von oben 'und unten entwickelt hat, die wir in den früheren Stadien, bei denen Kopf- und Fussende noch differenziert war, natürlich vermissen. Einen solchen Speer habe ich auf Taf. XL, Fig. 16 abbilden lassen; die Zeichnung des Mittelstückes bleibt dieselbe, ob der Speer mit der Spitze nach oben oder mit der Spitze nach unten betrachtet wird. Bei allen dreissig Abbildungen der Taf. XXXVIII ist aber darauf gesehen worden, dass sie so orientiert sind, wie sie dem Auge erscheinen, wenn die Spitze des Speeres nach oben gerichtet ist. Das erwies sich deshalb als nötig, weil bei einer ganzen Reihe von Speeren das Mittelstück so behandelt ist, dass es auch umgekehrt betrachtet werden kann. Dies wird dem Leser sofort klar werden, wenn er die Tafel XXXVII auf den Kopf stellt; dann wird er sehen, dass die Beine der Lig. io, 15, 21, 23, besonders aber 11 und 12, mehr oder weniger deutlich die Lorm eines menschlichen Gesichtes haben. Das mag in einigen Lällen sicher vollkommen unbewusst geschehen sein, aber ebenso sicher ist es, dass die schwarzen Speerschnitzer das bald bemerkt und dann die unteren Gesichter mit vollem Bewusstsein genau ebenso dargestellt haben, wie die oberen. Die Abbildungen 26 bis 30 unserer Tafel geben hierfür ganz einwandfreie Beispiele und zeigen so in ebenso überzeugender als lehrreicher Art, wie leicht und glatt derartige Uebergänge bei der Kunst der Melanesier erfolgen.
Eine ähnliche, gleichfalls sehr lehrreiche und erfreuliche Serie hätte sich von den Haarkämmen von Alu (Salomon-Gruppe) gewinnen lassen, wie deren einer Taf. XXXI,- Fig. 12 abgebildet ist. Der Ausgangspunkt für das knopfförmige Ende dieses Kammes ist, wie aus den von Herrn Ribbe gesammelten und ausgestellten Stücken hervorging, eine menschliche Figur, hockend, mit den Ellenbogen auf die Kniee gestützt und mit jener grossen ballonförmigen Kopfbedeckung, wie wir sie aus dem Album von Meyer-Parkinson und aus einigen Stücken der Berliner Sammlung auch im Original kennen. Das betreffende Stück eines solchen Kammes ist Taf. XXXI, Eig. 13 abgebildet, während Fig. 11 ein Endglied der Reihe zeigt, ein cylindrisches Stück mit »geometrischen Ornamenten«; andere Endglieder, denn auch diese Serie spaltet sich, sehen ganz anders aus; so giebt es eine grosse Zahl solcher Kämme, bei denen die Arme und Beine zu einem einfachen Kerbschnittring geworden sind, der Kopf zu einem glatten Wulst, der Hut aber zu einem zierlichen Modell eines Mörsers, das die schönen grossen Mörser der Aluleute ganz getreu kopiert.
Leider fehlt Zeit und Raum, auf diese und viele ähnliche Serien hier noch weiter einzugehen — überhaupt muss ich meinen Bericht hier zum Schlüsse bringen, oder besser gesagt, einfach abbrechen; die reichen ethnographischen Schätze der Ausstellung werden
uns noch lange beschäftigen; für diesen Bericht ist der mir gebotene Raum schon lange erschöpft. Ich schliesse also, aber nicht ohne den S. 204 ausgesprochenen Dank an den Arbeitsausschuss und an den Verleger zu wiederholen und ganz besonders auch meinem Kollegen Dr. Weule für manche freundschaftliche Mitarbeit zu danken.
Ebenso ist es mir aber ein Bedürfnis, an dieser Stelle auch den einzelnen Ausstellern für die wertvolle Unterstützung Dank zu sagen, welche sie dem Unternehmen geliehen haben. Ein Teil der Betrachtungen, die in diesem Berichte niedergelegt sind, ist nur durch den unmittelbaren Vergleich des von allen Seiten zur Verfügung gestellten Materiales möglich geworden, wie denn die Notwendigkeit, ethnographische Stücke, besonders solche mit Verzierungen, in möglichst grossen Serien vergleichen zu können, gerade anlässlich dieser Ausstellung wieder einmal recht klar und eindringlich zum Bewusstsein kam. Natürlich können nur ganz grosse Institute versuchen, solche Serien zu sammeln, kleinere Museen werden sich ja immer auf einzelne Typen beschränken müssen.
Für die Deutschen Schutzgebiete ist das Berliner Museum für Völkerkunde naturgemäss die berufene Centralanstalt, in der auch grössere Serien gesammelt und studiert werden können. Aus diesem Grunde möchte ich auch die Leser bitten, Ergänzungen und Zusätze zu diesem Berichte, der ja nach vielen Seiten verbesserungsfähig ist, gefälligst an die Direktion des Kgl. Museums für Völkerkunde in Berlin einsenden zu wollen. Dieses Institut ist auch in der Lage, zur Vergütung von baaren Auslagen, Transportkosten etc., sowie zum Ankäufe besonders erwünschter grösserer Gegenstände jederzeit die nötigen Mittel aufwenden zu können, worüber besondere Vorschläge von Fall zu Fall natürlich stets sehr erwünscht sein würden.
Dr. von Lu sch an.
Tafel I. » II.
» III.
» IV.
» V.
» VI.
» VII.
» VIII.
» IX.
» X.
» XI. » XII. » XIII. » XIV.
Erklärung der Tafeln.
Togo-Männer: J. C. Bruce, Ame-menö, Tete. Togo-Männer: Hnjö, Amonin, Kofe.
Togo-Frauen: Yägä, Adnko, Kqukqe.
Kamerun-Männer: Toby John, Moses Joss. Kamerun-Männer: Jonas Abue, Rudolf, Bismarck Bell. Kamerun-Männer: Martin, Equa-ngando, Sonntag. Batanga-Jungeu: Botnga, Bernhard, Ilonga. Herero-Männer: Ferdinand Demondja, Josaphat Kamatoto, Titus Huarraka.
Hottentotten: Faikje Banks, Margarethe Traclninur,
Petrus Kiött.
Sswahtli-Männer: Ali bin Malam, Ssaldi bin Abdallah,
Ssaidi bin Ilalfäni.
Sswahili-Frauen: Mssiki, Saada binti Andalla. Konde-Männer: Tschingongwe, Nionera.
Massai-Männer: Yagönd, Menädi.
Massai-Männer: Rainen, Mschitngo.