Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Ginteitung.

Das deutsche Kiautschougebiet an der Ostküste Chinas nimmt unter den deutscheu Schutzgebieten eine besondere Stellung ein; es gilt als eine Pachtung auf vorläufig 99 Jahre, vom Jahre 1898 an. Für diese Zeit hat sich der eigentliche Landesherr, der Kaiser von China, durch Vertrag der Ausübung seiner Hoheitsrechte im Bereich des Gebietes zu­gunsten Deutschlands begeben s40s,; iWkf.

Der Name unserer Kolonie stammt von der Kiautschoubucht. Diese hat wiederum ihren Namen von der alten chinesischen Stadt Kiautschou, die früher von der Bucht aus auscheineud mit kleinen Booten erreichbar war, heute jedoch völlig biuneuläudisch au eiuem unschiffbaren Bach etwa 8 Km von ihrem Nordwestufer gelegen ist; ihr Hafen ist Taputou (siehe S. 510). Das chinesische Zeichen Kiau, mit dem zurzeit die Stadt Kiautschou geschrieben wird, bedeutet Leim ^6, n; 263. 16; 25. 17; 252, Am».; Vhdlgu. d. Ges. f. Erdk. z. Berliu 1898, ?i u. i3v^. Die Stadt Kiautschou selbst gehört nicht zu unserem Pachtgebiet. In­folgedessen ist die in unserem Volke populäre Benennung desselben als KolonieKiau­tschou" unrichtig; zutreffender ist die amtlich gebrauchte BezeichnungKiautschougebiet". Wahrscheinlich wird aber dermaleinst der Name der Hauptansiedelung, Tsingtau, die ja in der Tat den eigentlichen Kern unseres Besitzes ausmacht, der noch gebräuchlichere werden. In Ostasien ist er es schon heute. Tsingtau heißtGrüne Insel" und bedeutet ursprünglich das kleine, dem Ort vorgelagerte Eiland, das heute Arkona-Jnsel getauft ist. Von hier wurde der Name auf das Dorf am Festlande übertragen.

Geschichtliches. Der erste historische Anklang an den Namen Kiautschou fiudet sich uach Friedrich Hirth s16; is ff.Z in einem hier gelegenen Fürstentum Kiautung, das am Ende der Tsindynastie (255206 v. Chr.) bestand. Die Stadt Kiautschou wird in chinesischen Quellen im Jahre 529 n. Chr. zuerst geuannt. Nach F. v. Richthofen s17; 2S2fs,Z erreichten schon im 9. Jahrhundert die arabischen Schiffer diesen Platz als ihren äußersten Hafen. Seine größte Blüte als Seehandelsftadt dürfte Kiautschou wohl vor der Fertigstellung des Kaiserkanals gehabt haben und die Kiautschoubucht dürfte damals die wichtigste Eingangs­pforte für große Teile Nordchinas gewesen sein. Sie war selbst zeitweilig durch eiuen Kanal mit dem inneren Gelben Meer verbunden und blieb auch besucht, bis 1860 die Fremdenniederlassung von Tschifu au der Nordküste der Halbinsel Schantung eröffnet wurde. Diese zog den Außenhandel des ganzen östlichen Schantuug an sich, Kiautschou wurde eine tote Stadt und die kommerzielle Bedeutung der Bucht erlosch nahezu ganz.

Die Aufmerksamkeit der Neuzeit hat zuerst der große Meister der chinesischen Geographie,

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