Einleitung.
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auf Umrisse wie Geländedarstellung wesentliche Änderungen brachte. Ebenso wurde die Bucht genau vermessen. Zahlreiche andere Arbeiten schlössen sich an, die größtenteils in den Denkschriften für den deutschen Reichstag fl) veröffentlicht sind. Die kartographischen Leistungen des Reichsmarineamts dürfen als mustergültig bezeichnet werden. An sonstigen Arbeiten seien genannt die regelmäßigen Beobachtungen der amtlichen meteorologischastronomischen Station in Tsingtau, die statistische Aufnahme aller Wohnplätze unseres Schutzgebietes durch eine Anzahl Offiziere fM, die Begründung einer Flora des Kiautschou- gebietes durch den Missionar Dr. Faber, die Untersuchung der Gesteinsarten des Schutzgebietes durch Rinne, die bakteriologischen Untersuchungen in den Lazaretten u. a. m. Sogar ein vortreffliches Reisehandbuch über Tsingtau und Umgebung ist bereits in mehreren Auflagen deutsch und englisch erschienen s42).
In der Rechtschreibung der chinesischen Namen schließt sich die nachfolgende Arbeit an die amtlichen Schreibungen des Reichsmarineamts an, soweit solche vorliegen. Nur die Sitte, die zusammengesetzten chinesischen Namen in unserer Sprache mit gesonderten Silben ohne Bindestrich wiederzugeben und nur einige häufigere, auch in der Heimat bereits vertraute Namen, die gewissermaßen schon in den deutschen Sprachschatz übergegangen sind, wie Kiautschou, Tsingtau oder Lauschan, in ein Wort zusammenzuziehen, befolgen wir nicht, da Willkürlichkeiten hierbei unvermeidlich sind; wir schreiben die einen Namen bildenden Wortsilben vielmehr stets zusammen.
Die Weltlage des Kiautschougebietes.
Mehr als für irgendeine andere deutsche Kolonie ist für das Kiautschougebiet eiu Hinausschauen über die politischen Grenzen auf die Umgebung zum Verständnis der Bedeutung seines Besitzes für Deutschland erforderlich.
Das Kiautschougebiet hat mit den Schutzgebieten unserer deutschen Südsee-Inseln gemeinsam, daß es im Bereich des Stillen Ozeans gelegen ist, den man nach seiner Ausdehnung geradezu als die Wasserhalbkugel des Globus der Landhalbkugel gegenüberstellen kann. Von dem Zentrum der Halbkugel überwiegenden Landes, von Europa, aus hat sich nach allen Seiten, mit Ausnahme der unzugänglichen Polargegenden, gewissermaßen konzentrisch fortwachsend, die heute herrschende und den Erdball immer inniger umspannende Weltkultur der weißen Rasse ausgebreitet. Ganz den Raumverhältnissen entsprechend, hat sie dabei am spätesten die Außenränder dieser Landhalbkugel, eben die Ufer des Pacific, erreicht und sich zu unterwerfen begonnen, gleichzeitig von Osten und von Westen her. Erst in den letzten Jahrhunderten sind die Männer der weißen Rasse überhaupt dort erschienen, erst in den letzten Menschenaltern haben sie begonnen, an diesen Ufern bedeutsame Kulturgebilde ihrer Wesensart zu schaffen. In diesem Sinne ist der Stille Ozean das jugendlichste unter den drei großen für die Entwickelung der Menschheit in Betracht kommenden Weltmeeren.
Mit dieser Tatsache der Jugendlichkeit sind auch die inneren Charakterzeichen einer Jugend verbunden: ein Kranz junger politischer Gebilde umgibt dies Meer, deren kommende Entwickelung die größte Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen darf: im Nordosten Kanada und die gewaltige Nordamerikanische Union; im Südosten einer der tüchtigsten der Staaten Südamerikas, Chile; im Südwesten die immer selbständiger werdenden englischen Kolonien von Neuseeland und Australien; im Nordwesten so kraftvolle Strahlungspunkte von Leben wie Singapore, Hongkong, Schanghai; und endlich auch die pazifischen