Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
757
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8. Die deutsche Verwaltung des Kiautschougebietes,

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erscheinen. China ist ebenfalls in einem Übergangsstadium begriffen, Veränderungen von ungeheurer Tragweite bereiten sich vor, die Reorganisierung des Riesenreiches in nationalem Sinne und seine Modernisierung nach Art Japans sind in raschem Gange. Unermeßliche Kräfte, unübersehbare Möglichkeiten der Entwickelung werden damit entfesselt. Hierbei ist es schon allein von unschätzbarem Wert, daß Deutschland durch den Besitz von Tsingtau dem Osten unausgesetzt sein Vorhandensein und seine Bedeutung vor Augen führt. Ferner, daß es dadurch ganz von selber Einfluß auf diese Entwickelung nehmen kann. Erfolgt, was wahrscheinlich ist, ein großer wirtschaftlicher Aufschwung Chinas, so wird das auch für Tsingtau selbst, den besten Hafen Nordchinas, die Ursache einer glänzenden Entfaltung werden. Daneben ist aber gerade in dieser Nationalisierung und Modernisierung des alteu Reiches der Mitte auch möglicherweise eine Quelle von Schwierigkeiten gegeben. Es kann sein, daß China das deutsche Kiautschougebiet mehr denn bisher als einen lästigen Fremd­körper in seinem Fleisch empfindet und seiner Blüte bewußt entgegenarbeitet. Aufgabe einer geschickten auswärtigen Politik Deutschlands wird es sein, die Chinesen davon zu über­zeugen, daß unsere dortige Besitzung frei von jedem feindlichen Charakter gegenüber China ist, und daß ein Aufschwung der deutschen Unternehmungen dort Zug um Zug auch das Aufblühen des chinesischen Hinterlandes selbst fördert. Gelingt das, dann erscheint dem deutschen Kiautschougebiet eine bedeutende Zukunft sicher.

Bemerkungen zu den klimatologischen Diagrammen für Tsingtau.

Von Professor Dr. Hans Maurer.

Die auf S. 321 und 622 abgedruckten Diagramme gehen auf das fünfjährige Beobachtungsmaterial zurück, das für die Zeit von September 1898 bis August 1903 in denAnnalen der Hydrographie" 1904, S. 198, zusammengestellt ist. Für Luftdruck, Temperatur und Niederschlüge ist das inzwischen veröffentlichte Material bis November 1907 einschließlich mitvcrarbeitet, so daß sich die Mittel nunmehr auf ein Intervall von 9V« Jahren beziehen. In den im Diagramm wiedergegebenen jährlichen Gängen von Temperatur, Niederschlag und Luftdruck tritt der Monsuncharakter des Klimas sehr scharf hervor. Die Wmddiagramme geben für jede meteorologische Jahreszeit die prozentige Häufigkeit jeder der 16 Windrichtungen sowie die der Windstillen; und zwar bedeutet die Länge des Strahls in der betreffenden Richtung von der Mitte bis zu dem gestrichelten Polygon die Anzahl Prozente, die auf die betreffende Windrichtung unter allen Beobachtungen kommen, wobei 1 ein Länge S°/o ist. Der Radius des gestrichelten Kreises gibt die prozentige Häufigkeit der Windstillen. (In denAnnalen der Hydrographie" 1904, Tafel 13, sind diese Kreise versehentlich im halben Maßstab eingezeichnet.) Das Überwiegen der SO-Winde im Sommer, der MV-Winde im Winter springt in die Augen. Die folgend- Tabelle gibt die charakteristischen Zahlen für die einzelnen Jahreszeiten und das Jahr:

Winter XllII

Frühling IIIV

VIVIII

H-rbst IXXI

Jahr

0,72»

10,07

22,? l

I5,zs

12,20

85,2 «

S?,s

»8!»,z

90,7

«22,7

7?«,?s

?SZ,so

756,02 »

766,is

704,14

Wind- auS der Nordwssthiilfts MO bis ^VS^V) in Prozsntsn

SS,o

2»,s

21,l»

SI,7

, 42,l

Winds aus dsr Slldosthiilsts (SW bis 0510) in Prozsntsn

2S,ö<°

S7,Z

3S,9

52,5

S,o

3,2'

3^«

»,»

5,4

Bezüglich Luftdruck und Wind nähert sich der Frühling denr Sommer, der Herbst dem Winter; nach Temperatur und Niederschlag steht der Frühling dem Winter näher, der Herbst dem Sommer. Der Luft­druck ist auf Meeresniveau reduziert. Die Temperatur gilt in Stationshöhe (1524 m).