlorene Gefälle. Sie dient der Beförderung der dortigen Walderzeugnisse, insbesondere der wertvollen Nutzhölzer, zur Usambarabahn und stellt eine Verbindung mit der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Amani her. Der Bahnbau wurde 1904 begonnen und die Bahn nach Ausführung einiger Ergänzungsbauten im Juli 1910 dem öffentlichen Verkehr freigegeben, ln der Anschlußstation Tengeni der Usambarabahn müssen alle Durchgangsfrachten wegen des Wechsels der Spurweite umgeladen werden.
2. Die L u k o 1 e d i t a 1 - oder J. i n d i b a u m w 0 11 - bahn im Süden von Deutsch-Ostafrika. I111 Lindibezirk, in dem der Baumwollbau einen erheblichen Aufschwung genommen hat, ist eine 60 em-spurige Kleinbahn für Lokomotivbetrieb im Bau. Die Bahn beginnt in Mingoyo und führt nach Narunyu (18 km), am Eingang in das L u k o 1 e d i t a 1 . Die europäischen Pflanzungen wie auch die Baumwollstation der Regierung in M a 11 i v a erhalten dadurch Absatzmöglichkeit für ihre Baumwollerzeugnissc nach der Küste.
3. Die Viktoria-Pflanzungsbahn. Die im Jahre 1910 begonnene, mit 60 cm Spur erbaute Pflanzungsbahn der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft „Viktoria“ von Viktoria — westlich Duala — nach Soppo (Zwingenberger Hof) ist etwa 66 km lang. Ihre Bedeutung liegt in der Schaffung von Beförderungs-