Teil eines Werkes 
Bd. 2 (1910) Togo, Südwestafrika, Schutzgebiete in der Südsee und Kiautschougebiet / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
Seite
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Togo.

gewissen Teil für sich nehmen dürfen, oft ein glückliches Familienleben führen und selber Sklaven besitzen. Nicht selten werden freie Leute eines Stammes wegen Verbrechen oder unüberwindlicher Faulheit zur Strafe verkauft ID. K. Z. 5; Groß ist auch die Zahl der Schuldsklaven, d. h. von Leuten, die wegen Schulden zu Sklaven gemacht werden, bis sie diese getilgt haben. Im allgemeinen ist die Sklaverei sehr mild. Sklavinnen werden nicht selten von den Freien geheiratet, ihre Kinder werden bei manchen Völkern frei. Es liegt also kein Grund vor, mit scharfen Mitteln gegen diese althergebrachte soziale Institu­tion vorzugehen, wohl aber gegen den Sklavenhandel, der früher in großem Umfang be­trieben wurde.

Eine besondere soziale Stellung besitzen die Fulbe, die als freies Volk, oft aber von den übermütigen Heiden unterdrückt und beraubt, mit ihren Herden in den Gebieten nördlich der Linie Sokode-Bassari umherwandern. Als eine Klasse von Leuten für sich seien auch die zahlreichen mohammedanischen Händler erwähnt, die sich im Lande niedergelassen haben oder von Markt zu Markt ziehen und meistens aus den Haussaländern oder vom Niger stammen, und ferner die Sab ermareit er s^15; sog), eine mohammedanische Söldner­truppe von Sah am Niger, die geradeso wie bei uns in früheren Zeiten die Landsknechte in die Dienste dieser oder jener kriegführenden Partei gegen Bezahlung eintraten. Auch die deutsche Truppe hat sie einmal beim Zuge gegen die Kabure sich als Bundesgenossen angeworben Mob. 77; 282). Der Bassarikönig verwendete sie im Kampfe gegen Kabu. Jetzt sind sie zum größten Teil angesiedelt worden.

Ein Kastenwesen wie im oberen Nigergebiet besteht nicht; vielleicht aber sind Reste davon im mittleren und südlichen Togo insofern nachzuweisen, als die verschiedenen Handwerke oft nur in bestimmten Familien oder selbst in bestimmten Dörfern ausgeübt werden. Altersklassen, die gerade unter den verdrängten Roten im Westsudan zu finden sind, werden von Smend Mob. 92; 247) aus Tamberma erwähnt; die männliche Bevölkerung soll in drei Altersklassen zerfallen.

0. Wirtschaftsformen.

Die Jagd wird im allgemeinen sehr eifrig ausgeübt, im Süden mit den sogenannten Dänenflinten, d. h. Feuersteingewehren, im Norden besonders mit Pfeil und Bogen. Alles wird heruntergeknallt, Schonzeiten gibt es nicht. Besonders werden Antilopen der ver­schiedensten Art, Wildkatzen, Leoparden, Löwen, Affen, Elefanten, Büffel, Wildschweine erlegt, von kleineren Tieren nicht zu reden. Während der Trockenzeit wird das alte Gras abgebrannt, da das junge aufschießende Grün das Wild anlockt. Im Eweland ^15; 143 ff.) scheinen die Jäger eine Art Kaste zu bilden; sie führen ein einsames Leben in abgelegenen Hütten im Busch und gelten bei der seßhaften, ackerbautreibenden Bevölkerung für faul und unbrauchbar. Ihre Ausrüstung besteht in einer geflochtenen, korbähnlichen Kopf­bedeckung, in Hüstlappen, Patronengürtel, einem Beutel für die Geschosse, d. h. Steine, Eisenstücke, gehacktes Blei; dazu kommen Amulette und Jagdfetische, für-welche besonders Büffel- und Pferdeschwänze verwendet werden. Der Jäger beschleicht nicht nur das Wild oder lauert an Wasserflächen auf Anstand, sondern legt auch Selbstschüsse durch Schnüre, die er über die Wildpfade zieht, und macht durch geknotetes Gras fremde Wanderer auf die gefährlichen Stellen aufmerksam. Daneben gräbt er Fallgruben und stellt Fallbretter auf. Höchst merkwürdig ist die Verwendung einer Armbrust als Rattenfalle in Nnjanga