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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
Entstehung
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noch Tausende im ertragfähigen Alter stehende Oel- palmen zum Zwecke der Palmweinbereitung um­gehauen, deren Ertrag an Oel sonst der Kolonie zu Gute käme.

Eine zweite Oel liefernde Pflanze, die wahr­scheinlich in Zukunft für Togoland ebenfalls eine grössere Rolle spielen dürfte, ist die Kokospalme (Cocos nuctfera). Ursprünglich sind im Küstengebiet nur verhältnismässig wenig Kokospalmen vorhanden gewesen, so dass an eine Ausfuhr nicht gedacht werden konnte, zumal dieselben auch nur kleine Früchte be- sassen. Seit einigen Jahren hat man aber begonnen, grössere Plantagen anzulegen, welche eine sehr ge­deihliche Entwicklung zeigen; es sind bisher schon nahe an 70 000 Palmen angepflanzt worden, so dass in einigen Jahren voraussichtlich ein beträchtlicher Export von Kopra und Kokosfaser (Coir) sich entwickeln dürfte. Eine dritte Oelfrucht, die Erdnuss ( AracJm hypoyaea) wird in Togo zur Oelgewinnung, mehr noch aber als Nahrungsmittel, massenhaft gebaut; leider aber wird davon bis jetzt so gut wie gar nichts exportiert, obwohl die Erdnuss für den europäischen Handel und die Industrie von Jahr zu Jahr immer wichtiger wird, und in anderen Gebieten Westafrikas die Ausfuhr enorm zugenommen hat. Ferner ist noch für Togoland von Wichtigkeit die Schibutter, ein grünlich weisses Fett, welches von den Eingeborenen als Nahrungsmittel be­nutzt wird. Dasselbe stammt von dem Schibutter­baum ( Butyrospermum Parkii) und wird gewonnen durch Auskochen der gerösteten Samen, welche äusserlich einige Aehnlichkeit mit denen unserer Rosskastanie haben. Der Baum findet sich ziemlich reichlich wild­wachsend in den Savannen Togolands, aber nicht im Küstengebiete, wird aber sonst auch kultiviert. Da die Eingeborenen zu wenig Sorgfalt auf die Behandlung des Fettes bei der Gewinnung verwenden, werden dafür nur sehr geringe Preise gezahlt, und es sind wegen der schlechten Beschaffenheit des Fettes auch nur kleine Quantitäten bisher ausgeführt worden. Es wäre sehr wünschenswert, dass unter Anleitung Ver­suche zu einer rationellen Ausbeutung gemacht würden und besonders auf bessere versandfähige Verpackung Wert gelegt würde, um möglicherweise das Fett für europäische Bedürfnisse, besonders für Seifen- und Kerzenfabrikation, ausnutzen zu können.

Schliesslich möge noch Erwähnung finden ein Baum, der bei den Eingeborenen Togos wie im übrigen Oberguinea, eine grosse Rolle spielt, nämlich der Red- water tree (Erythrophloeum yuineense). Seine Ery- throphloe'fn enthaltende Rinde ist stark giftig und wird allgemein zu Gottesurteilen benutzt, indem daraus eine intensiv rote Flüssigkeit mit Wasser ausgezogen oder auch die Rinde selbst gekaut wird.

II. Kamerun.

Die ersten Anfänge der botanischen Erforschung Kameruns sind schon auf längere Jahre zurückzuführen, als dies bei Togoland der Fall ist. Von englischen Botanikern ist dies Gebiet mehrfach durchforscht worden, so besonders von G. Mann; auch an einzelnen Punkten von Th. Vogel auf der ersten Nigerexpedition 1841 und von Ch. Barter auf der unter Leitung von Baikie unternommenen Nigerexpedition 185759; ferner auch von W. C. Thomson. Die Resultate dieser Forschungen sind zum grössten Teil niedergelegt in Hookers Niger Flora und in Olivers noch un­vollendeter Flora of tropical Africa. Später (1874) sammelte in dem Gebiete, hauptsächlich in der Nähe von Victoria und am Mungo, Prof. Dr. Buch holz, dessen Sammlungen sich jetzt zum Teil im botanischen Museum zu Berlin, teils in Greifswald befinden, und zum grösseren Teil schon von Prof. Dr. A. Engler*) bearbeitet wurden. Weitere umfangreiche Kollektionen erhielten wir durch J. Braun, welcher 188788 sich hauptsächlich im südlichen Teile der Kolonie aufhielt; seine Ausbeute wurde von ihm in Gemeinschaft mit Prof. Dr. K. Schumann**) bearbeitet. Zu gleicher Zeit sammelte H. H. Johnston besonders in der Um­gebung des Kamerunberges. Am meisten hat bisher zur Kenntnis der Vegetation Kameruns Dr. P. Pr euss bei­getragen. Derselbe befindet sich seit 1889 in der Kolonie und ist zunächst auf mehreren Stationen (Ba- rombistation, Buea) mit dem besten Erfolge thätig ge­wesen, indem er nicht nur reichliche Sammlungen ein­sandte, sondern auch wiederholte Mitteilungen über die Vegetation aus den Umgebungen dieser Stationen ver­öffentlichte***). Nachdem er zum Leiter des neuge­schaffenen botanischen Gartens zu Victoria ernannt worden war, konnte er seine Thätigkeit ganz dieser für unsere Kolonien so überaus wichtigen Anlage widmen, und seinen Bemühungen hauptsächlich ist es zu danken, dass sich allmählich aus ihr eine Versuchsplantage ent­wickelt hat, welche schon jetzt recht befriedigende Er­folge zeitigt, aber noch mehr in der Zukunft segens­reich wirken wird durch die Verwertung der bei der Kultur der einzelnen Nutzpflanzen gewonnenen Er­fahrungen. Es ist dies ganz unstreitig der Weg, welcher auch in den übrigen Kolonien eingeschlagen

*) A. Engler, Beitrage zur Flora von Kamerun in Engl. Bot. Jahrb. VII. (1886). p. 331342.

**) J. Braun, botanischer Bericht über die Flora von Kamerun in Mitteil, aus d. deutsch. Schutzgeb. II. 1889.

***) I. Preuss, Bericht Uber botanische und entomologische Beob­achtungen auf der Barombistation, in Mitt. aus d. deutsch. Schutzgeb. II. 18S9; Bericht Uber eine Reise von Kamerun, den Mungo strom­aufwärts nach Mundame, ebenda IV. 1891; Bericht über Buea, ebenda

IV. 1891; Bericht über eine botanische Excursion in die Urwald- und Grasregion des Kamerungebirges und auf den Kanierun-lik, ebenda y, 1892; Bericht über Kultur- und Nutzpflanzen im Kamerungebiet,

V, 1892.