Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Südwestafrika.

betraut wurde. Seine Landung in der Tafelbai mn 6. April 1652 bezeichnet den Anfang der Kulturgeschichte für das ganze westliche Südafrika und damit auch für unser Schutzgebiet.

(!. Die erste Besiedelung unseres Schutzgebietes.

a) Während am Kap von der Mitte des 17. Jahrhunderts an die Kolonisation, von einem Zentrum ausstrahlend, stetig und zielbewußt ein Hindernis nach dem anderen nahm, blieb das Land nördlich des Oranje noch lange unberührt. Wer hier von Süden her ein­dringen wollte, mußte die Durststrecken des heutigen Klein-Namalandes und des Groß­buschmannlandes überwinden, und damals waren in dieser Zufluchtsstätte räuberischer Ein- gebornenhorden noch keine Brunnenlöcher zu finden. Im Osten war unser Schutzgebiet, so wie es heutigentags noch ist, von: endlosen Sandfeld der Kalahari gegen die übrige Welt abgeschlossen. Den tropischen Norden aber verschanzten am Kunene kriegerische Neger­stämme und die Fieber der Überschwemmungszeit.

So blieb allein der Westen übrig. Die Hindernisse dort, der Nebel und die schwere Brandung unserer südwestafrikanischen Küste wurden am ehesten überwunden, und Fischer wareu die Pioniere, die unser Schutzgebiet erst vorübergehend, dann seßhaft besiedelten.

Wir verstehen hier unter Fischerei nicht nur den Fischfang, sondern den Ertrag alles dessen, was das Meer unmittelbar und mittelbar dem Menschen bietet. Die Wale, die schon zu van Riebeecks Zeiten als regelmäßige Wintergäste der Buchten Südafrikas bekannt waren, wurden gegen Ende des 18. Jahrhunderts von Engländern und Amerikanern um so eifriger gejagt, als den ansässigen Holländern am Kap selbst von den Direktoren der Ostindien­kompanie der Walfang damals untersagt und später nur unter so erschwerenden Bedin­gungen freigegeben wurde, daß sie die Konkurrenz mit den Fremden nicht aufnehmen konnten. Die Sorge, mit der Gründung abgelegener Stationen lästige Schutzverpflichtungen sich aufzubürden, und die von ihr diktierte Verordnung, der Walfang der Holländer sei auf die Tafel- und Falsebai zu beschränken, gab den Fremden freies Feld. Fremde Walfänger lagen besonders nördlich vom Kap, in der St. Helenabai, gelegentlich zu 20 auf einmal beisammen; in einem Jahre allein (1788) wurden 36 englische und 6 amerikanische Schiffe mit Waltran voll befrachtet.

Auch über die Oranjemündung hinaus, also in unseren deutsch-südwestafrikanischen Küstenstrich hinein, reichte der Walfang. Er gab der Walfischbai, die schon die Portugiesen die Bahia das Baleas nannten, den Namen, und wie hier, so tummelten sich um die Riffe der Insel Jtschabo und um Hollams Vogelinsel wie in der Spencerbai dieLeviathcme des Ozeans". Wenn dann auch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts infolge eines starken Sinkens der Tranpreise und des Wegzugs der beunruhigten Tiere die Walfänger all­mählich verschwinden, der Reichtum des Meeres an Pelzrobben zog doch immer mehr Schiffe, hauptsächlich unter englischer und amerikanischer Flagge, an unsere unwirtliche Küste.

Doch was der Küste Deutsch-Südwestafrikas die erste ansässige Bevölkerung gab, waren nicht die Säuger, sondern die Vögel des Küstenmeeres, die noch heute, da ihre Artgenossen am Kap längst bis auf kümmerliche Reste ausgerottet sind, auf den Inseln im Norden ihre alten Nistplätze ungeschmälert innehaben. Dort hatten sie, seit Urzeiten ungestört brütend, Guano in meterdicken Schichten aufgehäuft. Die Mitteilungen des amerikanischen Kapi­täns Morrell s64), der Ende der zwanziger Jahre unsere Küste erkundete und die Guano­felder entdeckte, bewogen unter Vermittelung eines Liverpooler Unternehmers, Andrew