Schnitzwerk iler Bakundu.
wm
Die Berliner Sammlung besitzt ein ähnliches Stück, (vgl. die obenstehende Abbildung) mit sechs menschlichen Figuren, die von einem grossen geschnitzten Kopf mit zwei Gesichtern gekrönt werden; in der Deutung auch dieser Bildwerke ist also grosse Vorsicht geboten. Was uns ab und zu von einem wohlwollenden Reisenden als solche »Deutung« heimgebracht wird, erinnert doch allzu sehr an den vergnüglichen Aufsatz von piccolo,*) wo vom Klavier gehandelt und u. a. gesagt wird, das Pedal sei dazu da, auch den Beinen Gelegenheit zu gymnastischen Uebungen zu geben, damit sich die Arme beim Spielen nicht zu einseitig entwickeln, und wo es von der Klavierdecke heisst, sie sei nötig, damit das vom vielen Spielen erhitzte Instrument sich nicht erkälte. Das was sich heute Ethnologie nennt, ist voll von Vorstellungen, die nicht um ein Haar besser begründet sind, als die köstlichen Enthüllungen piccolo’s, und sich eigentlich nur dadurch von diesen unterscheiden, dass sie beanspruchen, ernst genommen zu werden. Also Vorsicht!
Ein weiteres völlig rätselhaftes Stück ähnlicher Art aus der Sammlung Jantzen & Thormählen ist Taf. XXV, Fig. 8 abgebildet; ein ähnliches Stück besitzt die Berliner Sammlung unter III. c. 3669 mit der Angabe von Richardson »Diau und seine Axt zum Köpfen.«
Im Anschlüsse an diese Stücke mit Darstellungen der menschlichen Gestalt sei hier noch auf die geschnitzten Spazierstöcke aus Kamerun erinnert, von
*) »Jugend« II. 1S97.
denen Taf. XXV, Fig. 1 bis 4 und 9 bis 12 sehr schöne und typische Vertreter abgebildet sind; sie sind häufig reich geschnitzt, und wenigstens zwei derselben haben auch menschliche Köpfe.
Die lange Reihe von wichtigen Stücken aus Kamerun, die auf der Ausstellung vertreten waren, schliesst würdig eine ganz besonders wertvolle und kostbare Sammlung von Wahrsagegeräten, die seither auch als Geschenk der Baseler Missions-Gesellschaft an das Berliner Museum für Völkerkunde gelangt ist. Neben einer grossen Menge von auffallend geformten Quarzstücken, Hölzchen, Krebsscheren, Fischldefcrn und anderen Knochen enthielt die Sammlung 125 Stücke Schuppen von Manis tricuspis und von Manis tetradactyla, meist irgendwie gezähnt und durchlocht, nicht eine der anderen gleichend*) und also den Bemühungen der Wahrsager eine ganz unendliche luille von Variationen bietend.
c.
Südwest-Afrika.
Aus unserem südwestafrikanischen Schutzgebiete waren aui der Ausstellung lehrreich geordnete ethnographische Sammlungen nur schwach vertreten; aus der »Wissenschaftlichen Abteilung« ist hauptsächlich die Sammlung von Dr. Gürich in Breslau zu nennen und aus dem »Tropenhause« eine Reihe von Stücken, die dem Bestände des Berliner Museums entlehnt waren. Das Wichtigste von diesen beiden Sammlungen ist auf Tafel XXVI zur Abbildung gebracht, durchwegs bedeutsame Stücke, für deren Beschreibung ich auf das Verzeichnis der Abbildungen am Schlüsse dieses Berichtes verweise.
D.
Ost-Afrika.
Was meinerseits über die zur Ausstellung überführten Eingeborenen selbst zu sagen war, besonders was die Tätowierung und die Verunstaltungen der Ohren, der Nase und der Zähne angeht, ist fast alles bereits im anthropologischen Teile dieses Berichtes erledigt worden, so dass ich hier nur mehr wenige Einzelheiten nachzutragen habe. Da muss ich zunächst noch einmal auf die S. 234 erwähnte Frau Andäku-sentu zurückkommen. Sie nimmt zweifellos eine Sonderstellung unter den Massai ein, mit denen sie nach Treptow gekommen war; ihre Sudan-Narben sind höchst auffallend, aber auch in den Kopf- und Körpermaassen bietet sie manches Eigenartige,
*) Einige dieser Schuppen sind inzwischen von II. Seidel im Globus 1896, LXX, S. 177 beschrieben und abgebildet worden. Kr bezieht sie nur auf Manis longicaudata, während beide Manis-Arten, tricuspis und tetradactyla, zu ungefähr gleichen Teilen an der Herkunft der Schuppen beteiligt sind.