Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
382
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Südwestnsrikci,

Wir müssen dabei aber stets fest im Auge behalten, daß wir Weiße dieses Ziel nicht aus eigener Kraft allein erreichen werden, daß wir bei unserer Arbeit die wertvollste wirt­schaftliche Hilfsquelle des Landes, seine Eingebornenbevölkerung, nicht entbehren können. Ein Farmer kann ohne Eingeborne einfach nicht wirtschaften, und ein Bergwerk mit weißen Arbeitern würde den Gewinn völlig in Frage stellen. Die Zeiten, da man im Eingebornen auch zu Friedenszeiten nur ein Hindernis kolonisatorischen Fortschrittes sah, sind auch in unserem Schutzgebiet der Erkenntnis seiner Unentbehrlichkeit gewichen.

13. Dcrs WerHättnis öer iveißen KuLtur zur eingebornen

Wevö'LKerung

gewinnt von diesem Gesichtspunkt aus erhöhtes Interesse:

a) Betrachten wir die Eingebornen nach ihrer Bewertung als Kulturfaktoren im Schutzgebiet, so scheidet eine Rasse zunächst ganz aus: die Buschmänner. Die Vor­aussetzung jeder Kulturentwickelung, der Trieb, über das Alltagsbedürfnis hinaus etwas zu schaffen, planmäßig seine Daseinsbedingungen, und seien es die primitivsten der Er­nährung, zu sichern oder dauernd zu heben, geht dem Buschmann vollständig ab. Er ist im Laufe der Jahrhunderte mit Kulturen aller Abstufungen in Berührung gekommen, im Kampf mit ihnen ist ihm das Messer oft genug an die Kehle gesetzt worden, den Kampf haben unermüdliche Missionare ihm ersparen und ihn schützend als bescheidenstes Glied einer zivili­sierten Gemeinschaft anschließen wollen, der Buschmann ist ihnen immer wieder davon­gelaufen. Wohler als im gemauerten Haus bei vollem Topf und geregelter Arbeit ist ihm draußen im Sandfeld hinter einem Windschirm dünnblätterigen Dorngesträuchs, wenn er nur frei ist. Mit solchen Menschen können Kolonisten nicht rechnen; man läßt sie leben, solange sie wenigstens keinen Schaden anrichten. Wo sie diese Forderung aber nicht erfüllten, hat man sie wie Raubwild abgeschossen. Der Gedanke ist erwogen worden, den Buschmann als letzten Überrest aus der Urzeit des Menschengeschlechts in Reservaten zu erhalten, wie man anderweit aussterbende Tierarten der Nachwelt zu retten sucht. Man wird sich aber den Luxus nicht leisten können, die dazu nötigen Areale Land mit allem, was auch der Mensch dabei zur Erhaltung der Spezies ohne Inzucht fordern muß, brach liegen zu lassen.

d) Ungleich höher, obgleich körperlich und sprachlich ihm näher verwandt als irgend­ein anderer südafrikanischer Volksstamm, steht über dem Buschmann der Hottentott. Er sah sehr bald, was jener nie fühlte: welche gewaltige Förderung die eindringende Kultur ihm brachte. Die Feuerwaffe in seiner gelehrigen Hand, vor seinem scharfen Auge machte ihn zum gefürchtetsten Feind bei allen Eingebornen; Alkohol, Tabak und Kaffee boten ihm bald unentbehrliche Genüsse. Die Händler brachten mit ihren Waren in Mengen ungekannte Bequemlichkeiten; in der Mission fanden die Stämme überlegene Berater; in der deutschen Herrschaft sahen sie und mußten sie, solange sie ihnen nachgab, eine Bundesgenossenschaft sehen, die ihnen und vor allem ihrem Kapitän Würde und materielle Vorteile einbrachte. Aber die Gegenleistungen blieben aus. Unbegrenzter Leichtsinn, im Gegensatz zum Herew starke Verwahrlosung des ökonomischen Sinnes bei der Pflege und Vermehrung des Viehes, ihres wertvollsten Besitzes, machte die Hottentotten unfähig, die Konkurrenz mit den immer fester Fuß fassenden Kolonisten aufzunehmen. Was sie hierbei einbüßten,