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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
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Botanik.

ass der Darstellung der Pflanzenkunde ein mög­lichst breiter Raum gewährt werden müsse auf einer Ausstellung, welche die Entwicklung unserer Kolonien im allgemeinen zu zeigen die Aufgabe hatte, kann nicht zweifelhaft sein; gründet sich ja doch die Nutzbarmachung überseeischer Länder neben der Kennt­nis der klimatischen und Bodenverhältnisse in erster Linie auf die Erforschung seiner Pflanzenwelt. Die Ent­wicklung aller von den europäischen Kulturvölkern in Schutz genommenen tropischen und subtropischen Länderstrecken zeigt, dass sie stets begonnen hat mit einerVerwertung ihrer vegetabilischen Urprodukte für die Bedürfnisse unserer Kulturländer, und daher handelt es sich zunächst darum, diese Rohprodukte und die sie liefernden Gewächse kennen zu lernen. Wenn dann bei weiteren Erfolgen in dem wirtschaftlichen Fortschritt der Kolonien zu der Ausnutzung der einheimischen Produkte Plantagenbetrieb hinzutritt, so ist eine rationelle und zielbewusste Auswahl der zu kultivierenden Pflanzen wiederum nur möglich bei genauer Kenntnis der Ge­wächse selbst und der Bedingungen, unter denen sie am besten zu gedeihen vermögen. So steht also die gesamte Entwicklung der Kolonien und ihrer Kultur, die Förderung ihres Exportes und damit die Nutzbar­machung für das Mutterland im engsten Zusammen­hänge mit der Pflanzenkunde. Aber ausser diesen rein praktischen und wirtschaftlichen Zielen, welche die Botanik in den Kolonien zu verfolgen hat, erwächst ihr auch die Aufgabe, die günstigen Verhältnisse aus­zunützen, welche sich aus der Inbesitznahme bisher selten betretener Küstenstrecken, aus der Eröffnung neuer Wege und Erschliessung unbekannter Hinterländer für den Verkehr ergeben und dadurch die Kenntnis der Pflanzenwelt vom rein wissenschaftlichen Standpunkte aus zu fördern, sei es durch Aufstellung neuer Formen und Einreihung derselben in das System oder durch Erörterung neuer Aufgaben und Probleme von physio­

logischen, biologischen und pflanzengeographischen Ge­sichtspunkten aus.

Wenn es auch wünschenswert war, dasjenige, was die botanische Wissenschaft bisher in den Kolonien und für deren gedeihliche Entwicklung geleistet hat, in einheitlicher Form auf der Ausstellung vorzuführen, so stellten sich doch der praktischen Verwirklichung dieses Wunsches erhebliche Schwierigkeiten entgegen, und so kommt es, dass wir, um einen Ueberblick über die aus­gestellten Objekte und Produkte zu gewinnen, dieselben an verschiedenen Stellen der Ausstellung aufsuchen müssen.

In erster Linie ist zu nennen die Ausstellung des königlichen botanischen Gartens und Museums zu Berlin, welche sich in der wissenschaftlichen Halle befand und von dem Direktor dieser Institute, Geheimrat Professor Dr. A. Engler und dem Kustos Dr. M. Giirke zusammengestellt worden war. Als an die Direktion des botanischen Museums die Aufforderung gerichtet wurde, sich an der Kolonial-Ausstellung zu beteiligen, konnte derselben um so leichter Folge geleistet werden, als ja in dem botanischen Museum bereits seit einer Reihe von Jahren die aus unseren Kolonien stammenden pflanzlichen Produkte als besondere Sammlung aufgestellt sind und dem Publikum zur Anschauung gebracht werden. Es handelte sich also nur darum, eine ge­eignete Auswahl unter diesen Objekten zn treffen und etwa vorhandene Lücken auszufüllen. Leider war es nicht möglich, wie das ja in der Natur der Sache liegt, den Hauptteil und in wissenschaftlicher Beziehung auch den wichtigsten Teil der Thätigkeit der Reisenden in der Erforschung der Pflanzenwelt unserer Kolonien zur Darstellung zu bringen, nämlich das umfangreiche, im botanischen Museum aufbewahrte Material an ge­trockneten Pflanzen; man musste sich also auf die Vor­führung derjenigen Gewächse unserer Kolonien be­schränken, von denen Roh- oder Handelsprodukte ge-

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