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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
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ca. 3V2 Mill. Liter Palmöl im Werte von über 1 Mill. M. aus Kamerun exportiert.

Gegenüber diesem Produkt tritt sowohl die Kokos­palme als auch die Erdnuss als Oel- und fettliefernde Pflanzen vollständig zurück. Von Kopra werden nur ganz geringe Mengen exportiert, und Erdnüsse v'erden zwar von den Eingeborenen massenhaft zum eigenen Gebrauch gebaut, aber nichts davon zur Gewinnung von Erdnussöl ausgeführt. Ausserdem finden sich in Kamerun noch einige Gewächse, aus deren Früchten oder Samen Fett gewannen und von den Eingeborenen auch zum Teil benutzt wird, ohne dass es aber zu einem Export bisher gekommen ist. Hierher gehören Coula edulis, ein zu den Olacaceen gehörender Baum, dessen wallnussartiger Samen reichliches Oel enthält; Pentaclethra macrophylla, ein stattlicher Baum aus der Familie der Leguminosen mit fast meterlangen Hülsen, deren fetthaltige Samen (Owala- oder Opochala- Samen) von den Eingeborenen in Gabun mit den­jenigen von Irvingia gabonensis zur Herstellung des Dikabrodes benutzt werden; Carapa procera , ein zu den Meliaceen gehörender Baum, besitzt ebenfalls ölhaltige Samen; TeJfairia occidentalis ist eine kürbisähnliche Pflanze, deren mit Längsrippen versehene Früchte eine grosse Zahl schalenförmiger Samen enthalten; dieselben können ebenso wie die ostafrikanische T. pedata zur Oelbereitung benutzt werden; Ricinus communis w'ird wie in allen Tropenländern, so auch hier gepflanzt; die Samen könnten ebenso wie in Ostindien ein wichtiger Exportartikel werden.

Von Arzneigewächsen ist Physostigma venenosum von Wichtigkeit. Die Samen dieser bohnenartigen Schlingpflanze, die sogenannten Kalabarbohnen, welche man wegen des in ihnen enthaltenen Physostigmins medizinisch verwendet, werden nament­lich von den Bakwilis im Kamerungebirge gesammelt, nach Victoria auf den Markt gebracht, und in kleinen Quantitäten (jährlich ungefähr 500 kg im Werte von noch nicht 200 M.) exportiert. Die Wurzeln eines in Kamerun wild vorkommenden Apocynaceenstrauches, Ta- bernanthe iboga (Bocca), enthalten ein eigentümliches Glykosid, welches auf das Nervensystem anregend wirkt; auch gelten die Wurzeln am Kongo als fieberwidrig. Ferner kommt auch hier, wie in Togo (siehe dort) Erythrophloeum guineense (Sashwood) vor, dessen Rinde allgemein zu Gottesurteilen benutzt wird.

III. Südwestafrika.

Die wenigen Resultate einiger älterer botanischer Sammlungen, z. B. von Baines und Chapman sind in Olivers Flora of tropical Africa und auch in Harvey und Sonderss Hora capensis verwertet wotden. Seit der Besitznahme des Landes durch Deutschland ist dasselbe mehrfach von Botanikern oder

doch Reisenden besucht worden, welche mit Ver­ständnis botanische Sammlungen angelegt und Be­obachtungen über die Vegetation mitgeteilt haben, so dass wir jetzt im allgemeinen über die Pflanzenwelt dieser Kolonie ziemlich gut unterrichtet sind. Unter den Botanikern ist in erster Linie Dr. H. Schinz in Zürich zu nennen, der im Jahre 1884 sich einer von Liideritz ausgerüsteten Expedition anschloss und zwei Jahre hindurch das ganze Gebiet durchreiste. Die bo­tanischen Resultate dieser Reise legte er in einer Reihe von Abhandlungen*) sowie in seinem umfassenden Reisewerke**) nieder. Ferner erscheint jetzt als Frucht seiner Studien über die Flora des ganzen Gebietes eine Aufzählung aller bisher von dort bekannten Pflanzen, an die sich eine pflanzengeographische Skizze anschliessen soll. Ausser ihm verdanken wir R. Marloth umfang­reiche Sammlungen aus diesem Gebiete, welche, ebenso wie diejenigen von Dr. Gürich, von Professor Dr. A. En gl er***) bearbeitet worden sind. Unter den zahl­reichen sonstigen Reisenden haben besonders Hopfner, Belck, A. Schenck, Pechuel-Loes che, Fleck, Stapff, A. Liideritz, J. Steingröver und Hermann, auch mehrere Missionare, z. B. Rautannen, der Pflanzenwelt ihre Aufmerksamkeit geschenkt und sich Verdienste um die Kenntnis derselben erworben.

1. Die Vegetation Siidwestafrikas.

Die Vegetation Südwestafrikas können wir, der Schilderung von Schinz folgend, in zwei durch die klimatologischen Verhältnisse bedingte Formationen zerlegen, in eine Iüora der Litoralzone und eine solche des Hinterlandes.

Die Litoralflora erstreckt sich landeinwärts ungefähr so weit als die Herrschaft des Küstenklimas reicht, also durchschnittlich 6080 km weit. Wo hohe Bergrücken die kühlen Seewinde abhalten, nähert sich die Ostgrenze dieser Flora mehr der Küste, während das Fehlen der­selben eine unbeschränktere Ausbreitung der Strand­pflanzen gegen das Innere ermöglicht.

Die Flora des Küstengebietes in der unmittelbaren Nähe Angra Pequenas teilt Schinz nach der Art und Weise, wie die Gewächse dem durch Verdunstung und Wachstum bedingten Wasserverlust Stand zu halten suchen, in drei, in der Physiognomie jenes Gebietes besonders hervortretende Hauptgruppen ein. Zur ersten Gruppe gehören jene sparrigen, aufstrebenden Halb­büsche wie die Pelargonium- und Sarcocaulon- Arten, die

*) Verh. des Bot. Ver. der Provinz Brandenburg XXIX, XXX und XXXI (188789).

Die deutsche Interessensphäre in Südwestafrika in Fernschau, Jahrb. der Mittelschweiz, geogr. commerciell. Gesellschaft in Aarau. Bd. IV. 1890.

**) Deutsch-Siidwestafrika. Oldenburg und Leipzig 1891.

«**) Engler, Plantae Malorthianae in Engl. Bot. Jahrb. X, iSSS und XI. 1889; und Plantae Gürichianae in Engl. Jahrb. XIX. 1894.

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