6. Die Bevölkerung.
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wurden, in der Erinnerung festzuhalten. Auch die Volkszählungen in Dörfern, die von unserer Regierung erhoben worden sind, sind zum Teil mit Hilfe von Maiskörnern ausgeführt worden. Die Tagesstunde bestimmt man nach dem Sonnenstand; die Zeit, die man braucht, um eine bestimmte Wegstrecke zurückzulegen, berechnet man nach der Dauer, die man zu einer Mahlzeit braucht: der Weg ist soundsoviel Mahlzeiten lang.
Bei den Ewe beginnt das Jahr im September mit der Aussaat der Dams sD. K. Z. i9os; 133^. Einzelne Jahre werden nach bestimmten Ereignissen in der Erinnerung festgelegt und danach die Zahl der verflossenen Jahre bestimmt, so z. B. das Lebensalter der Menschen abgeschätzt. Die Woche hat gewöhnlich sechs Tage, der Monat vier Wochen, das Jahr zwölf Monate, dem Mondwechsel entsprechend.
Von Wissenschaften kann man in Togo kaum reden. Eine Schrift kennt nur der Mohammedaner, nämlich die arabische, und wenn auch eine ganze Anzahl von Leuten Arabisch schreiben und den Koran lesen kann, so dürfte doch von der Kenntnis arabischer Wissenschaft in unserem Gebiet kaum die Rede sein. Dazu ist der Islam viel zu wenig in das Volk eingedrungen.
Kulturregionen in Togo.
Vergleichen wir die in Togo gefundenen Kulturverhältnisse mit den großen in Westsudan und Oberguinea gefundenen Kulturschichten (s. Kärtchen 12 der Beilage bei S. 56), so sehen wir den auffallendsten Gegensatz zwischen Nordtogo einer- und Mittel- und Südtogo anderseits. Im Norden tritt uns eine primitive Kultur entgegen, die hier als primi- tiveSudannegerkultur zusammengefaßt sei. Sie ist höchstwahrscheinlich nicht einheitlich, sondern setzt sich aus mehreren uralten Kulturschichten zusammen, wie z. B. aus der nigritischen, der westpapuanischen und der melanesischen Kultur. Jedenfalls wird sie charakterisiert durch das Kegeldachhaus, primitive Bekleidung, wie Nacktheit, Penisfutterale, Blätterbüschel, Rückenfell, Schamtücher aus Fell und Leder, ferner durch Musikbogen, Flöten, Beile mit eingelassener Klinge, Bögen mit HoKarxs-Besehnung sL. E. 41; 773^. Dazu kommen Lippendurchbohruug und Zcchnfeilung. In Politischer Beziehung ist Kleinstaaterei charakteristisch. Jede Familie oder Sippe wohnt für sich in Einzelhöfen.
Auf viel höherer Stufe steht die Kultur des westafrikanischen Kreises. Aus den für ihn charakteristischen Elementen sind in Südtogo zu finden: Giebeldachhaus, Holztrommel, Valiha, Rindenstoffe, Fasergeflechte, mit dem Webstuhl hergestellte Palmfasergewebe, die Trommelsprache und vielleicht auch das ausgebildete Fetischweseu mitGift- ordal, Gottesurteilen, Menschenfiguren, Maskentänzen und Geheimbttnden. Die Staatswesen sind im allgemeinen nicht groß, wohl aber sind aus Giebeldachhäusern bestehende große Dörfer mit Straßen, in denen mehrere Sippen wohnen, häufig oder die Regel.
Im mittleren Togo stoßen beide Kulturzonen zusammen, namentlich im Bereich der mittleren Zone, wo die von der Küste ins Hinterland gedrängten Völker, gegen die aus Norden andrängenden prallend, herumgewirbelt wurden. Das quadratische Haus mit Kegel- oder Pyramidendach und Mischung der oben genannten Kulturelemente sind für diese Region charakteristisch. Später ist das ganze Gebiet durch die vom oberen Niger stammende Garamantenkultur beeinflußt worden. Nur einzelne Elemente derselben sind hier oder dort aufgenommen worden, und zwar sowohl im Bereich der hochstehenden westafrikanischen Kultur, als auch namentlich bei den primitiven Sudannegern. Bei den letzteren sind wahrscheinlich die Tambermaburgen, die Spannringe und Spannmesser in