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Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
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Süd Westafrika.

Die Westküste Afrikas wurde der große Wegweiser, in seiner Richtung mußte doch am sicher­sten das Ende der Mauer zu finden sein, die das Westmeer vom Ostmeer trennte. So steuer­ten die portugiesischen Seefahrer zuversichtlich südwärts und errichteten mit Steinpfeilern und Kreuzen auf vorspringenden Küstenfelsen Denkmäler ihrer Kühnheit.

Mit zweien solcher Punkte taucht auch die Küste Deutsch Südwestafrikas aus dem Dunkel der Vorgeschichte s^lll): Am Nordende der jetzt verschwundenen Sierrabai, nördlich der Swakopmündung, stellte Diogo Cäo im Jahre 1485 das Kreuz auf, das dem heutigen Kap Croß den Namen gegeben hat. Und weiter südlich, am Westgipfel der breiten Fels­zunge, die die stille Lagune der Lüderitzbucht (Angra Pequena) vor der Brandung des offenen Ozeans schützt, stand bis vor hundert Jahren ein steinerner Pfeiler mit dem Eisen­kreuz, das Bartholomäus Diaz im Jahre 1487 als sein erstes Landungszeichen an der südwestafnkanischen Küste aufrichtete (s. TafelDer Dicizfelsen bei Lüderitzbucht"). Diaz segelte von hier weiter nach Süden: Sturm und schwere See hielten ihn weit ab vom Lande, und als er nach 13 Tagen, die Küste suchend, den Kurs nach Osten nahm, lag vor ihm offenes Meer. Da wußte er, daß er das Südende Afrikas umsegelt hatte. Mit dieser frohen Gewißheit, aber schweren Herzens dem Druck der Mannschaft nachgebend, trat er die Rückreise an. Er sichtete nun auch die Halbinsel, die seine Einfahrt in die indischen Gewässer flankiert hatte, landete auf ihr und nannte die Spitze, von der ihn hinwärts der Sturm weit außer Sehweite gehalten hatte, dasKap der Stürme". Seinem König aber, Johann II. von Portugal, hat die Geschichte recht gegeben, daß er dem Cabo Tormentoso den Namen des Cabo de Boa Esperanxa gab: das Kap der Guten Hoffnung wurde im Laufe der folgenden Jahrhunderte der Ausgangspunkt einer langsam, aber mit unaufhalt­samer Hoffnungsfreudigkeit vordringenden Erschließung des dunklen Erdteils von Süden her. Von hier aus drang zuerst die Kultur auch in unser Schutzgebiet.

ö. Das Kapland als Ausgangspunkt südafrikanischer Kolonisation.

Das neuentdeckte Land blieb lange Zeit nur Durchgangsstation für den Ostindien­handel. Nachdem es Vasco da Gamas unvergleichlicher Führergabe und eiserner Energie geglückt war, auf dem von Diaz gewiesenen Weg seine Flotte bis Indien zu führen (Lan­dung in Calicut im Mai 1498), folgten sich schnell weitere portugiesische Expedi­tionen und bezeichneten rings um die Südspitze Afrikas ihren Weg mit Entdeckungen, die für die spätere Kolonisierung des Landes und sür das politische Bild, wie es heute die Nach­barschaft unseres Schutzgebietes aufweist, entscheidend wurden.

An der Westküste, die uns hier in erster Linie interessiert, hatte schon Vasco da Gama im November 1497 in der St. Helenabai Anker geworfen und am nahen Bergriver (Sao Thiago) seine Wasserfässer aufgefüllt. Nachdem man aber einmal die geographische Breite des Vorgebirges der Guten Hoffnung ungefähr kannte, näherte man sich diesem Ziele immer direkter. So blieb die öde Westküste nördlich der Helenabai bis in den Bereich unseres heutigen Besitzes unerforscht in ihren Nebeln liegen, und immer reicher gliederte sich die sonnigere Südspitze auf der Karte. Antonio de Saldanha, der den Auftrag hatte, bevor er nach Indien selbst sich wandte, am Eingang des Roten Meeres alle arabischen Handelsschiffe zu kapern, ward 1503 noch im Atlantischen Ozean durch Stürme von seinen zwei Begleit­schiffen getrennt, irrte allein um das Kap der Guten Hoffnung, bis er in einer Bucht guten Ankerplatz und Trinkwasser fand. Dem Berg, den er erkletterte, um sich zu orientieren,