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Die Schutzgebiete in der Südsee.
Firmen, die keine eignen Häuser auf den Inseln hatten, veranlaßten die Reichsregierung, die Selbstverwaltung der Jaluitgesellschaft mit dem 1. Oktober 1905 aufzuheben. Dadurch sind die für die Kolonie aufzuwendenden Kosten gestiegen. Im Jahre 1908 beliefen sich die Einnahmen der drei Kolonien in Mikronesien zusammen auf 777,300, die Ausgaben auf 761,800 Mark ^12, i908/os; i?). Seit dem 1. April 1906 sind die Marshallinseln kein selbständiges Verwaltungsgebiet mehr, sondern an die Karolinen angegliedert und dem Gouverneur in Herbertshöhe unterstellt.
lz) Die einzelnen Atolle des Archipels.
In der Ratakreihe liegt das südlichste Atoll Narik (Narikerik oder Knox- inseln) südöstlich des Schnittpunktes von 172° östl. L. und 6° nördl. Br. Sein kleines, wie ein schmales Oval geformtes Riff trägt auf seinein südlichen Teil eine Reihe von kleinen Inseln und enthält im Nordwesten eine sehr seichte Durchfahrt in die Lagune. Dauernd bewohnt war und ist Narik nicht, wurde bis zum Orkan von 1905 jedoch zeitweise von 60— 80 Menschen besucht, die Kopra ernteten und fischten ^67, Blatt 3». 68, Blatt 28. IM. Wenig nordwestlich von Narik erstreckt sich das viel größere Mile (MM, Mili, Meli oder Lord- Musgrave-Jnseln) jM, Blatt 23.125. IM (s. Taf. 24, Bild 1) fast in der Form eines Rechtecks von Osten nach Westen. Bon den sehr zahlreichen kleinen Inseln, die auf seinem Riff liegen, sind Mile an: Westende und Lukunor im Süden die wichtigsten. Im Westen, Süden und Osten ist das Riff geschlossen, dagegen sichren im Nordosten drei, im Nordwesten zwei Durchfahrten (der Reiher- oder Zufluchthafen mit 42 m Wassertiefe und der Rheinhafen) in die Lagune. Vor der Reiherdurchfahrt liegt in der Lagune die mit einer Handelsstation besetzte Insel Enkor oder Elingenjor. Die Lagune hat bis zu 50 irr Wassertiefe. Am Sudrande des Riffs befindet sich eine tiefe Fahrrinne, am Ostende springen Bänke weit ins Meer vor. Bis 1905 war Mile, dessen gesamte Landfläche etwa 10 ^Km beträgt, von 700 Menschen bewohnt, die alle auf den südlichen, westlichen und östlichen, reich mit Kokospalmen bestandenen Eilanden lebten, während die nördlichen Inseln meist unbewohnt und nur mit Busch bewachsen waren. Bei einem großen Dorf auf Mile befand sich die Niederlassung der Bostoner protestantischen Mission; der Oberhäuptling wohnte in Lukunor. Durch den oben erwähnten Taifun von 1905 ist jedoch die Inselgruppe furchtbar verwüstet worden. Eine Menge Menschen fanden durch ihn unmittelbar den Tod, und da auch die Kokospalmenbestände vernichtet waren, so brach trotz mancher Hilfeleistungen bald eine Hungersnot aus, der in der ersten Hälfte des Jahres 1906 weitere 50 Menschen erlagen jiM. Die Zählung von 1908 ergab nur noch 482 Bewohner.
Die beiden Atolle Arno undMajuro 1^67, Blatt so. 68, Blatt 28. 125. 128. W liegen zwischen 6° 50' und 7° 15' nördl. Br. und zwischen 171 und 172° östl. L. Wie bei Mile und Majuro erhebt sich auch bei Arno (Arnho, Daniel und Pedder) die Südwestseite des Riffs in ziemlich zusammenhängender Linie über den Meeresspiegel, während auf die Nordostseite nur einzelne Landbrocken aufgesetzt sind, die mehrere Durchfahrten in die 30—58 m tiefe Lagune zwischen sich frei lassen. Die Nordost- und die Nordwestecke des etwa rechteckigen Atolls sind weithin nach Ostnordosten und nach Norden ausgezogen und umschließen selbst wieder kleine Lagunen. Das ganze Atoll ist reich an Kokospalmen und mit 1286 Einwohnern verhältnismäßig gut besiedelt (43 auf 1 <^m). Die Hauptdörfer liegen auf den langen, schmalen Inseln des Südrandes, wo Ine im Südosten der Sitz zweier