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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
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ersten Ranges dar. Das Klima weist neben der hohen und stets sehr gleichmässigen Temperatur, unter der die Vegetation sich beständig und üppig entwickelt, reiche Niederschlagsmengen auf (pro Jahr 25005000 mm), die jedoch in einer ausgesprochenen Trockenzeit von 3 Monaten aussetzen, was die Trockenarbeiten der Ernte sehr fördert. Der Boden des Kamerungebirges, hervorgegangen aus verwitterter Lava und Basaltgestein, ist von ganz hervorragendem Nährstoßreichtum, so dass er sich den besten Tropenböden der Welt eben­bürtig zur Seite stellen kann. Auf solch günstiger natürlicher Grundlage ist denn auch der Anblick der Kamerunpflanzungen ein herrlicher. Nicht nur der Fachmann, jeder Laie durchwandelt die prächtigen Kakaofelder mit Entzücken. Am besten lohnt Kakao, aber auch Vanille, Kardamon, Ingwer, Pfeffer, Tabak, Kaffee und andere wertvolle Tropengewächse gedeihen hervorragend. Der Kakao ist jedoch von einer so vor­züglichen Güte, dass er von deutschen Aerzten als der beste der Welt bezeichnet ist und Kranken und Re­konvaleszenten wärmstens empfohlen wird. In Kakao wird sich Kamerun ein Weltmonopol erringen! Auch die Arbeiterfrage, welche ja in der tropischen Land­wirtschaft von gleich grosser Bedeutung ist, wie in der heimischen, scheint in der neueren Zeit ihre günstigste Lösung in Kamerun zu finden, da die Balivölker dank dem Vertrauen, welches Dr. Zintgraff bei ihnen ein- geflösst hat, sich zu Tausenden zur Arbeit an der Küste gemeldet haben und da auch bereits einige einheimische Stämme an der Küste für dieselbe gewonnen sind. Damit können wir in Kamerun die teuren Kru- und Accraneger als Arbeiter entbehren, welche bis jetzt aus Liberia und von der englischen Goldküste angeworben werden mussten, und damit bleibt auch der verdiente Arbeitslohn im eigenen Lande, hier Handel und Industrie belebend.

So berechtigt also Kamerun plantagenwirtschaftlich zu den schönsten Hoffnungen, unser heimisches Vater­land demnächst mit allen Arten wertvoller tropischer Bodenerzeugnisse zu versehen und uns hierin un­abhängig zu machen von den Kolonien anderer. Die Zukunft wird uns lehren, dass wir in Kamerun »die Perle des afrikanischen Kontinentes« erworben haben.

Prof. Dr. F. Wohitmann.

Klimatologisches.

Infolge des Umstandes, dass wir es in Kamerun mit einem Gebiet von sehr verschiedenen orographischen Verhältnissen, mit niedrigen Küsten- und Flussmündungs­gebieten, mit bis über 4000 m hohen Gebirgsmassen, mit ausgedehnten Plateaus, mit vielen Urwaldgebieten und mit lichten Savannenstrecken zu tliun haben, und weil ferner der meteorologische Aequator, welcher die

Gebiete mit nordhemisphärischem Regenregiem von denen mit südhemisphärischen Verhältnissen scheidet, durch Kamerun hindurchgeht, sind die klimatischen Verhält­nisse des Schutzgebietes nicht so einfacher Natur, wie dies auf den ersten Blick erscheinen möchte. Verhältnis­mässig wenig ist auch noch zur Klarlegung der Klimato­logie des Schutzgebietes bisher geschehen, und es steht, wie der geographischen Untersuchung des Schutzgebietes im allgemeinen, so hier der klimatologischen Forschung im besonderen noch ein weites Feld der Thätigkeit offen.

W as zunächst das Kam e r u n - A e s t u a r selbst und seine südlichen Nachbargebiete betrifft, so haben wir cs mit einem ausgesprochen feucht-heissen Tropenklima zu thun mit all seinen bekannten, durch die Malaria ver- anlassten Schädlichkeiten auf die Konstitution des Europäers. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt hier etwa 25,5°. Die grösste Schwankung der Tem­peratur im Laufe des Jahres erreicht kaum 12°, indem die Temperatur kaum über 32 0 steigt, aber auch nie wesentlich unter 20° sinkt; die tägliche Schwankung be­trägt im Mittel etwa 6°. Die höchste Temperatur wird im Dezember bis Februar erreicht (mittlere Temperatur etwa 26,5°), die niedrigste tritt im Juli und August ein (mittlere Temperatur etwa 23,5°).

Die Luftfeuchtigkeit wie die Bewölkung ist das ganze Jahr eine hohe, am grössten während der Monate Juli bis September, in engem Zusammenhang mit der jährlichen Regenverteilung.

Man hat im Kamerun-Aestuar eine regenarme und eine regenreiche Jahreszeit zu unterscheiden. Die erstere dauert etwa von der zweiten Hälfte des November bis gegen Ende Februar, doch ist ihre Dauer und In­tensität je nach den Jahrgängen grossen Verschieden­heiten unterworfen. Ganz trockene Monate kommen anscheinend nicht vor. Die regenreichste Zeit fällt auf die Zeit von Juni bis September, meist ist der Juli der nässeste Monat mit durchschnittlich ca. 800 mm Regen­höhe und ca. 28 Regentagen. Die Jahressumme der Niederschläge schwankt natürlich von Jahr zu Jahr, über­schreitet aber im Mittel 4000 mm. Mit Zuhilfenahme der Gewitter, die ungefähr an 120150 Tagen im Jahr zu beobachten sind, kann man den Gang der Witterung ungefähr wie folgt kennzeichnen: Die Periode der

stärksten Regen von Juni bis August ist zugleich die kühlste und trübste Jahreszeit; die Fernsicht ist infolge des hohen Wasserdampfgehaltes der Luft eine sehr be­schränkte, Gewitter sind namentlich im Juli sehr selten. Es folgt die gewitter- und tornadoreiche Jahreszeit mit reichlichem, wenn auch nicht täglichem Regenfall, welche bis Anfang November dauert. Die Tornados sind von kurzem heftigen Wind begleitete Gewitterböen, die meist aus östlicher Richtung heranziehen. Die Monate November bis Februar sind verhältnismässig trocken, die Zahl der Gewitter wird geringer, doch

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