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Neu-Mecklenburg.
Abb. 113. Gefleeht- scheina zu Körben.
Nach der Machart unterscheiden sich die Körbe zunächst in solche zu vorübergehendem und solche zu dauerndem Gebrauche. Die ersteren sind aus einem Stück Kokosblatt geflochten. Sie sind entweder viereckig mit einem runden Loch, das dadurch entsteht, daß mehrere Fiedern auseinandergedrängt werden, damit der Korb auf den Oberam gestreift werden kann (Nr. 6 und Bild S. 4 Rambon), oder laufen spitz zu und werden wie eine Mütze ohne Deckel um den Kopf getragen (Nr. 7). Die dauerhaften Körbe sind entweder aus einem flachen Rohr geflochten (Nr. 1) und zwar genau wie unsere Rohrstühle oder nach nebenstehendem Schema (Abb. 113) [Nr. 2—5]. Beide Arten werden angeblich nur von den Bergstämmen gefertigt. Durch Verwendung von naturfarbenen roten und schwarzen Fasern wird eine gefällige Färbung der kleineren Körbe erzielt, doch sind die bunten Fasern nur selten und immer nur in einer Reihe eingeflochten, so daß es nicht zu einer eigentlichen Musterung kommt.
Eine besondere Verwendung fand der Korb Abb. 110. Er diente zur Aufbewahrung von Taro und war so hoch aufgehängt, daß die Ratten von unten nicht hineinspringen konnten. Von oben war er durch eine wagerechte Schutzplatte gegen die lästigen Nager') gesichert. Die Schutzplatte ist rund und besteht aus mehreren Lagen von breiten, steifen Blättern.
In Kait jagt man Ratten auf folgende merkwürdige Art und Weise: Ein langes schmales Netz (Abb. 111) wird oben und unten an einem Stocke befestigt und so von einem Manne vor der Tür der Hütte ausgespannt. Die Ratte wird gejagt und läuft ins Netz. Der lauernde Mann schlägt das Netz über die Ratte und wickelt sie ein. Sie wird mit einem Steine erschlagen oder ins Wasser geworfen. Die Hütten und die Plätze davor werden mit Besen sauber gehalten. Die eine Art wurde als Männerbesen, 2 ) die andere als Weiberbesen (Abb. 112) bezeichnet. Der „Mänuerbesen“ besteht aus einer vielästigen, sehr festen Meerpflanze.
Dorfanlage.
Die Dörfer aller drei Landschaften haben Folgendes gemeinsam: Keines ist befestigt, keines zählt über 30 Hütten, jedes ist auf engem Raume erbaut, und alle, mit Ausnahme von Matamburr, liegen am Strande. Kalil, Balanott und Lamassa bestehen nur aus einer Zeile von Hütten, weil sich unmittelbar hinter dem schmalen Strande die aus Korallenfelsen bestehenden Berge erheben. Die übrigen Orte bilden ein unregelmäßiges Drei- oder Viereck. Auch in ihnen stehen die Hütten mit geringen Zwischenräumen beieinander und sind hart an den Strand gebaut. Diese beiden Maßregeln 3 ) sind ursprünglich wohl getroffen, um den Überfällen der Bergbewohner gemeinsam begegnen und im Notfall rasch die See erreichen zu können, wohin die seeuntüchtigen „Buschleute“ nicht zu
’) Auf Lamassa kommen Ratten nicht vor. 2 ) Berliner Sammlung VI. 24 153.
3 ) Die folgenden Sätze gelten natürlich nur im Gegensatz zur Siedlungsweise der sonst kulturverwandten Gazelle-Halbinsel. Vgl. S. 175,