Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
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Das Kiautschougcbiet,

vor dem Westufer von Tsingtau gelegenen, ursprünglich der Schiffahrt hinderlichen Klippe, dem Womcm's Island der englischen Seekarte, heute Hafeninsel genannt, sagte bereits Franzius mit Recht voraus, daß sie sich durch Einbeziehung in die Hafenbauten in ein nütz­liches Gebilde verwandeln lassen würde ^12; 43ff.^.

Besonders starke und für die moderne Schiffahrt gefährliche Strömungen sind in der Bucht schon wegen der geringen Ausdehnung ihrer tieferen Teile nicht vorhanden. Der gewöhnliche Gezeitenwechsel beträgt etwa 3 m, sein Maximum etwa 4 m, ein gün­stiger Umstand, der seinerzeit mitgewirkt hat, daß Deutschland der Kiautschoubucht den Vorzug vor der Samsah- oder Amoybai gab ^12; 4t^.

Der Ankergrund der Bucht ist gut, da er fast ausschließlich aus einem mit etwas Ton gemischten Sand besteht. An einzelnen Stellen sind Riffe aus Granit und jüngeren Ge­steinen vorhanden, Ausläufer der Bergzüge am Ufer, aus deren langsamer Verwitterung ein weicher Schlamm entstanden ist, der hier und dort den Grund 0,s1 m tief bedeckt und im Bereich der Hafenbauten unschwer bis zur nötigen Tiefe entfernt werden konnte.

2. Acrs Keränöe.

Das Gebirge unseres Schutzgebietes ist ein organischer Bestandteil des Gebirgslandes von Schantung und kann ohne einen flüchtigen Blick auf das Ganze, zu dem es gehört, nicht wohl verstanden werden.

Das Gebirgsland Schantungs erhebt sich inselförmig teils aus dem Meere, teils aus der meerähnlich glatten Oberfläche der Großen Chinesischen Ebene. Nach Richt- hofen gehört es in der Hauptsache sehr alten Erdperioden an und ist seit dem Ende des paläozoischen Zeitalters nicht mehr vom Meere bedeckt worden. Seine Gebirgsformen sind daher in weitgehendem Maße zerstört. Nur die Grundgerüste sind noch erhalten, die Gipfel und Grate längst abgetragen, zum Teil zu weichen, rundlichen Formen verwittert oder im Gegenteil, wo härtere Gesteine einen bedeutenderen Widerstand leisteten, zu wilden, regellosen Formen zernagt, die Talsohlen dagegen mit massenhaftem Zerstörungs­material aufgefüllt. Dabei ist jedoch ein sehr bedeutender Unterschied zwischen dem west­lichen und dem östlichen Teile des Gebirgslandes von Schantung zu erkennen. Das west­liche Gebirgsland hat eine deutliche Wesensgleichheit mit den Gebirgen Nordchinas, die den Westrand der Großen Ebene bilden. Hier wie dort herrscht Tafellandcharakter vor, die Gesteine sinisch-kambrischen Alters und bis zum Karbon und vereinzelt noch jüngere Ge­steine überlagern ungefaltet die archaische Basis; die gegenwärtige Plastik wird in ihren Grundzügen durch große Brüche bestimmt, bei denen vielfach die karbonischen Schichten in die Tiefe gesunken und so erhalten worden sind. Daher finden sich hier die vielbesprochenen Kohlenlager der Provinz Schantung. Die Ostgrenze dieses geborstenen Tafellandes bildet eine fast meridional verlaufende Linie, die dem westlich von Laitschoufu in den Golf von Petschili mündenden Flusse Weiho folgt und sich auch orographisch als ein das ganze Ge­birgsland durchsetzender, für den Verkehr höchst wichtiger Flachlandstreifen ausprägt, den Richthofen als Kiaulcnsenke bezeichnet. Jenseits dieser Linie trägt der Gebirgsbau Züge, die ihn genetisch von den Gebirgen des übrigen China wesentlich sondern und ihn vielmehr zu den Gebirgen der Halbinsel Liautung in Beziehung setzen. Außer einigen jüngeren