VI. Die Marshall-Inseln.
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zu einem geringen Teile von den Karolinen, wo eine nahe verwandte und ebenso zu verwendende Art vorkommt.
Die Hoffnungen, in Kaiser Wilhelmsland Guttapercha liefernde Bäume aufzufinden, haben sich bis jetzt nicht erfüllt; es kommen zwar mehrere Sapota- ceenbäume, welche nahe verwandt sind mit den echten Guttaperchabäumen, so Palaquium Sussu, Payena Ba- wun und P. Mentzelii und Sideroxylon Kaernbachianum*) vor, jedoch ist der von ihnen gelieferte Milchsaft nicht geeignet zur Gewinnung von Guttapercha.
Schliesslich ist noch als der wichtigste Exportartikel unserer Südseebesitzungen die Kopra zu nennen, die zerschlagenen und getrockneten Kerne der Kokosnüsse. Besonders im Bismarck-Archipel, weniger auf Neu-Guinea, sind sehr umfangreiche Kokosnussplantagen vorhanden, so dass insgesamt jährlich jetzt sicherlich über 3000 Tonnen exportiert werden. Da das aus der Kopra gepresste Kokosöl immer mehr Verwendung zu Seifen findet und auch die Kokosbutter, welche durch Entfernung der freien Fettsäuren gewonnen wird, eine wachsende Bedeutung als Speisefett erlangt, so dürfte sich der Kopraexport fortgesetzt ver- grössern und die Kultur der Kokospalme immer lohnender gestalten, besonders, wenn Wege gefunden werden, die bisher wohl aus Mangel an Arbeitskräften unterlassene Gewinnung der Coirfaser aus den Fruchtschalen ins Auge zu fassen.
x ) Vergl. Engler in Notizbl. des Königl. botanischen Gartens und Museums zu Berlin No. 3, 1895.
Die Flora der Marshall-Inseln ist bisher hauptsächlich durch eine Sammlung des Dr. Schwabe bekannt geworden. Wie es bei der Oberflächengestaltung der ganz gleichartig aufgebauten Korallenriffkränze nicht anders zu erwarten ist, stellt sich die Flora als eine ausserordentlich gleichförmige und dabei artenarme heraus. Unter diesen wenigen Arten sind es hauptsächlich drei Charakterpflanzen, welche hervortreten und zugleich die wichtigsten Nutzpflanzen der Eingeborenen darstellen. Dies ist vor allem die Kokospalme, welche nicht nur von der auf einer Reihe von Inseln Faktoreien besitzenden Jaluit-Gesellschaft, sondern auch von den Eingeborenen in ausgedehnten Pflanzungen gebaut wird. Die Kopra bildet fast den einzigen Gegenstand der Ausfuhr, und zwar betrug diese in den letzten Jahren nahe an 4 Millionen Pfund.
Ferner ist der Brotfruchtbaum ( Artocarpus incisn) und der von den Eingeborenen in einer erstaunlichen Menge von Varietäten angepflanzte Pan dang [Pandanus odoratissimus) vorhanden. Sonst wird auch die Banane, Taro und Tacca pinnatifida gebaut, von welchen letzteren beiden die Wurzelknollen in der bekannten Weise von den Eingeborenen als Nahrung verwendet werden. Die südwestlich von den eigentlichen Marshall-Inseln gelegene kleine Nauru-Insel, die aus einem bis 70 m hohen Korallenriff besteht, scheint in der Vegetation keine Abweichung von der der Atolle zu zeigen.
M. Giirke.
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