Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
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4. Die Flüsse. S. Die Pflanzenwelt.

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und behält im wesentlichen diese Richtung bei. Von Süden empfängt er kurz oberhalb von Liangtschüen einen beträchtlichen südlichen Nebenfluß. Einen ähnlichen gegenüber dem großen, nicht mehr zu unserem Schutzgebiet gehörigen Orte Liuting. Das Sandbett des Flusses ist hier bereits 400 m breit, zahlreiche Straßen führen darüber hinweg, unweit Tschau- tsun auch die Schantung-Eisenbahn in einer ca. 300 m langen Brücke. In noch größerer Verbreiterung mündet er endlich in die Watten der Kiautschoubucht. Das uutere Paischaho- tal ist schon als ein Teil der Verebnungen im Norden der Bucht aufzufassen uud ist wie diese fruchtbar und dicht besiedelt.

Der zweitgrößte Fluß durchströmt die Mitte unserer Halbinsel; er besteht aus zwei un­gefähr gleichwertigen Wasserläufen, die sich in der Nähe des Marschpasses bilden, weiterhin die Litsuner Höhen umfließen und 3 Km nach ihrer Vereinigung in uur weuig geringerer Breite als der Paischaho in die Kiautschoubucht münden. Der Gesamtfluß trägt den Namen des nördlicheren, des Flusses von Litsuu, während der südliche, ein klein wenig längere, Tschcmgtsun heißt. Die Länge des Litsunflusses von der Quelle bis zur Gabelung beträgt 15, die des Tschaugtsunflusses 20 Km.

Der dritte noch in die Kiautschoubucht müudende Fluß, der Hai Po, ist im ganzen nur 6 Km lang. Allein er hat eine gewisse Bedeutung für uns, da es der Tsingtau nächst­gelegene unter den einigermaßen bemerkenswerten Flüssen des Schutzgebietes ist und aus dem unterirdischen Strom seines Sandbettes ca. 1 Km vor seiner Mündung die Wasser­leitung der Stadt Tsingtau durch Brunnen bis vor kurzem ausschließlich ihr ausgezeichnetes, allen Anforderungen der Hygiene entsprechendes Trinkwasser entnahm. Neuerdings ist bei dem steigenden Bedürfnis das Hauptwerk an den Litsunfluß verlegt worden.

Unter den in das freie Meer gehenden Flüssen sind nur zwei nennenswert: der in die Bucht von Schatsykou mündende Tschuwofluß (Länge 1213 Km; s. Taf. 32, Bild 2) und der in den Lauschanhafen mündende Prinzenfluß, der nur 8 Km lang ist. Ersterer entspringt am Tempelpaß, im Zentrum des deutschen Lauschan, und durchströmt das schöne Lauschantal.

Außer diesen Flüssen gibt es nur Wildbachläufe, deren tief in die Schutthalden der Berghänge eingerissene Schluchten oft arge Verkehrshindernisse sind, die jedoch nur uach Regengüssen kurze Zeit oberflächlich Wasser führen. Das Überschreiten der Sandbetten dieser Flüsse ist oft nicht ungefährlich, wo unterirdisch Wasser läuft, doch sind alle auch zur Regen­zeit gewöhnlich durchfurtbar.

5. Die "Nfcanzen5vett.

Die Bedingungen für eine reiche wildwachsende Vegetation wären, wie schon bemerkt, in unserem Schutzgebiet eigentlich gegeben: der Granit des Felsgerüstes verwittert infolge seines starken Feldspatgehaltes schnell, und der daraus gebildete Bodeu würde, wenn auch die Er­tragsfähigkeit der Lößgegenden West-Schantungs nicht erreicht wird, doch bei hinreichender Tiefe recht fruchtbar sein, und das Klima mit seiner guten Durchschnittswärme und seiner er­wähnten günstigen Verteilung der Niederschläge würde dies wohl zur Geltung kommen lassen.

Trotzdem finden wir hier wie im ganzen gebirgigen Schantuug eiue nur sehr spärliche natürliche Pflanzendecke. Die geschilderte uralte Wald-, ja sogar Grasverwüstung beraubt die Verwitterungskruste des Haltes, so daß sie alljährlich ins Tal weggeschwemmt und der