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Südwestafrika.
4. Die Gierrvett.
Maßgebend für die Zusammensetzung der Tierwelt in Deutsch-Südwestafrika sind hauptsächlich folgende Faktoren.
Der Formationsaufbau der natürlichen Hauptlandschaften wird uns lehren, wie tief umwälzende Veränderungen seit alters über den Teil der Erde gegangen sind, den wir hier zu betrachten haben. Sie im Zusammenhang von den ältesten Zeiten ab zu überblicken, wird wohl nie gelingen, nur die letzten Phasen lassen sich rekonstruieren: Schwerwiegende Gründe ^117^ sprechen dafür, daß in der jüngeren Tertiärzeit auf Landbrttcken, die Afrika mit Europa einerseits, mit Asien anderseits verbanden, die Stammeltern der heutigen afrikanischen Charakterfauna eingewandert sind. Wie sich seitdem speziell im äußersten Süden und Südwesten die Gattungen spezialisierten und mit älteren Relikten zur heutigen Fauna zusammenschlössen, kann hier nicht zu entwirren versucht werden. Aus der posttertiären Erdgeschichtsperiode siud uns nun durch zahlreiche Beobachtungen, besonders im nördlichen Kalaharigebiet, Klimaänderungen bekannt geworden, die auf die Verbreitung der Tierwelt auch Deutsch-Südwestafrikas grundlegend eingewirkt haben müssen. Wie auf der nördlichen Halbkugel Glazial- und Jnterglazialzeiten abwechselten und die Grenzen der Tiere über weite Gebiete Europas hin und her schoben, so werden in Südafrika Pluvial- und Jnter- pluvialzeiten f69^ dieAreale der Fluß- und Sumpfbewohner mehrfach gegen die der Steppen- und Wüstenfaunen verrückt haben. Die Forschung ist noch weit entfernt, diese wechselvollen Bilder im einzelnen sich veranschaulichen zu können; so begnügen wir uns hier damit, die heute tätigen Faktoren in ihrer Wirkung auf die Verteilung der Tierwelt unseres Schutzgebietes kurz zu betrachten. Da ist es zunächst ohne weiteres verständlich, daß eine ganze Anzahl von Säugetierarten direkt an die Grenzen bestimmter Vegetationsformationen gebunden ist. So ist es nicht wunderbar, daß die Giraffe, die in blühenden Rivieren des Kaokofeldes anzutreffen ist, die Namibwüste meidet. Wo anderseits gewisse Futtergräser über weite Gebiete hinweg gedeihen, da finden wir Antilopen, wie den Springbock, im äußersten Osten des Kalahari - Innern sowohl als im äußersten Westen in unmittelbarer Meeresnähe, im Kapland wie in den Alluvialebeneu um den Ngamisee.
Vorbedingung für jede einwandfreie Beurteilung einer tiergeographischen Erscheinung auf unserem Gebiet ist ferner eine genaue Kenntnis der Orographie der einzelnen Lebensbezirke. Das Fehlen dieser oder jener Tierart in bestimmten Bezirken findet in vielen Fällen in dem Mangel des erforderlichen Bodenreliefs, an das diese Tiere gebunden sind, eine so einfache Erklärung, daß jede weitere Spekulation sich erübrigt. So geht der Pavian als Felsenbewohner ostwärts nicht über das Kaotofeld hinaus, weil er im Flachsand, der von da ab die Landschaft beherrscht, eben nicht leben kann. So hat auch noch niemand die sumpfbewohnenden Antilopen des Okawangogebietes in der Omaheke gesehen (so eng angeschlossen auch beide Landschaften in der Zugehörigkeit ihrer Rinnsale zur indischen Abdachung der Kalahari sind), denn der Okawango führt dauernd fließendes Wasser, im „Oberlauf" des Epukiro und Eiseb dagegen verdurstet man.
Endlich ist die Kenntnis der Abhängigkeit der Tierarten voneinander unbedingtes Erfordernis für das Verständnis der Tierverbreitung in Südwestafrika. Formen einer so exquisiten Anpassung an Ameisen- und Termitennahrung, wie es das große Erdferkel ist, finden in dem Vorkommen dieser Tiere die Grenze ihrer eigenen Verbreitung.