Weise erklären zu wollen; freilich könnte dies nur nach sehr eingehenden sprachlichen Forschungen und mit Unterstützung von Eingeborenen geschehen.
Seitens der Missionsprokuratur in Steyl war u. a. ein sehr merkwürdiger »Kriegsgott« zur Ausstellung ge- gelangt, eine kleine sitzende Holzfigur mit einem Schwerte unter dem linken Arm, ferner ein kleiner eiserner »Fetisch« gegen Blitz und Ungewitter, sehr schöne Parade- oder »Fetisch«beile, mehrere verzierte Kürbisschalen und eine grosse Anzahl von interessanten Thon- gefässen. Durch die besondere Güte des Herrn Missionsprokurator H. auf der Heide ist ein wesentlicher Teil dieser Sammlung in den Besitz des Berliner Museums übergegangen und wird dort demnächst zur Veröffentlichung kommen.
Zwei unserer Togo-Leute waren im Besitze von Haussa-Toben; natürlich wussten sie nichts über die Bedeutung der merkwürdigen Stickereien zu sagen, welche diese Toben auszeichnen. Auf S. 242 gebe ich Abbildungen von drei solchen Toben und hoffe, dadurch einen unserer in den Haussa-Ländern lebenden Freunde oder Landsleute zu einem näheren Studium dieser bisher noch niemals genauer untersuchten Stickmuster anzuregen.
Auf Tafel XXI, Figur 17 ist schliesslich in 1 /aa der w. Gr. ein ganz roher Einbaum abgebildet, der in Treptow ausgestellt war; trotz aller Bemühung konnte ich nichts Sicheres erfahren, von wo er eigentlich stammte; ich glaube aber annehmen zu dürfen, dass er einer jener Einbäume ist, die auf den Lagunen der Togoküste von Fischern benutzt werden.
B.
Kamerun.
Was ich über die Kamerunneger der Ausstellung selbst zu sagen habe, ist schon im anthropologischen Teil dieses Berichtes erledigt worden. Es waren durchwegs Küstenleute, meist der schlimmsten Sorte, typische Hosen-Nigger, aber gerade deshalb ungemein lehrreich, weil man an ihnen so recht deutlich sehen konnte, wohin eine gewisse Behandlung der Neger mit Notwendigkeit führen muss. Gerade im Gegensätze zu den schon seit Decennien missionarisiertenSüdwestafrikanern, die hier tadellos und wie vornehme Leute auftraten, und zu den noch von jeder Kultur unbeleckten, liebenswürdig-naiven Massai und zu den ernsten Neu-Britanniern war diese freche, durch Alkohol degenerierte Dualla- gesellschaft mit ihrem idiotischen »Prinzen« erst recht am Platze und hätte sicher nicht fehlen dürfen. Natürlich wäre es erwünscht gewesen, wenn neben dem Küstengesindel auch anständige Leute aus dem Hinterlande, etwa Bali oder Wüte, zu sehen gewesen wären — aber wir müssen dankbar sein schon für das, was an Schwarzen da war. Freilich an irgendwelche ethnographische Aufschlüsse seitens der Dualla konnte nicht gedacht werden; nicht einmal ordentliche Gipsabgüsse
der merkwürdigen Ziernarben waren zu erreichen. Was über die Tätowierung der Leute zu ermitteln war, habe ich bereits im anthropologischen Teil gesagt; ich verweise hier nur noch auf die Skizzen der schönen Ziernarben der Frau Elisabeth auf Seite 205, die Herr Fresenius nach meinen photographischen Aufnahmen gezeichnet; irgend etwas über die Bedeutung der Muster zu erfahren, war mir nicht möglich.
Um so reicher waren die ethnographischen Sammlungen, die aus Kamerun nach Treptow gelangt waren. Da habe ich in erster Linie die beiden grossen und in sich abgerundeten Sammlungen von Dr. Zintgraff und von Lieutenant Dominik zu erwähnen, die allein schon hingereicht hätten, eine gute Vorstellung von den ethnographischen Verhältnissen des Schutzgebietes zu geben. Ganz ausgezeichnete Stücke enthielt auch die Ausstellung der Baseler Mission; einzelne besonders wichtige und interessante Stücke waren von J. F. G. Umlauff ausgestellt worden, und auch die Sammlung der Firma Jantzen & Thormählen enthielt eine sehr grosse Reihe schöner Gegenstände, die jeder wissenschaftlichen Ausstellung zur Zierde gereicht hätten. Diese letztere Sammlung konnte leider nicht so plaziert werden, dass sie recht zugänglich geworden wäre. Immerhin ist es Dr. Weule möglich gewesen, einzelne Stücke auch aus dieser Sammlung zu zeichnen, von der ich im übrigen hoffe, dass sie über kurz oder lang in irgend einem wissenschaftlichen Museum wieder auferstehen und dann zu den verdienten Ehren gelangen wird.
Inzwischen beginne ich hier mit dem Berichte über den nördlichen Teil des Schutzgebietes, über die Sammlungen von den Bali, Banyang, Batom u. a. Tafel XXII, Fig. 1 ist ein ausgezeichnet schönes Holz gefäss der Bali abgebildet, das ganz mit Stanniol überzogen ist, eine Technik, die sich auch sonst im Lande weit verbreitet zeigt; so ist ein sehr grosser Teil der Pfeifenrohre der Bali gleichfalls, und zwar mit unendlicher Sorgfalt, mit Stanniol bekleidet. Noch ist die Frage, ob es sich hier um ein einheimisches Material oder um europäischen Import handelt, nicht ganz entscheidend gelöst; Zintgraff nimmt das erstere an, und auch Staudinger*) hat sich erst vor kurzem in diesem Sinne ausgesprochen, so dass an der Existenz einheimischer Zinngewinnung und -Bearbeitung, wie es scheint im Norden von Bali, nicht mehr gezweifelt werden könnte.
Eine völlig unangefochtene Spezialität der Bali aber sind ihre Tabakspfeifen; ich gebe hier einige wenige Proben derselben und verweise auch auf Taf. XXII, Fig. 23 und 24, muss aber hervorheben, dass diese spärlichen Proben nicht entfernt ausreichen, ein auch nur annähernd vollkommenes Bild von der grossartigen Entwicklung zu geben, welche die Kunst des Pfeifenmachens bei den Bali gefunden. Die Ber-
*) Vergl. VerhancU. der Anthropol« Gesellschaft. Berlin, 1897.