Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
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Züdw^stnfrikci.

gewöhnlichen geschwänzten Drachen, wie sie minder steigen lassen. Ein Ochsenwagen sührt die zentnerschweren eisernen Gasflaschen, die Benzinfässer und alle Reserveteile, dazu Trink­wasser, Proviant und das notwendigste Gepäck mit. Die elektrischen Wellen, die in be­stimmten, dein Morsealphabet entsprechenden Unterbrechungen in das Kabel geschickt werden, pflanzen sich in der trockenen Lnft der südafrikanischen Savanne weit besser fort, als die auf heimischen Erfahrungen begründete theoretische Berechnung erwarten ließ. Der im süd- westafrikanischen Betrieb gewählten Stärke der elektromotorischen Kraft und der genannten Kabellänge entsprechend rufen die Wellen noch in 200 Icm Entfernung im Kabel derEmpfcmgs- station deutlich registrierbare Welleu hervor; ein kurzer Funkspruch ist sogar 34V lcm weit unver- stümmelt gegeben worden. Am 24. August wurde ein Fnnkspruch von 462 Wörtern in 3 Stun­den und 10 Minuten vom Sitz des Hauptquartiers in Berseba nach Auros (85 Km) gegeben.

^. Die Hebung der natürlichen Schätze des Landes.

a) Gro ß werte, hinter denen aller übriger Gewinn zurücktritt, produziert die Viehzucht und der Bergbau Südwcstafrikas.

«) Viehzucht. Die Natur des Damara- und des Groß-Namalandes als erstklassiger Vichzuchtgebiete war zwar schon zur Zeit der Okkupation von den Weißen draußen erkannt worden, aber weit gewinnbringender als die Zucht selbst war wenigstens im Hererolande zunächst der Handel mit dein Vieh der Eingcbornen. Der Herero gab Zuchtkühe nur äußerst widerwillig ab: es hätte auch einiger Jahre gerade damals noch entbehrungsreichen Wartens bedurft, ehe die Nachzucht verkaufsreif geworden wäre. Da war es im allgemeinen ratio­neller, aus dem Überfluß der Hcrerorinderherden zu schöpfen, so tief man konnte. In zwei­facher Richtung brachte das hohen Gewinn: ein gutes Ochsengespann (das Zugtier zu dem lächerlichen Preis von 60 Mark erworben) warf dem Frachtfahrer, der dem Weißen im Lande die Lebensmittel anfuhr, reichliche Zinsen ab und förderte ihm selbst die Waren hinauf, deren er zum Einkauf neuer Riuder bedürfte. In deren Weiterverkauf als Schlacht­vieh innerhalb und außerhalb des Landes, besonders im Export in die Minengebiete des Kaplandcs, lag eine zweite Quelle des Reichtums. So verlockend dieser Viehhandcl mit den Eingcbornen war, so waren doch im Laufe der Jahre eine ganze Anzahl deutscher Än siedler dem Beispiel der Buren gefolgt und hatten selbst Rinder und Kleinvieh zu züchten angefangen. Die Rinderpest erhob diese Anfänge im Jahre 1897 zur allein aussichtsvollen Grundlage des weißen Wirtschaftslebens, denn sie vernichtete die Rinderherden der Herero bis zu 95 Prozent, brachte also die ehedem so reich fließende Quelle des Viehhandels mit den Eingcbornen zum Versiechen. In den Herden der weißen Ansiedler dagegen wütete die Pest weit weniger vernichtend, weil hier Schutzimpfungen ihr doch etwas Einhalt ge­boten. So wurde nach dem Rückgang der Pest die Rinderzucht in der Hand des Weißen notwendig und lohnend zugleich, notwendig, weil ohne Zugvieh die ganze Proviantiernng des Binnenlandes lahmgelegt worden wäre, und lohnend, weil mit der Beseitigung des Rinderüberflusses der Eingeboruen die Viehpreise jetzt auf das Drei- bis Vierfache stiegen.

Dann folgte eine Zeit, in der es schien, als würden die Herero, für die man eine Hungersnot fürchtete, doch wieder zu Rinderwohlstand kommen. Das überlebende Vieh mr von den Häuptlingen so geschickt im Lande verteilt worden, daß allenthalben guter Nach­wuchs gedieh. Da erfolgte der große entscheidende Stoß, der auch den letzten vielleicht noch zögernden Weißen im Lande vom Händler mit eingcbornem Vieh zum eigenen Viehzüchter