Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
361
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IS. Die weiße Bevölkerung und ihre Kultur.

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Hottentotten, seit 1844 unter den Herero, seit Anfang der 1890er Jahre auch unter den Ovambo; im Ambolande bereitet die sinnische Mission seit 1870 den Boden für die Zivili­sation vor; ihre tiefgründigen Erfahrungen werden hoffentlich als Richtlinie zur Beurteilung der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Maßnahmen bei der Erschließung des Nordens nutzbar gemacht. Die katholische Missionsgesellschaft derOblaten der heiligen und un­befleckten Jungfrau Maria", die erst seit 1896 nach Deutsch-Südwestafrika kam, tritt numerisch zurück, zeichnet sich aber dadurch aus, daß sie trotz ihres jungen Alters mit der doppelten Zahl von Missionsfarmen und Handwerkerschulen die evangelische Mission überflügelt. Auch mit der Errichtung eines Krankenhauses in Swakopmund und einer Schule für Weiße in Windhuk hat sie ihren Einfluß fester begründet, als Seelsorge allein es vermag.

15 Ärzte praktizieren. Der Rest der erwachsenen männlichen Bevölkerung zersplittert sich in seiner Tätigkeit.

Ein empfindlicher Notstand in der Zusammensetzung der weißen Bevölkerung Süd­westafrikas ist der Mangel an Frauen. Bon den 8010 erwachsenen Männern sind 6690 ledig, in ihrem Haushalt also, wenn sie sich nicht den Luxus eines afrikanischen Gasthaus­lebens erlauben können, meist auf eingeborne Diener und Weiber angewiesen, mit einem Niedergang der Wirtschaft und einem Aufblühen von Bastardnachkommen als häufigster Folge. Was auf der anderen Seite die Gründung einer Familie auf heimatlicher Grund­lage für die Eroberung eines Siedelungsgebietes, wie es Südwestafrika darstellt, bedeutet, zeigt das Beispiel der ersten südafrikanischen Kolonisatoren: Der Bur hat ganz Südafrika erobert, mag auch die Frucht seiner 200 Jahre langen Kämpfe England gepflückt haben. Vom Kap der Guten Hoffnung bis in die Tropen hinein seine Farmen vorzuschieben, setzt wohl Zähigkeit, spartanische Genügsamkeit, robusten Körper und Bescheidenheit geistiger Bedürfnisse voraus; aber einen Besitz zu erwerben, ist für diese Kulturpioniere meist leichter gewesen, als ihn zu halten. Was hat selbst den Bur mit den edelsten Namen seines altfranzösischen Adels, mit holländischen Patriziernamen, die Wohlstand und Geistes­kultur im Blute ahnen lassen, in der südafrikanischen Wildnis gehalten? Südafrika ist seine zweite Heimat geworden, weil er dort seine Familie begründete, weil er'wußte, daß er sür eine Generation arbeitete, die mit der Scholle verwachsen ist. Die Familie hat ihm auch sein Volkstum, die Wurzeln seiner Kraft, erhalten. Das ist auch unseren Landsleutcu, besonders denen auf einsamer Farm, zu wünschen. Deshalb ist den Bestrebungen der Deutschen Kolonialgesellschaft und ihres Frauenbundes, die Übersiedelung von Frauen und Mädchen nach Deutsch-Süd Westafrika zu fördern, aller Erfolg zu gönnen. Die Kolonialschule in Witzenhausen sorgt für die wirtschaftliche Vorbildung der Ausziehenden, und wenn ein Mädchen draußen ihr Amt oder ihren Dienst mit einem eigenen Herd vertauscht hat, dann öffnet sich ihr in schwerer Stunde das Elisabethhaus in Windhuk, daß sie hier Mutter werde.

Im ganzen leben in unserem Schutzgebiet 1826 Erwachsene weiblichen Geschlechts, davon 506 Ledige und Witwen, die zum größten Teil (441) in häuslichen Diensten, zum kleineren als Lehrerinnen (13), Pflegeschwestern (24) oder im Dienste der Mission (28) arbeiten. 950 Knaben und 1005 Mädchen bilden den Nachwuchs im Laude.

L. Die Organisation des Zusammenlebens der Weißen

im Schutzgebiet gründet sich auf dem Gebiete der Verwaltung auf die Einteilung des Landes in Bezirks- und Distriktsämter, die nur jm Ambolande und im Caprivizipfel als

Das Teittichs Kolonialreich. II. 18