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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
Entstehung
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auf den unzähligen Eilanden Melanesiens und Mikro­nesiens wieder ins Leben zu rufen. Noch im Laufe desselben Jahres schifften sich zu Barcelona 5 Missionare dieser Genossenschaft ein, von denen nur 3 nach i3monatiger, schwieriger Reise das ihnen angewiesene Arbeitsfeld glücklich erreichten. Am 29. September 1882 ging das Schiff vor Anker hinter der Matupi- insel, in der Blanchebai. Einige Tage darauf erfolgte die Landung im Dorfe Beridni auf Neu-Pommern, wo die Missionare vom Häuptlinge Tolitur freundlichst empfangen wurden. Hier fanden sie noch einige Abenteurer der verunglückten französischen Expedition, die unter Führung des Marquis de Rays auf Neu- Mecklenburg eine französische Kolonie zu gründen ge­sucht hatte. Uebrigens war, wie bekannt, zu damaligen Zeiten der ganze jetzige Bismarck-Archipel noch herren­loses Land; erst im Jahre 1885 wurde dort die deutsche Flagge gehisst, und zu gleicher Zeit kam der Archipel durch die Neu-Guinea-Compagnie unter deutsche Schutz­herrschaft. Mittlerweile hatten die ersten Missionare einen Zuwachs an Kräften bekommen, und so waren bis 1885 schon die Stationen Beridni, Vlavollo, Villa Maria, Malagunan und Kinigunan entstanden.

Leiden, Entbehrungen und Schwierigkeiten jeder Art hemmten längere Zeit hindurch das Emporkommen der Mission; in den letzten Jahren jedoch nahm sie unerwartet neuen Aufschwung, und augenblicklich steht sie in voller Blüte. Zur weiteren Ausdehnung des Werkes wurde jüngst das Herz-Jesu-Missionshaus zu Hiltrup bei Münster i. W. gegründet. Da nun, wie aus Gesagtem hervorgeht, die Herz-Jesu-Mission seit 15 Jahren schon auf den Inseln der deutschen Südsee thätig war und dem Entstehen sowohl wie dem weiteren Entwickeln der dortigen Kolonien beigewohnt hatte, konnte dieselbe mit mancher interessanten Eigen­tümlichkeit dieses Teiles der deutschen Schutzgebiete bekannt sein; es musste somit ganz natürlich den Kolonialfreunden der Gedanke nahe liegen, die Mission zur Beteiligung an der Kolonial-Ausstellung zu ge­winnen. Dem Ersuchen hat dieselbe sofort entsprochen, und trotz des leider nur engen Raumes, welcher der­selben zur Verfügung gestellt werden konnte, wusste sie sich so einzurichten, dass ihre Ausstellung fast sämtliche für die Interessenten erwünschten Gebiete umfasste: Ornithologisches, Konchyliologisches, Ethno­logisches, Ethnographisches, Geographisches und Päda­gogisches; kurz, alles Wichtigere zum Verständnis der Verhältnisse in der Südsee und des Fortschrittes der Civilisation wurde von der Herz-Jesu-Mission berück­sichtigt.

Durchgehen wir die einzelnen Gebiete, so erregt in erster Linie die ornithologische Sammlung unser Bewundern. Eine beträchtliche Zahl der schönsten Vögel unserer Südseeinseln sind zur Schau gestellt. Hier der prachtvolle Paradiesvogel (Paradisea) mit ver­

längerten Schmuckfedern und zarten fadenförmigen Steuerfedern; dort der rote Paradiesvogel (Paradisea rubra), das Männchen mit graugelblichem Rücken, smaragdgrüner Kehle und goldgrünem Federbusch auf dem Hinterkopf, das Weibchen bescheidener in der Farbe, aber nicht minder schön: Vorderkopf und Kehle sammetbraun, Oberseite rotbraun, Hals und Brust hellrot; zwischen beiden der in Oceanien so selten vorkommende Chlamydodera cerviniventris nebst anderen Arten Paradiesvögel. Darf es uns noch wundern, dass in Europa die zarten, kostbaren Federn dieser Vögel als Schmuck für Damenhüte so sehr gesucht werden, während sie der Araber gern an seinem Turban anbringt?

Weiter begegnen wir einer Reihe bunter Papageien, vom einfachen Kakadu (Cacatua triton), dem »alten Vater«, wie ihn die Malaien so zutreffend nennen, bis zum selten vorkommenden kleinen Papagei (Psittacula guilielmi III), vom farbenreichen Loripapagei (Tricho- glossus haematotus) bis zum unansehnlichen Neu- Guinea-Papagei.

Unter diese geschwätzige Gesellschaft mischen sich der niedliche Honigvogel (Nectarinia frenata), der un­gesellige Pirol (Oriolus flaviventris), der stolze Raupen­vogel (Graucalus papuensis) u. a. m.

Nebst den Vögeln bietet dem Eingeweihten eine reichhaltige Konchyliensammlung recht Interessantes. Fast sämtliche in der Siidsee vorkommende Gattungen von Schnecken und Muscheln sind vertreten. Einiges nur sei hervorgehoben: Von den Lungenschnecken finden wir zuerst die Gattung der Schnirkelschnecken in verschiedenen ihrer Unterarten, sodann einige Schlamm­schnecken. Bei weitem zahlreicher sind die Gattungen und Arten der Vorderkiemer vorhanden, deren mehrere selbst für den gewöhnlichen Besucher von Interesse sein dürften, so z. B. die schlanke Turmschnecke, welche in der deutschen Siidsee nur selten vorkommt; das Schlangenköpfchen (echte Kauri), welches aufge­näht und von den Eingeborenen als Münze verwertet wird; der grosse Schlangenkopf, den die Insulaner als Senkmuschel beim Schildkrötenfang benutzen; das Tritonshorn, welches bei Festlichkeiten und Versamm­lungen Posaune und Trompete ersetzt; die verschiedenen Konusarten, welche in früheren Zeiten, besonders auf den Marshallinseln, zu Geld verarbeitet wurden, heut­zutage aber nur mehr zu Halsketten und sonstigen Schmucksachen verwertet werden; ausserdem die Por- phyrwalze, die prächtige Papstkrone, verschiedene Stachel­schnecken, Kreiselschnecken u. s. w.

In gleichem Masse überraschend ist die Sammlung eigentlicher Muscheln, Muscheln mit Atemröhre (bucht- mantelige und ganzmantelige, worunter die Riesen­muschel, aus welcher die Wilden sich Armbänder und sonstige Schmucksachen hersteilen) und ohne Atem­röhre (Vogelmuschel, echte Perlmuschel, Steckmuschel),