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Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
Entstehung
Seite
15
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Abschnitt I.

Einleitung. Allgemeines.

In den Kolonien ist die Eisenbahn billiger als die Kanone und reicht weiter."

<Cccil Rhodes.>

Die Kolonialeisenbahnen, d. h. die ersten Eisen­bahnen in Neuländern, die wirtschaftlich noch wenig entwickelt sind, unterscheiden sich von den gewöhnlichen Eisenbahnen in alten Kulturländern dadurch, daß sie vorzugsweise' den Zweck haben, wirtschaftliches Leben und Verkehr in dem neuen Lande zu schaffen, während jene, indem sie sich dem bestehenden Wirtschaftsleben einfügen, einem vorhandenen Verkehr dienen und ihn verbessern sollen. Dieser Unterschied macht sich vor allem darin geltend, daß man billigerweise an eine Kolonialbahn hinsichtlich ihres Betriebes und seines wirtschaftlichen Ergebnisses geringere Ansprüche stellen soll als bei Eisenbahnen in alten Kulturländern. Während man bei diesen außer der Deckung ihrer Betriebskosten noch eine angemessene Rente auf das Anlagekapital verlangt und weitere, zu anderen, z. B. allgemeinen Staatszwecken, verwendbare Über­schüsse gern entgegennimmt, wäre es bei Kolonialbahnen aus­sichtslos und auch ungerechtfertigt, von vornherein auf so hohe Erträgnisse zu rechnen; denn in einem schwach bevölkerten, wirt­schaftlich unentwickelten Neulande braucht jedes Eisenbahnunter­nehmen erst eine gewisse Zeit, um sich seinen Verkehr zu schaffen; im Anfang darf man füglich von einer Kolonialbahn nur verlangen, daß sie nicht mit Fehlbeträgen abschließt, daß sie vielmehr ihre Betriebskosten und eine bescheidene Rente auf das Anlagekapital herauswirtschaftet; das unmittelbare Erträgnis kann anfangs nur gering sein, dagegen sind ihre Wirkungen auf das Wirtschaftsleben, der volkswirtschaftliche Nutzen für die Allge­meinheit, die sogenannte mittelbare Rentabilität, ge­rade im Anfänge der Entwicklung oft sehr erheblich, wenn sie auch rechnerisch schwer zu erfassen und in Zahlen festzulcgen sind.