8. Die deutsche Verwaltung des Kmutschougebietes.
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Landesgrenzen sind einstweilen nur Obst, Weißkohl und Schweine. Ausfuhrgeschäfte dafür finden sich außer in Tsingtau in den Seeplätzen Tsangkou, Nükukou, Schatsykou und Tengyanschiang (am Lauschanhafen). Die Händler sind meist Eingewanderte, nicht Schan- tungleute sl, 1904; 23 ff. 38; 134^.
Die Verkehrsmittel im Innern des Pachtgebietes standen vor der Ankunft der Deutschen auf einer sehr niedrigen Stufe. Es gab uur eine einzige längere fahrbare Straße, die Verbindung zwischen Tsingtau und Tsangkou. Hauptbeförderungsmittel auf diesen Straßeu war und ist noch neben dem Tragtier der bekannte chinesische Schiebkarren. Die Deutschen haben energisch begonnen, diese Wegeverhältnisse zu bessern und einstweilen besonders in unmittelbarer Umgebung Tsingtaus vortreffliche, zum Teil chaussierte Wege geschaffen. Eine schöne Straße führt zum Genesungsheim Mecklenburghaus im Lauschan. Über das großartigste Verkehrsmittel, die Eisenbahn, wird weiter nnten gesprochen (S. 39).
Bezüglich derdeutschenEinwanderungistmit Recht darauf hingewiesen worden, daß die dichte Besiedelung sowie die Genügsamkeit des chinesischen Landmannes sowohl unser Pachtgebiet selbst wie das weitere Schantung trotz günstiger klimatischer Bedingungen als Ansiedelungsgebiet für deutsche Landwirte vollkommen ausschließen f36; gos). Doch sind industrielle Unternehmungen unter deutscher Leitung aussichtsreich, da die Chinesen ein gutes und billiges Arbeitermaterial stellen. Erfahrungen sind in dieser Richtung bereits in größerm Maßstabe gemacht worden bei der Schantung-Eisenbahn, den deutschen Bergwerken und der großen Seidenspinnerei von Tsangkou.
8. Die deutsche Werrocrllung öes Kicrutfchougebietes.
Vor der Besitzergreifung gehörte das Gebiet zur chinesischen Präfektur vou Tsimo. Nach dieser ist es unter die Verwaltung des deutschen Reichsmarineamts gestellt worden. Bereits im April 1898, nach Festlegung der endgültigen Verträge, wurde das Gebiet vou diesem einem der Kriegsmarine angehörigen Gouverneur anvertraut, der weitgehende Freiheit gegenüber der Heimat haben soll. Er vereinigt die höchste Militär- und Zivilgewalt innerhalb des Gebietes in seiner Person. Als oberster Befehlshaber der Besatzungstruppen kommandiert er insgesamt 55 Offiziere und 2274 Mann. Unter den letzteren sind 84 Nichtweiße fl, 190s; 655^, Die Zivilverwaltung gliedert sich in die eigentliche Landesverwaltung mit einem Zivilkommissar an der Spitze und einem besondern Kommissar für chinesische Angelegenheiten, die Justizverwaltung, die Bauverwaltung, die Hafenverwaltung, der zugleich die meteorologisch-astronomische Station untersteht. Die Leiter dieser Verwaltungszweige bilden den Gouvernementsrat. In ihm sitzen auch vier Bürgerschaftsvertreter als Repräsentanten der Zivilverwaltung. Für besondere Fragen des Handels und Gewerbes ist eine Handelskammer aus der Mitte der Kaufmannschaft gebildet, und auch für die die chinesische Bevölkerung besonders betreffenden Dinge ist ein aus ansässigen angesehenen Chinesen bestehendes Komitee gebildet. Alle diese Körperschaften stehen dem Gouverneur beratend zur Seite. Es besteht die Absicht, diese Ansätze immer mehr zu einer Selbstverwaltung der Kolonie auszubilden. Natürlich wird eine solche erst gewährt werden können, wenn die Kolonie wirtschaftlich auf eigenen Füßen steht.
Man darf der bisherigen Verwaltung durch die Marine das Zeugnis ausstellen, daß
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