Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Kaiser-Wilhelms-Land. 3. Bevölkerung und wirtschaftliche Verhältnisse.

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Molche und Salamander fehlen. Süßwasserfische beleben die Flüsse in größeren Mengen, Seefische dringen in die Flußmündungen ein. Ihre Formen und Farben sind sehr mannig­fach und oft schön, aber nicht alle sind genießbar; der am häufigsten gefangene Seefisch ist der Barito. Wale sind selten geworden, Delphine noch häufig, Krebse allgemein verbreitet, auch die Trepangfischerei hat noch nicht ganz aufgehört. Zahllos ist das Heer der Ameisen, Skorpione, Tausendfüßer, Zikaden, Moskitos, wundervoll die Pracht der Schmetterlinge und Leuchtkäfer. Von eingeführten Nutztieren bürgern sich die von Indien kommenden rasch ein, während die aus Australien stammenden sich nur schwer akklimatisieren, ein deut­licher Fingerzeig gegenüber der Frage, warum Flora und Fauna Melanesiens so unverkenn­bar indische Züge tragen; auch indische Hirsche gedeihen im Küstengebiet.

3. WeVöMerung unö wirtschaftliche Verhältnisse.

Die Eingebornen P5. 89; II. 91. 93. 95. 207a. 208a. 219. 220; 137-213. 222. 224. 225a. 226229) (s. Taf. 23, Bild 1 und 2; Taf. 26, Bild 3 und 4) von Kaiser-Wil- Helms-Lcmd gehören, wie die Völkerkarte am Schluß zeigt, hauptsächlich zwei Völker­gruppen an. Im Innern sitzen Papua, an der Küste Melanesien Die Grenze zwischen beiden fällt, soweit wir bisher urteilen können, nicht mit der Wasserscheide der Küstenflüsse gegen das Innere zusammen, sondern verläuft etwa 25 lim von der Küste entfernt. Daher sind die Anwohner des Augustaflusses, des Rmnu und des Markham zum größten Teil Papua, diejenigen Eingebornen aber, mit denen die Weißen an der Küste von Kaiser- Wilhelms-Land hauptsächlich zu tun haben, Melanesien Mit einiger Sicherheit ist anzu­nehmen, daß sowohl die Papua wie die Melanesier von Westen her in Neuguinea ein­gewandert sind, gerade wie die Pflanzen und die Tiere in ihrer Mehrheit. Wahrscheinlich ist ferner, daß die Papua von der Küste ins Innere zurückgedrängt sind und dem Strom der neuen Einwanderer weichen mußten, und zwar wahrscheinlich vor nicht allzulanger Zeit. Im ganzen haben die Bergstämme des Innern nach B. Hagen kurze, untersetzte Gestalten, breite, flache, stumpfe Nasen, die Küstenvölker dagegen schlanke und hagere Figuren, lange, schmale Köpfe und lange, gebogene Nasen. Übrigens läßt sich eine einheit­liche Charakteristik der Eingebornen wegen der großen Zersplitterung und der lokalen Ver­schiedenheiten, die wohl nirgends auf der Erde in dem Maße auftreten wie auf Neuguinea, und die sich namentlich in den zahllosen verschiedenen Sprachen ausdrücken, kaum geben.

Die Küstenbewohner sind Leute von dunkelbrauner Hautfarbe, mit Abweichungen bis Hellgelbbraun einerseits und fast Schwarz anderseits. Die Frauen tragen Gras- oder Faserröcke, die Männer eine Binde von Baumrinde oder eine Schnur mit einer Muschel um die Lenden. Im Innern, am Ramu und Markham, gehen die Männer vielfach ganz nackt. Auf die Ausgestaltung der Haarfrisuren wird Wert gelegt, auch werden Bambuskämme, Federn und Kräuter ins Haar, Muschelplatten, Hundezähne, Keme oder Schildpattstücken in die Ohren gesteckt. Halsschnüre aus weißen Muscheln, Stirnbänder aus Hundezähnen, Armbänder aus Samenkernen, Schildpattstücken, Muscheln, Fußschmuck aus Strohgeslecht, Brustgehänge aus Muschelscheiben bilden den Schmuck. Dazu wird der Körper, namentlich das Gesicht, rot und weiß bemalt, Schmucknarben sind allgemein üblich, ebenso das Schwarz­färben der Zähne, während die Eberhauer, die als die wertvollsten Schmuckstücke gelten,