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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
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Seite
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Kamerun.

f , rotz der günstigen Lage der westafrikanischen Küste zu Europa hat sich der europäische Handel an derselben' verhältnismässig spät entwickelt. Besonders haben die deutschen Kauffahrteischiffe sich erst vor wenigen Decennien an derselben blicken lassen; und erst im Jahre 1868 wurde im Kamerunfluss vom Hause C. Woermann in Hamburg der deutsche Handel eröffnet. Johs. Thormählen, der Vertreter dieser Firma, beantragte dann bereits 1874 beim Auswärtigen Amte des Deutschen Reiches die Ernennung eines deutschen Konsuls in Kamerun, jedoch ohne Erfolg. Erst später, 1883, als sich der deutsche Handel an der Westküste Afrikas und vornehmlich in Kamerun durch die 1875 erfolgte Niederlassung des Hauses Jantzen und Thor­mählen bedeutend gehoben, ging die deutsche Regierung darauf ein, die Verhältnisse in Kamerun näher zu prüfen, und als ihre Erkundigungen bei den Senaten zu Hamburg und Bremen überaus günstig ausfielen, entschloss sie sich 1884, das Protektorat über das Kamerungebiet zu übernehmen.

Unter der Hand waren bereits die bedeutendsten Häuptlinge am Kamerun-Aestuar: Bell, Akwa, Preso und Dido, trotz der englischen Intriguen seitens der deut­schen Kaufleute zu Vertragsabschlüssen bewogen, und Bell und Akwa hatten ihre Hoheitsrechte schon an die Häuser Woermann und Jantzen & Thormählen abge­treten, als am 14. Juli 1884 in den Dörfern dieser Häuptlinge und am 26. Juli in Bimbia am Fusse des Kamerungebirges die deutsche Flagge zum Zeichen der Besitzergreifung gehisst wurde. Der Generalkonsul Dr. Nachtigal war zu diesem Zwecke als Reichs­kommissar mit dem Kanonenboot Möwe von Lissabon nach Kamerun gekommen und erklärte die Oberhoheit Deutschlands.

Indessen unzufrieden mit der Neugestaltung ihrer politischen Lage und aufgereizt durch missgünstige Eng­länder, widersetzten sich einige Stämme der Eingeborenen der deutschen Besitzergreifung, sperrten den Handel, brannten die Stadt des den Deutschen am freundschaft­lichsten gesonnenen Häuptlings Bell nieder und ver­suchten, die deutschen Kaufleute zu vergewaltigen.

Noch zur rechten Zeit erschienen am 17. Dezember die Korvetten Olga und Bismarck des neugebildeten west­afrikanischen Geschwaders an der Mündung der Kamerun­flüsse, und ihre Besatzungen erzwangen durch einen blutigen Angriff auf die Joss-Stadt und durch die Er­oberung derselben die Anerkennung der deutschen Oberhoheit. Die Joss-Stadt war niedergebrannt, und auf ihrem Grunde, der sogenannten Jossplatte, wurde das einfache aber stolze Gebäude, das deutsche Gou­vernement, errichtet. Ein schöner Park, geziert mit dem Denkmale der beim Sturm Gefallenen sowie des Dr. Nachtigal, umgiebt dasselbe.

Nachdem also Kamerun als deutsches Schutzgebiet erworben, erkämpft und gesichert war, haben diplo­matische Verhandlungen mit England und Frankreich die Grenzlinien des im Innern noch unbekannten Landes durch verschiedene Verträge festgesetzt und bestimmt, dass der Küstenstrich vom Aestuarium des Rio del Rey bis zur Kampofluss-Mündung, welcher eine Länge von 320 km aufweist und der Luftlinie etwa von Memel bis Kiel gleichkommt, als deutsch zu be­trachten sei.

Seitdem ist die Entwicklung der Kolonie, dank der umsichtigen Leitung ihres ersten Gouverneurs, Freiherrn Julius von Soden, und der diplomatischen Gewandtheit des jetzigen, Herrn Jesko von Puttkamcr, langsam aber stetig vor sich gegangen. Grosse Auf­stände, wodurch Ostafrika gefährdet wurde, haben in Kamerun nie stattgefunden; wohl galt es zuweilen, ein­zelne Stämme zu züchtigen, welche Stationen oder Ex­peditionen angegriffen oder den Gehorsam verweigert hatten. So wurden die Buealeute im Kamerungebirge hart gestraft und vollständig aufgerieben, als sie sich gegen die deutsche Macht aufgelehnt. Leider büsste der tapfere Hauptmann P'reiherr von Gravenreuth seinen Eifer bei der Eroberung des Bergdorfes (1891) mit seinem Leben; ein Denkmal im Park zu Kamerun ehrt seine Heldenthat. Im südlichen Kamerungebiete haben Kund, Tappenbeck, Dr. Weissenborn und Zenker und später Morgen, Ramsay von Stetten und Dominik der deutschen Macht Anerkennung und Ansehen verschafft,

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