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Togo.
die marokkanischen Janitscharen das Nigergebiet, bis ihrer Herrschaft durch die Tuareg ein Ende gemacht wurde. Schon Barth hob als interessante Tatsache hervor, daß bereits seit dem 15. Jahrhundert unter den Völkern des Südens, mit denen die Sonrhai zu kämpfen hatten, die Fulbe erwähnt werden; sie müssen zeitweise große Macht besessen haben. Nachdem nun im Anfang des vorigen Jahrhunderts in Sokoto der Fulbeaufstand begonnen hatte, kam es im Jahre 1816 auch im Westsudan zur Gründung größerer Fulbereiche, so namentlich des Reiches Massina. Auch Futa Djallon, das obere Senegalgebiet und im Jahre 1861 Segu wurden von den Fulbe erobert.
So finden wir denn von Norden nach Süden in den verschiedenen geographischen Zonen folgende Gruppierung der Staaten und Völker: Die Sahelregion ist das Gebiet der nomadisierenden, hauptsächlich Kamelzucht treibenden Berberstämme, die in ewigen Kämpfen mit der seßhaften Bevölkerung des Nigergebietes leben. Dann folgt nach Süden die Region der mohammedanischen Fulbestaaten, die auf dem Boden der islami- sierten Staaten der Roten, d. h. der Mandingo und Sonrhai, errichtet worden sind; sie umfaßt den größten Teil der Steppengebiete, in denen Rinder- und Pferdezucht blüht. Südlich der Fulbestaaten liegt die Zone der heidnischen oder erst nachträglich islamisierten, durch Mischung von Roten und Schwarzen Äthiopiern hervorgegangenen Völker. Zu diesen gehören im Westen vor allem die Mandingo, die eine ganze Anzahl größerer Staaten gebildet haben. Während aber die Mandingo meist den Islam angenommen haben, hat das Mossireich in viel höherem Grade die alte Kultur und Religion der Roten bewahrt. Die Existenz dieses von den Sonrhai so oft bekämpften, aber niemals vernichteten Heidenreiches ist wohl dadurch zu erklären, daß sein Gebiet besonders für die Pferdezucht geeignet ist, und der Stärke seiner Reiterei verdankt es wohl seine Unabhängigkeit. Auch die Gurma und Borgu haben sich dank ihrer Reiterei unabhängig gehalten. Allein nicht bloß zwischen den mohammedanischen Staaten im Norden und dem Heidenreiche im Süden, sondern auch unter den Heidenstämmen selbst sind unausgesetzt Kriege geführt worden, die mit der Verdrängung der schwächeren Stämme in die Gebirge und in das Waldland endeten.
Allein im östlichen Oberguinea stoßen wir aufs neue auf größere Staaten, wie Aschanti, Dahöme und Joruba, und auf höhere Kulturen, deren Ursprung zurzeit noch rätselhaft ist. So viel jedenfalls ist klar, daß sie im wesentlichen dem westafrikanischen Kulturkreis angehören, der, vom Kongobecken herkommend, sich durch Oberguinea hinzieht.
L. Die Völker Togos.
Geschichte. Die ältesten Zeugen für die Geschichte der Völker Togos sind die Steinwälle und zyklopischen Mauern, die sich in Kebu, Akposso, Ntribu, Kunja und vielen anderen Gebirgen des mittleren und südlichen Togo finden. Niemand weiß, wer sie errichtet hat; nur zuweilen sind Namen von früheren Völkern erhalten, die sie angeblich zur eigenen Verteidigung errichtet haben sollen. Im Lande der Kongkomba finden sich ferner tiefe, in den Felsen ausgemeißelte Brunnen, die angeblich Gott geschaffen hat.
Soweit wir die Geschichte verfolgen können, scheinen vier verschiedene Zonen zu existieren, von denen aus Völkerschübe erfolgten. Aus Westen und Südwesten drängten die Mandingo an, aus Norden die Mossi und Gurma, aus Osten die Borgu und Dahöme, und schließlich hat das Auftreten der Europäer und des europäischen Handels an der Küste auf die Völkerbewegungen nicht unerheblich eingewirkt.