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Das Kiautschougebiet,
ganz erstaunliche Regenmengen nieder. So fiel am 9. Juli 1905 das bisher beobachtete Maximum innerhalb einer Stunde von 38,9 mm. Sehr trocken ist der Winter. Hauptsächlich deshalb versinkt die Vegetation hier in einen Winterschlaf bis zu den ersten Frühjahrsregen, die meist im März fallen, sich zuweilen aber auch bis zum Mai verspäten. Das bisher dürrste Frühjahr, 1909, brachte eine Trockenperiode von Anfang Januar bis Anfang Juni mit nur 41,6 mm Regen j4, 1910; sö^j. Umgekehrt kommen auch gelegentlich heftige Regen in, Frühjahr vor, ebenso im Herbst W; 113 f,^. Der Schneefall im Winter ist sehr spärlich; nur etwa 3—5 Tage im Jahr ist eine zusammenhängende Schneedecke zu beobachten, und Schneehöhen von mehr als 60 mm sieht man nur im Gebirge. Günstig ist, wie schon Richthofen für Schantung hervorhob, daß der reichlichere Regenfall, wenn auch noch nicht die eigentliche Regenzeit, mit dem April einsetzt, d. h. nach der Frühjahrsaussaat, so daß letztere sehr geeignete Bedingungen für ihr Gedeihen findet. Überhaupt sind Wärme, Feuchtigkeit und die Zersetzungsfähigkeit des Gesteinsuntergrundes eigentlich recht günstig für die Bildung einer Vegetation in unserem Schutzgebiet. Wenn dieses trotzdem heute den Besucher im allgemeinen in so erschreckender Kahlheit entgegentritt, so ist das hauptsächlich mit der törichten Verwüstung durch Menschenhand zu erklären.
4. Die Müsse.
Die Geländeformen und die Niederschläge bedingen die Verteilung und den Charakter der Wasserläufe unseres Schutzgebietes. Erwähnenswerte Flüsse entwickeln sich nur auf der östlichen Halbinsel, in den Talsenken, die wir bereits kennen lernten. Alle gehören sie in ihrem gesamten Verlaufe der Kolonie an und sind, der Gesamtabdachung entsprechend, im allgemeinen von Osten nach Westen oder von Norden nach Süden gerichtet, und alle haben sie das Gemeinsame, daß sie, wenn überhaupt, nur in ihren Quellgebieten das ganze Jahr hindurch Wasser führen. Ihre Täler sind in den obersten Teilen felsig, zum Teil nicht ohne Romantik; in den unteren Teilen aber, die der Länge nach weitaus überwiegen, sind sie von dem Verwitterungsschutt, insbesondere von dem Granitsand der Gehänge erfüllt, in dem das Wasser versickert. Infolge der ungleichen Verteilung der Niederschläge und der Kahlheit der sie umgebenden Gelände, die das niederfallende Wasser sofort in der Tiefe zusammenströmen läßt, führen sie zeitweilig ganz erstaunliche Wassermassen, die brausend zu Tal schießen und gewaltige Wildbachwirkungen ausüben. Doch versiegen diese Fluten so schnell, wie sie kommen, und weitaus den größten Teil des Jahres sieht man nur breite, trockene Sandbetten (s. Taf. 32, Bild 2). Der bekannte Wochenmarkt von Litsun z. B. (f. Taf. 33, Bild 3) findet alle fünf Tage in dem Bette des Litsunflusses statt. Doch strömt in den größeren Flußbetten das Wasser unterirdisch unter dem Sande fort, der einen allzu raschen Abfluß, wie er in den höheren felsigen Tälern stattfindet, verhindert; ein günsüger Umstand, da es dadurch möglich wird, hier auch in der trockenen Zeit durch Brunnen Wasser zu gewinnen.
Der bedeutendste Fluß des Schutzgebietes ist der Paischah 0 mit 32 Icm Länge. Sein Quellgebiet liegt im östlichsten Teil der Kolonie am Nordabhang der Fünffingerspitze und des Hoffnungspasses in ca. 800 m Meereshöhe. Von dort fließt er in nordwestlicher Richtung in ziemlich steilem Abstieg durch das sogenannte Felsental. Schon nach 9 Icm Entfernung erreicht er eine Meereshöhe von weniger als 100 m. Von hier wendet sich der Fluß nach Westen