Druckschrift 
Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
Entstehung
Seite
311
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Als dann Deutschland Besitz von seinen Kolonien ergriff, mehrten sich in höchst erfreulicher Weise die Zusendungen von pflanzlichem Material, und bald konnte man am königlichen botanischen Museum zu Berlin es sich zur besonderen Aufgabe machen, alle diese eingehenden Schätze systematisch zu bearbeiten und die Resultate dieser Forschungen in einer Reihe von Arbeiten*) zu veröffentlichen, die zunächst den Zweck hatten, die neu entdeckten Arten zu beschreiben, eine Aufgabe, welche fortgesetzt fast alle wissen­schaftlichen Kräfte dieses Institutes in Anspruch nimmt, und den Erfolg hatte, dass die Zahl der aus dem tropischen Afrika bekannten Arten in ganz ungeahnter Weise vermehrt und unsere pflanzengeographischen Vorstellungen dieser Gebiete gänzlich geändert wurden. Diese und eine ganze Anzahl anderer hier entstandener Abhandlungen machten in kurzer Zeit das Berliner botanische Museum zum Mittelpunkt aller auf die afrikanische Flora gerichteten Studien. Diese Thätigkeit fand auch die Unterstützung der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, indem dieselbe, in Anerkennung der Wichtigkeit dieser Bestrebungen, Mittel bereitstellte, um am botanischen Garten zu Berlin eine botanische Centralstelle für die deutschen Kolonien zu schaffen. Indem man erkannte, dass die- Entwicklung unserer überseeischen Besitzungen nur durch Plantagen­bau und durch rationelle Verwertung ihrer Produkte ge­fördert werden könnte, soll die botanische Centralstelle, abgesehen von der wissenschaftlichen Durchforschung der Kolonien, Auskunft erteilen über die für die ein­zelnen Stationen geeigneten Kulturen und die Ver­wertung der dort vorkommenden Pflanzen, sowie auch Samen und junge Pflanzen den Stationen zur Anzucht liefern. Zu diesem Zwecke wurde der Kultur der tropischen und subtropischen Gewächse im botanischen Garten ein grösserer Raum gewährt und in einem be­sonderen Gewächshause eine fortgesetzt vermehrte Sammlung von Kulturpflanzen dem Publikum zur Schau gestellt. Ausserdem trug man auch für die Ausbildung von Gärtnern zum Dienst in den Tropen Sorge, so dass die Mehrzahl der jetzt in den Kolonien beschäftigten Gärtner am botanischen Garten vorgebildet ist. Am Museum wurden ferner in der dem Publikum zugäng­lichen Schausammlung zwei besondere Abteilungen ein­gerichtet, deren eine die allgemein verbreiteten Kultur­pflanzen umfasst, während in der anderen die charakte­ristischen Pflanzenprodukte der einzelnen Florengebiete zusammengestellt sind. Später, als sich die Einsendungen aus den Kolonien mehrten, konnten dieselben in ge­sonderten Schränken aufgestellt werden, so dass jetzt eine recht vollständige Sammlung aller für unsere Kolonien

*) Beiträge zur Flora von Afrika. Unter Mitwirkung der Beamten des königlichen botanischen Museums und des königlichen botanischen Gartens zu Berlin, sowie anderer Botaniker herausgegeben von A. Engler. Engl. bot. Jahrb, Bd. XIV, 1892 XXIV. 1897.

wichtigen Produkte als Kolonialabteilung in einem besonderen Saale vereinigt ist, welche es dem in die Kolonien hinausgehenden Forscher, Beamten, Missionar, Pflanzer oder Kaufmann ermöglicht, in kurzer Zeit sich einen Ueberblick über alles für ihn Wissenswerte aus der Pflanzenwelt des zu besuchenden Gebietes zu ver­schaffen. Auch sonst sind mancherlei Einrichtungen, um die Kolonialbotanik zu fördern, getroffen; so werden z. B. von den Beamten des Museums Vorträge gehalten, welche einzelne, das weitere Publikum inter­essierende Kapitel über die Vegetation der Kolonien, besonders über Nutzpflanzen, zum Inhalt haben. Ferner stellte es sich auch als wünschenswert heraus, kürzere, bei den Studien sich ergebende Mitteilungen aus dem Gebiete der Kolonialbotanik, in einer für das Publikum bequemeren l'orm, als dies in den wissenschaftlich botanischen P'achschriften möglich ist, zugänglich zu machen; zu diesem Zwecke wurde ein Notizblatt*) gegründet, in dem bereits eine Anzahl recht wichtiger Abhandlungen über Produkte und Kulturen unserer Kolonien erschienen sind.

Nachdem wir im allgemeinen die Bestrebungen, welche die Förderung der Kolonialbotanik im Auge haben, dargelegt haben, soll nun in Folgendem über den jetzigen Stand der Kenntnisse der Pflanzenwelt unserer Kolonien ein Ueberblick gegeben werden, in­dem in der Reihenfolge der einzelnen Gebiete an eine kurze Schilderung der Vegetationsverhältnisse, soweit diese nach den vorhandenen l'orschungen möglich ist, eine Aufzählung der wichtigeren Nutzpflanzen sich an- schliessen soll.

I. Togo.

Die botanische Erforschung von Togoland beginnt erst mit der Besitznahme des Gebietes durch Deutsch­land; vorher haben wohl nur wenige Reisende oder an der Küste sich aufhaltende Europäer der Pflanzen­welt Aufmerksamkeit geschenkt. Der erste, dem wir botanische Sammlungen verdanken, ist Hauptmann Kling, der hauptsächlich in der Umgebung der Station Bismarckburg, aber auch sonst auf seinen Expeditionen eine kleinere Kollektion Pflanzen zusammenbrachte. Um­fangreicher sind die Sammlungen, die Dr. R. Büttner, der Leiter der genannten Station, in den Jahren 1890 1891, ebenfalls meist in der Umgebung von Bismarck­burg, anlegte. Als dritter schliesst sich dann E. Bau- mann an, der, in Misahöhe stationiert, imstande war, einige Gegenden des die Quellengebiete des Djawoe, Todjei' und Sio erfüllenden und sich bis zu 2300 m I lohe erhebenden Gebirgslandes botanisch zu durchforschen und von dort eine Anzahl interessanter, neuer und bisher auch nur zum Teil publizierter Arten einzusenden.

*) Notizblatt des königlichen botanischen Härtens und Museums zu Berlin No. i9* * 895 r ^97-