Druckschrift 
Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
Entstehung
Seite
209
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mein Schema Gelegenheit, durch eine Reihe von Parallelmessungen einige besonders wichtige Verhältnisse auch besonders sicher festzustellen; so bieten die Messungen der Scheitelhöhe im Knieen und im Sitzen eine sehr erwünschte Kontrolle für die durch direkte Höhenmessungen gewonnenen Zahlen. Bei der Rein­schrift habe ich in der Regel nur die direkt gemessenen Werte in die Tabellen eingetragen. Wer sich für weitere Zahlen interessiert (Höhe der Stirne, des Unterkiefers, des Oberschenkels, Breite der Lidspalte etc. etc.) wird sie aus den mitgeteilten Ziffern leicht selbst berechnen können. Das Maass für die Ohrhöhe des Kopfes habe ich in allen Tabellen stets ausdrücklich als ein »unge­fähres« bezeichnet, auch da wo Messung und Kon­struktion gut übereinstimmten, und obwohl ich auf die Ermittlung desselben die grösstmögliche Mühe verwandt habe; aber ich glaube in der That, dass es ohne ein ganz besonderes Instrumentarium unmöglich ist, dieses Maass am Lebenden ganz genau zu bestimmen. Be­sonders in Treptow, wo ich durch die dort herrschenden Verhältnisse nicht einmal eine leicht zugängliche ver­tikale Wand zur Verfügung hatte, und wo es völlig aus­geschlossen war, die Leute, die nicht freiwillig rasiert waren, scheren zu lassen, liess sich eine auch nur halbwegs beruhigende Genauigkeit bei diesem Maasse nicht erreichen.

Eine andere, allgemeine Schwierigkeit in Treptow lag in der grossen Unlust der meisten Leute, sich messen zu lassen, und in der vollständigen Unmöglich­keit, irgend einen Zwang auf sie auszuüben. Ein weiterer, mehr persönlicher Missstand lag darin, dass ein Teil der Schüler und Freunde, die mich bei den Messungen unterstützten, als Ausländer der deutschen Sprache nicht ganz vollkommen mächtig waren. Dadurch entstand beim Diktieren der Maasse eine nicht geringe Menge von Schreibfehlern, meist in der Art, dass die Ziffern der­selben Zahl in falscher Folge niedergeschrieben wurden; meist wurde derFehlersofort bemerkt und richtig gestellt; in anderen Fällen ergaben sich Bedenken erst bei der Reinschrift, die gewöhnlich innerhalb einiger Tage ge­macht wurde; die Leute waren dann noch erreichbar, und die bedenklichen Maasse konnten neu genommen werden. Andere Zahlen freilich sind mir erst bei der schliesslichen Bearbeitung verdächtig geworden ich habe sie dann entweder mit einem Fragezeichen ver­sehen oder auch ganz gestrichen. Trotzdem mögen einzelne Irrtiimer unentdeckt geblieben sein und nun auch in die gedruckten Tabellen sich einschleichen; bei so vielen Tausenden von Ziffern sind einzelne Ver­sehen ja auch an und für sich schwer ganz zu ver­meiden, so dass solchen Tabellen eigentlich immer ein s. e. e. o. vorgesetzt werden sollte.

Fachgenossen, welche selbst viel am Lebenden gemessen haben, werden das begreifen; das Gefühl der eigenen Unfehlbarkeit entwickelt sich am üppigsten

immer auf dem Boden mangelhafter Erfahrung; nur wer seine Methoden lediglich am grünen Tisch ausge­arbeitet hat und dann alle Jubeljahre einmal dazu kommt, ein paar Leute zu messen, hält seine Zahlen für unanfechtbar. Wer Hunderte und Tausende von Lebenden gemessen hat, wird bescheidener, und ich bxii schon lange zu der Ueberzeugung gelangt, dass die Messung der Lebenden nur ein sehr unvollkom­menes Surrogat für die Messung von Schädeln und Skeletten ist. Aber das anatomische Material aus unseren Schutzgebieten ist bisher noch so überaus spärlich, dass keine Gelegenheit versäumt werden darf, es durch Untersuchung Lebender zu ergänzen. Wenn wir erst einmal einige hundert Körpermessungen aus unseren Kolonien haben werden, können wir das Ein­treffen von Schädeln und Skeletten mit viel mehr Ruhe erwarten und schliesslich auch mit einer geringeren Anzahl von solchen vorlieb nehmen. Also wird auch der hier vorliegende Bericht über die 1896 in Treptow versammelt gewesenen Eingeborenen, so unvollkommen auch er seiner Natur nach sein muss, doch nicht ohne Nutzen für die Wissenschaft bleiben, und schon wenn er recht viele unserer Landsleute draussen anregt, ihn durch weitere Messungen und Beobachtungen zu er­gänzen, würde ich das als einen Erfolg betrachten, der mich für die an ihn gewandte Mühe und Sorge reich lieh entschädigte.

A.

Togo.

Soweit ich ermitteln konnte, stammen alle An­wesenden ohne Ausnahme von der Küstenbevölkerung bei Little-Popo. Es ist aber bekannt, dass diese seit langer Zeit rege Beziehungen mit Accra unterhält. Mehrere der Anwesenden geben direkt Accra als die Heimat ihrer Eltern an. Nach Mitteilung des Dol­metschers Bruce seien die ersten Leute, die aus Accra nach Togo gekommen seien, unter »König« Momodsche, dem Grossvater des Königs Taki, ausgewandert.

Im Folgenden gebe ich zunächst eine Beschreibung der Leute in der Reihenfolge, in der ich sie unter­sucht habe; dann zwei Tabellen, eine mit den Maassen, die andere mit einigen Indices, beide nach den Längs- breiten-Indices geordnet.

No. 50. Kofi, cT, 22 Jahre, (vergl. Photographie auf Tafel IIc.) Togo; Gesicht rötlichbraun, die bedeckt getragenen Hautstellen wesentlich heller. Nicht täto­wiert. Iris sehr dunkel, Bindehaut farblos, Sklera rein weiss. Augen gerade. Haar braunschwarz, sehr hart und dicht, kraus mit einzelnen Spiralen. Bart sehr spärlich, rasiert. Wimperhaare kurz, spärlich, gerade. Achselhaare lang, spärlich, fast schlicht.

Kopf sehr kurz, breit, massig hoch; Hinterhaupt wenig ausladend. Gesicht sehr breit, niedrig, fast