I. Überblick.
1. Die WeMcrge öes westlichen SüöcrfriKct unö öie Erschließung öes Schutzgebietes.
^. Erste Entdeckungen.
Südwestafrika gehört zu den spätest erschlossenen Landern am Südende der Alten Welt. Als Glied des Landkeiles, der die Grenze zwischen dem Atlantischen und dem Indischen Ozean bis zum 35. Breitenparallel auf der Südhalbkugel vorschiebt, hilft es den Wall auftürmen, der dein Handel der Mittelmeerländer mit den: Orient jahrtausendelang den Seeweg versperrt hat. Der Wunsch, dieses Hindernis zu umschiffen, ist uralt. Ihm entsprang Wohl im 6. Jahrhundert v. Chr. der Befehl Nechos von Ägypten an die Phönizier, Afrika zu umsegeln; ob der Befehl ausgeführt wurde, wird vermutlich immer im dunkeln bleiben. Aber die Phantasie der Alten hielt Jahrhunderte hindurch den Weg von den Säulen des Herkules zum Indischen Ozean offen: Eratosthenes und Strabo glaubten fest an die Möglichkeit einer südlichen Umsegelung Libyens. Wenn auch später im Weltbild des Ptolemäus Südafrika, ins Ungemessene verbreitert, in der Riesenbrücke der „tens. ürooZwtg." ostwärts bis zu den Gangesländern ausgezogen wird, und der Indische Ozean, als Binnenmeer gezeichnet, jede Hoffnung einer südlichen Einfahrt abschneidet, — der Glaube des Mittelalters knüpft doch nicht an den gefeierten Alexandriner, sondern an jene älteren Gewährsmänner an.
So läßt Marino Sanuto s47j im Jahre 1306 Südafrika frei im Ozean enden, gibt sogar dem unentdeckten Landende schon dreieckige Gestalt. Die Genueser und Florentiner Karten des 14. und IS. Jahrhunderts zeigen dasselbe Bild; und die Weltkarte, die 1459 Fra Mauro entwarf, gibt der Südspitze dieses Dreiecks, das als äußerste Insel vom Festland abgetrennt wird, den ersten, in seinem Ursprung dunkeln Namen: Capo di Diab. Mag das indische Schiff, das dieses rätselhafte Vorgebirge im Jahre 142V berührte, in der Tat um das Südende Afrikas gesegelt sein, jenseits sand es jedenfalls kein Land; denn die Chronik sagt, daß es umkehrte, ohne „die Inseln der Amazonen" gefunden zu haben.
Nicht von Osten, sondern von Westen aus glückte das Wagnis, Europa mit Asien zur See zu verbinden. Die Handelseifersucht der Venezianer und Portugiesen wurde das treibende Motiv. Venedigs Flotte nahm in Alexandria in Empfang, was von der Ostküste Vorderindiens in den Nordzipfel des Roten Meeres verschifft, von hier auf Kamelen nach Kairo, von da in Booten nilabwärts zur Küste verfrachtet wurde. In Portugal aber lebten mit Johanns II. Thronbesteigung die Pläne Heinrichs des Seefahrers wieder auf: den Handel Venedigs mit der Eröffnung eines direkten Seewegs nach Ostindien lahmzulegen.